Der Moskauer Esel im verflixten 7. Jahr

Nun haben wir es geschafft, das siebte Jahr unserer Ehe. Und das, ohne dass wir uns gegenseitig umgebracht haben, die Scheidung eingereicht wurde oder wir unsere Werte verraten haben. Allerdings kann ich keinen Unterschied zu den vorangegangenen Jahren feststellen. Es sei denn, wir beziehen die diesjährigen Herausforderungen, wie z.B. 24/7 Zusammensein, mit ein.

Das ich meinen Mann und das gemeinsame Leben sehr liebe, konnte man ja vorangegangenen Einträgen bereits entnehmen. Also keine Angst, dies wird kein Herzilein-Artikel, der vor Love trieft. Nein es wird ein Gehts-auch-einfacher-Artikel. Denn irgendwie neige ich auch hier zu Übertreibungen, wie gelegentlich in meinem Schreibstil. Der Grund für die Übertreibungen ist einfach. Schließlich habe ich ja fest geplant, das ich nur einmal verheiratet bin und so habe ich auch nur eine Chance den z.B. siebten Hochzeitstag gebührend zu feiern. Wäre ich eine Elisabeth Taylor oder Pamela Anderson, so wäre das für mich deutlich einfacher. Ich hätte verschiedene Übungsrunden und könnte mich ausprobieren. Okay manchmal schafft man es nicht mal zum ersten Hochzeitstag, aber die anderen Male hätte ich diesen ersten Hochzeitstag üben und langsam perfektionieren können. Aber meine Chancen auf wenigstens eine Diamantene Hochzeit (60.) mit nem ordentlichen Ring würden merklich schwinden.

Ich mit meiner Einstellung muss nun allerdings gleich im ersten Versuch immer die perfekte Überraschung planen, eine zweite Runde gibt es nicht. Und dieser Drang zur Perfektion betrifft allerdings nur meine eigenen Vorbereitungen auf den Hochzeitstag. Bei meinem Mann bin ich da wesentlich gnädiger. Hier freue ich mich schon, wenn er selbigen nicht vergessen hat, mich mit Blumen für eine der leeren Vasen und einem Essen überrascht. Allerdings muss ich sagen, dass meine Perfektionsversuche auf ihn abfärben und somit jährlich die Latte etwas höher liegt. Er will nun auch so kreativ, überraschend und aufmerksam sein, wie ich. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich das gar nicht möchte, aber eigentlich gefällt mir schon, dass er sich angespornt fühlt.

Bei der „Kupfernen Hochzeit“ dachte ich nun zuerst doch mal an scheiden lassen und von vorn anfangen, denn Kupfer ist irgendwie nicht so mein Material. Dazu muss man vielleicht ausholen und mal aufführen, was so die letzten 6 Hochzeitstage gelaufen ist. Danach kann ich mich dem komischen Kupfer widmen:

  1. Papierhochzeit, scheinbar weil man endlich kapiert hat, dass man auf allen Papieren nun mit seinem neuen Namen unterschreiben muss. Bei mir hat es ungefähr so lange gedauert, mindestens. Es gab eine riesige Schachtel im Herzformat mit 71. Umschlägen drin. Auf jedem Umschlag steht der jeweilige Hochzeitstag und wir schreiben uns jedes Jahr einen kleinen Liebesbrief, den wir uns dann zum 71. Hochzeitstag vorlesen. Ja, mir ist bewusst, dass der 71. Hochzeitstag recht sportlich sein dürfte. Aber geben wir der Wissenschaft eine Chance!
  2. Baumwollhochzeit, ich schätze weil man nun selbst die Jogginghose am Ehemanne sexy findet und alles etwas bequemer wird. Von mir gab’s eine Bettwäsche mit einem riesigen Hochzeitsbild von uns drauf. Ich gebe zu, dass die Bettwäsche etwas gruselig ist, denn plötzlich haben die Nächte etwas von Swingerclub mit acht anderen Päarchen. Ich sag nur zwei Bettdecken, zwei Kopfkissen und jeweils ne Vorder- und Rückseite. Hätte ich einen zweiten Versuch, würde ich eher Boxershorts oder Taschentücher bedrucken? Aber Versuch Nr. 2 gibt es eh nicht.
  3. Lederhochzeit, ich schätze nach einem Jahr Swinger-Bettwäsche ist es einfach soweit, dass etwas Schlüpfriges her muss. Eine Lederpeitsche, Bikerklamotten oder halt doch ein Buch im Ledereinband? An dieser Stelle schweigt die Bloggerin einfach mal und lässt Eurer schmutzigen Fantasie Raum.
  4. Seidenhochzeit und hier hätte ich mir gewünscht, dass die Idee mit der Bettwäsche nicht schon gelaufen wäre. Ab jetzt lese ich mir die Titel der nächsten 60 Jahre durch, damit ich noch besser vorbereitet bin. Statt Bettwäsche gab’s eine Schachtel mit einem Seidentuch, welches ein paar Foto’s für die Ewigkeit ummantelte.
  5. Hölzerne Hochzeit, vielleicht weil man nun weiß, wofür die Axt gedacht ist und man gelegentlich davon träumt, diese auch so richtig zu benutzen. Diesen Gedanken im Kopf suchte ich nach einer schönen romantischen Holzhütte und fand sie im Harz. Was dachtet ihr denn, was ich meinte? Also wir verbrachten ein Kinderfreies Wochenende in der Kuschelhütte mit Kamin, erklommen den Brocken und genossen unsere Zweisamkeit.
  6. Zuckerhochzeit, ein Klassiker der Hochzeitstage an dem man normalerweise die sechs Jahre alte Hochzeitstorte aus dem Gefrierfach zieht und „genüsslich“ isst. Bei uns war schlicht nichts zum Einfrieren übrig geblieben, verfressene Sippe haben wir. Also ließ ich die Torte nachbauen, stellte zumindest unser altes Tortenpaar drauf und überraschte meinen Gatten auf der Sieben-Seen-Wanderung mit einer cremigen Erinnerung.

