Ich packe meinen Koffer und nehme mit…Teil 9

Mein Gott, schon Teil 9. Gestern habe ich übrigens wiedermal meinen Ehemann mit einem Aprilscherz außer Fassung gebracht, den ich hier mal kurz einbinden muss, da er auch etwas mit diesem Blog zu tun hat. Über mein Kontaktformular auf der website habe ich eine Anfrage des Heyne-Verlages für eine intensivere Zusammenarbeit fingiert. Ein sehr proffesioneller Text. Und da ich wusste, die Anfragen landen auch in seinem Postfach, musste ich nun nur noch warten, bis er ganz aufgeregt zu mir gerannt kommt. Genau dies trat ein, ich tat überrascht und freudig und besprach mit Swen, wie ich jetzt weiter vorgehen soll… Swen sah sich schon als Ehemann einer Schriftstellerin, die 2025 den Literatur-Nobelpreis verliehen bekommt und machte Platz im Bücherregal. Was für ein Spaß! Bevor wir den Heyne-Verlag dann mit unseren Honorarwünschen zugespamt hätten, habe ich natürlich noch aufgelöst und zufrieden deutlich vernommen:

Mist, Sie hat es schon wieder geschafft!

Nun zurück in den Kongo und damit auf die vorletzte Reiseetappe. Langsam muss ich mir Gedanken machen, was danach kommen soll und über Wünsche freue ich mich natürlich mindestens so sehr, wie über eine Verlagsanfrage.

Der gestrige Artikel endete ja mit dem versungenen:

„Gib dem Regen die Schuld!“

und der Aussage, das mein Wunsch nach Wasser offensichtlich übererfüllt wurde. Und wie! Es stand ja unsere Rückfahrt auf dem Sangha-Fluss in die zentralafrikanische Republik zur Doli Lodge an. Ich erwartet ein mehr oder weniger funktionierendes Boot, was es ja dieses Mal Flussaufwärts schaffen müsste und eine spannende Einreise in die ZAR, da ja der kongolesiche Stempel fehlte. Als ich gegen 6 Uhr aufwachte, goss es in Strömen und so beschlossen wir alle, geschwächt in den Betten zu warten, dass der Regen aufhört. Denn ich brauche nicht erwähnen, dass unser Boot sicherlich alles hatte, außer einem Dach.

Gegen 9 Uhr dann der erneute Wettercheck und die Tagung des Krisenrates. Da am nächsten Tag unser Flug zurück nach Bangui geplant war, hatten wir keine Alternative: Wir mussten noch heute zurück in die ZAR. Der Regen regnete sich so ein und wir stellten uns seelisch und moralisch auf eine nasse Bootsfahrt ein. Also zogen alle ihre Regencapes an, schützten ihr Gepäck mit dem Regenschutz und los ging es auf 5 Stunden Bootsfahrt durch den Regen.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass mein Regencap, mein Regenschutz und alles Wetterfeste schön in meiner gelbschwarzen Kraxe Urlaub machte, die sich jetzt scheinbar sonnte oder irgendwo einfach so rumstand???? Ich hatte also gar nichts und meine Reisekumpane hatten natürlich auch nichts doppelt eingepackt und ich habe auch noch nie jemanden gesehen, der ein Regencape in den Rot-Kreuz-Container geschmissen hat. Sah ganz schön blöd für mich aus. Wie gesagt, es goss in Strömen und die Varianten zwischen denen ich wählen konnte, waren:

  • mich mit meinem wenigen Klamotten ins Boot setzen und einfach innerhalb von zehn Minuten durchnässt sein und dann nichts trockenes mehr zum anziehen zu haben, denn mein Klamottenrepertoire war ja eher übersichtlich.
  • oder mich nur in Schlüppi und T-Shirt ins Boot zu setzen und die restlichen Klamotten vor der Nässe zu schützen. Selbst die Schuhe mussten gerettet werden, denn nasse Wanderschuhe sind der Tod.

Ratet mal! Ich entschied mich vorausschauend für Variante 2, denn trocken würde ich aus der Nummer sowieso nicht rauskommen und so hätte ich wenigstens nach 5 Stunden wieder eine trockene, wenn auch furchtbar dreckige Jeans und meine kuschelige Fleecejacke. Der Regen war ja hier auch nicht kalt, sondern schön warm. Diese Theorie griff, bis wir in voller Fahrt waren, denn nun machte der Fahrtwind alles tüchtig kühl. Ich saß mit dem Kopf zwischen den Beinen auf dem Boot, war direkt nach 2 Minuten naß bis auf den Schlüppi und hoffte nur, dass es irgendwann ein Ende hat.

Ab Minute 10 beschlossen meine Mitreisenden auch, mich nicht mehr anzusprechen. Besser wars. Schließlich mussten sie damit rechnen, dass ich sie beim ersten Kommentar kommentarlos aus dem Boot schmeiße. Warum musste ich denn eigentlich auf dieser Reise alles mitnehmen? Ich hatte doch mittlerweile nur noch meine Heimreise im Kopf und wollte in drei Tagen knutschen wie wild und mich nicht krank nach Hause schleppen. Und ich befürchtete zu recht, dass diese Bootsfahrt meinem knutschenden Plan einen Strich durch die Rechnung machen wollte.

