Ich packe meinen Koffer und nehme mit…Teil 10

Nun ist es soweit 17 Tage Reise sind in 10 Teilen Reisebericht von mir verarbeitet und die Heimreise steht nun an. Es waren 17 Tage voller Abenteuer mit einigen Erlebnissen, die ich nicht wollte, und vielen Erlebnissen, die mich geprägt haben. Wenn ich jetzt so meinen Reisebericht lese, bekomme ich schon fast wieder Lust einen zweiten Anlauf zu nehmen. Ich kann über das Erlebte schmunzeln, wenn nicht sogar lachen. Und das war wirklich nicht zu erwarten. Als ich damals wieder in Deutschland landete, brauchte ich einen deutlichen Abstand zu dem Erlebten. Fast ein Jahr lang habe ich die Foto’s nicht bearbeitet, was normalerweise innerhalb von einer Woche erledigt ist, weil es absolut die höchste Priorität hat, noch vor Kraxe auspacken und Wäsche waschen, was ja in diesem Fall fast gänzlich ausfiel. Auch habe ich nicht allzu viel bei Freunden und Bekannten darüber berichtet, denn viele hätten es schlichtweg nicht nachvollziehen können. Und ich war mir halt auch noch nicht sicher, wie ich alles für mich verarbeite. Mit Humor? Mit Wut? Mit Angst? Ich habe mich definitiv für den Humor entschieden und so wurde aus dieser schrägen Reise sogar noch ein Highlight meines Lebens.

Aber um mir all diese Gedanken machen zu können, musste ich ja noch die letzten Etappe von Bangui über Addis Abeba nach Frankfurt schaffen. Ich hatte eine ordentliche Kehlkopfentzündung, die mich noch einige Zeit begleiten würde und bekam gar nichts mehr aus mir heraus. War mir in dem Moment aber egal, denn knutschen mit Swen ging auch ohne reden und das war das Einzige, was ich jetzt noch wollte.

Also benahm ich mich wie eine Teflonpfanne, einfach alles an Problemen perlte an mir ab und tangierte mich nicht die Bohne. Das Beste was ich an diesem Tag machen konnte. Denn die ZAR ist nicht ganz frei von hochgradig korrupten Beamten und eben diese hatten allesamt an diesem Tag Dienst am Flughafen von Bangui. Und alle hatten gemeinsam beschlossen, uns in den Wahnsinn zu treiben.

Ein elektronisches Kofferröntgen gab es nicht, stattdessen stand eine sehr lange Tischreihe im Flughafen und wir durften vor dem ersten Zollbeamten unser gesamtes Gepäck auspacken, inklusive der dreckigen und sauberen Schlüppis. Bei allem was irgendwie nach Wert aussah, und das waren nicht meine Schlüppies, kam die Frage:

Darf ich das behalten?

Ergänzt von der direkten Frage nach Bargeld, Schmuck und einem Handy. Natürlich lautet unsere Antwort

Nein, Nein, und nochmals Nein.

Dies hatte den Effekt, dass wir unsere Taschen wieder einpacken durften. Wer schon einmal mit Kraxe gereist ist, weiß, dass das wie Tetris ist. Das passt nur das eine mal richtig rein, nämlich wenn man es zu Hause gepackt hat. Alles danach hat nur noch etwas mit roher Gewalt und Komprimierung zu tun. Kaum fertig durften wir zwei Schritte nach links rücken. Der nächste korrupte Zöllner stand lächelnd da und das Spielchen ging von vorne los.

Darauf hatte ich ja so gar keinen Bock und somit wurde ich zur Teflonpfanne. Konnte ja eh nix zu dem Zöllner sagen, da die Stimme noch im Boot zwischen Kongo und ZAR schipperte. Dabei lagen mir so einige Schimpfwörter auf den Lippen, aber der Zöllner konnte nicht von den Lippen ablesen und hier würden die Worte nur zu einem „Piep, Piep, Piep“ führen. Als er mich also nach meiner Taschenlampe fragte, dachte ich mir nur: schieb sie dir doch in deinen verdammten…. und meine Lippen formten ein

Yes, Du verdammter Hurensohn!

Sein Lippenlesen reichte nur für das „Yes“ und damit war ich durch mit der Schikane. Er half mir sogar beim Kraxen-Tetris, fragte noch übermütig nach Bargeld, was er nicht bekam, und führte mich in den Aufenthaltsbereich des Flughafens. Hier nahm ich Platz, nahm ein Halsbonbon und begann mich in freudiger Vorfreude zu suhlen.

Ungelogen 2 Stunden später kamen auch meine anderen Mitreisenden zu mir. Sie hatten überall mit „Nein, Nein, und nochmals Nein.“ geantwortet und durften somit dieses schöne Auspacken-Einpacken-Tetris-Schikane-Spiel ganze 12 Mal absolvieren. Auch wenn sie stolz auf sich waren, dass sie hart geblieben sind und die Korruption nicht weiter förderten, war ich einfach nur entspannt und zufrieden. Die Teflon-Taktik war an dem heutigen Tag einfach perfekt für mich.

Meinen Aufenthalt in Addis Abeba verbrachte ich in der gleichen Haltung, entspannen und vorausfreuen. Meine Mitreisenden meinten noch einen Kurzausflug in die Stadt machen zu müssen, wurden überfallen und hatten danach Probleme wieder in den Flieger zu kommen. Irgendwie scheint es doch Karma zu geben. Endlich ging bei mir mal alles glatt und so konnte ich schlussendlich meinen zukünftigen Ehemann in die Arme schließen und stimmlos knutschen.

Und nun? Spannende und lustige Reiseabenteuer habe ich noch einige, oder sollte es doch mal wieder etwas aus dem nicht minder lustigen Alltag sein?

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