Und nach all diesen tollen Ideen kam nun die „Kupferne Hochzeit“. Nun mal ehrlich, Kupfer? Ein Kupferstich ist nicht so unser Fall, außerdem bin ich hier ungefähr so talentiert, wie als Dichterin. Gleich eine bronzene Statue von unserem Hochzeitsabbild mit immerhin 60% Kupferanteil fand ich dann doch etwas übertrieben. Kupferschmuck? Sieht gruselig aus. Eine Wärmflasche, eine Lampe, oder ein Kochtopf sind ungefähr so romantisch wie eine Luftpumpe. Also hier musste ich reichlich drüber nachdenken und das über Monate.

Irgendwann fand ich Kupferbecher, die nicht schön sind, aber wenigstens als Gefäss für einen bekannten Cocktail dienen. Der Moskauer Esel, übrigens für den Sommer eine echte Empfehlung, wird traditionell im Kupferbecher getrunken. Warum? keine Ahnung, würde sicherlich auch aus dem Glas schmecken. Aber vielleicht erinnert dieser Kupferbecher an die Moskauer Zwiebeltürmchen und deshalb gibts den halt nicht aus dem Glas sondern aus dem Kupferbecher.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich Swen meinem Hochzeits-Überraschungs-Perfektionismus angeschlossen hat und somit mindestens genauso viel Hirnschmalz in die Ideenfindung investiert. Er fand eine Kupfervase, die er sogar ersteigern musste. Auch sie ist nicht schön, aber offensichtlich selten. Und in Kombination mit Rosen und den beiden Kupferbechern mit dem Moskauer Esel gewann sie unheimlich an Schönheit.

Der nächste Flohmarkt kommt bestimmt irgendwann wieder und dann sind wir die einzigen, die etwas aus Kupfer anbieten können. Und wenn jetzt viele Jungvermählte von mir angespornt werden, werden wir die Vase und die Becher bestimmt wieder los, zu Bestpreisen, da schon kupferhochzeits-mäßig getestet.

Nächstes Jahr wird es nicht einfacher für uns. Wir haben es mit der „Blechhochzeit“ zu tun und jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, mir gute Ratschläge für die Ideenfindung zu übermitteln. Denn noch bin ich völlig ratlos. Darauf einen Moskauer Esel..

Wenn ich aber auf die verbliebenen 64 Umschläge illere stehen mir noch harte Jahre bevor und ich gehe ab sofort lieber in die Langzeitplanung:

  • 12. Nickelhochzeit: mit meiner Nickelallergie könnte das pickelig werden
  • 12 1/2. Petersilienhochzeit: Weil man die Hälfte zur Silbernen geschafft hat. Aber wieso Petersilie? Soll ich ihn da drunter verbutteln, wenn er die Blumen vergessen hat?
  • 14. Elfenbeinhochzeit: Und endlich gehts ab nach Afrika:)
  • 22. Bronzehochzeit: Hier denke ich nochmals über die lebensgroße Statue nach.
  • 23. Titanhochzeit: Unser erstes Zahnimplantat und ich darf es setzen?
  • 28. Nelkenhochzeit: Wehe Schatz, wenn Du mir Nelken schenkst, geh ich auf Maidemo!
  • 33 1/2. Knoblauchhochzeit: Warum bekommen die halbierten immer einen so komischen Nachgeschmack? Und warum gibt es halbe Hochzeitstage?
  • 53. Uranhochzeit: Nun mal ehrlich, weil uns Uran zum Strahlen bringt? So ein kleiner Atompilz im Garten hat vielleicht auch etwas.
  • 63. Quecksilberhochzeit: Vielleicht, weil dann das Fieberthermometer wieder eine ganz neue Bedeutung für uns hat?

Ihr seht, so eine Ehe ist schon eine immerwährende Herausforderung. Aber wir haben mächtig Spaß dabei. Und als ich gestern, vom Moskauer Esel ermutigt, versuchte in mein Brautkleid zu schlüpfen, hatte es glatt etwas von einen Moskauer Esel durchs Schlüsselloch pressen. Wir haben keine Gewalt angewandt und somit geht es dem Kleid noch gut. Mein Ego dagegen hat die Waage aus dem Fenster geschmissen. Doch ich habe eine Theorie: Es soll doch Stoffe geben, die über die Jahre erheblich schrumpfen. Ich schätze aus solchem Stoff war mein Kleid;)

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