Aber irgendwann war auch diese Etappe geschafft. Die ZAR ließ uns unproblematisch wieder einreisen, schließlich hatte ich ja zumindest ein in Deutschland ausgestelltes Visum für den Kongo und was können wir dafür, wenn an der Grenze niemand da war. Dann setzte ich mich 2 Stunden unter die heiße Dusche und versuchte nicht mehr im Takt zu zittern.
Unser Guide Jude nahm uns wieder in Empfang und entschuldigte sich tausendfach für den Wassermangel im Kongo. Als Ausgleich gab er eine Flasche Rotwein aus, die hier ungefähr den Marktwert eines Einfamilienhauses hat. Doch meine Reisegenossen outeten sich als Nicht-Weintrinker und dafür dankte ich Gott und schüttete mir dieses rote, geschmackvolle Desinfektionsmittel alleine hinter die Binde. Es gibt also tatsächlich noch Wunder für mich.

An diesem Abend trafen wir auch jemanden der Filmcrew, die ich ja schon erwähnt hatte. Vielleicht hatte er gerade seine kleine Familie besucht und seinen Stammhalter begrüßt. Jedenfalls musst auch er am nächsten Tag zurück nach Bangui, hatte aber keinen Flieger und mit dem Auto braucht man ja bekanntlich länger. Also bettelte er uns an, dass wir ihn in unserer Cessna mitnahmen. Da der Pilot nichts dagegen hatte, hatten wir also unseren eigenen blinden Passagier. Dafür wurden wir zur Filmpremiere für den morgigen Abend eingeladen. Ich ging gedanklich mein Handgepäck durch auf der Suche nach dem kleinen Schwarzen, aber das einzige kleine Schwarze war meine Kamera, die tatsächlich hier in der Doli Lodge endlich ein passendes Ladegerät gefunden hatte.

Ich war ja nur froh, dass der Weg zurück nach Bangui dieses mal nicht auf der Ladefläche des Pickup zu absolvieren war. Das hätte ich nicht mehr überstanden. Also stand der Plan, dass ich in meinen Schlammhosen zur Premiere gehe und es als Jungle-Look verkaufe.
Der Flug war entspannt und verdient aus diesem Grund auch keine weitere Erwähnung hier im Blog. Viel zu langweilig. Aber als wir in Bangui International landeten wurde ich sofort zur Seite gezogen und man entführte mich lachend in einen kleinen Raum.

Und da stand sie, meine geliebte gelbschwarze Kraxe, in einer Ecke, als wären nicht zwei Wochen vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Sie war sauber und vollständig und hatte all das in sich, was ich zwei Wochen meinte zu vermissen, aber doch auch nicht unbedingt gebraucht hatte. Nun blieb mir nur noch eines zu tun:

„Meine lieben Mitreisenden, ich gebe nun eine Runde frische T-Shirts und Schlüpfer zur Feier des Tages aus.“

Vor lauter Freude hätte ich am liebsten die gelbschwarze Kraxe zur Kinopremiere ausgeführt und mich schön mit ihr geschmückt. Aber Roter-Teppich-fähig war das nicht wirklich. Allerdings hatte ich auch nicht das kleine Schwarze im Gepäck, also musste die saubere Treckinghose herhalten. Mittlerweile war ich komplett stimmlos, dank der Bootsfahrt, die nicht lustig war. Aber irgendwie wollte ich auch gar nicht mehr reden. Also auf zur Kinopremiere der etwas anderen Art.

Punkt 1 es gab keinen roten Teppich, keine große Show, kein Blitzlichtgewitter, sondern eigentlich nur ein gut gefülltes Kino.
Punkt 2 im Kino waren keine Promi’s, aber ganz viele Ba’Aka, die irgendwie mehr oder weniger mit dem Film Kontakt hatten. Vielleicht auch einige der Jungmütter.
Punkt 3 ich erlebte den abgefahrensten Kinoabend meines Lebens. Denn es war so absolut nicht zu vergleichen mit einem Kinobesuch in Deutschland. Denn wenn jemand Bekanntes der Ba’aka-Kommune auf der Leinwand erschien, stürmten einige der Kinobesucher nach vorne und tippten auf die Leinwand, als würden sie den Darsteller persönlich begrüßen. Es wurde laut gejubelt und geklatscht mitten im Film. Oder sie zückten das Handy, riefen ihr jeden Dorfbewohner und Bekannten nacheinander an und berichteten lauthals von der gerade erlebten Filmszene. Und keinen störte dieser unglaubliche Geräuschpegel. Bei uns bekommt man schon ein „Zscht“, wenn man nur in die Chipstüte greift. Dort war Kino ein Surrounderlebnis der anderen Art.

Vom Film selbst kann ich gar nicht viel bereichten, er war mittelprächtig lustig, zeigte aber schöne Bilder aus den Ba’aka-Dörfern. Aber eines steht fest: mein hier persönlich gelebter Film war viel, viel besser.

Zum Abschluss gingen wir noch schön Essen in ein französisches Restaurant und was kredenzte uns der Koch als Highlight?

Einen leckeren Thunfisch-Salat!

Ist das noch Ironie, oder schon „Versteckte Kamera“? Naja, Morgen geht es zurück nach Deutschland samt sauberen Gepäck. Wir müssen nur noch durch den Zoll und damit habe ich auch das Abschiedsabenteuer für Euch, denn selbst diese Etappe hielt noch Überraschungen parat.

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