14. August 2023 – No Need to Argue

Heute stand ein Fahrtag wegen Unterkunftswechsel an. Und jedes Mal, wenn wir abreisen und weiterziehen bleibt das Gefühl, wir hätten noch viel mehr sehen und machen können. Dies ist tatsächlich immer schwierig für uns und besonders für mich. Immer gibt es noch das eine Foto, was ich noch schießen möchte. Die eine Wanderung, die wir nicht geschafft haben. Die eine Sehenswürdigkeit, die auch noch sehr schön sein sollte. In solchen Fällen sagen wir uns immer, wir können ja jederzeit wieder hier Urlaub machen. Und ich denke schon jetzt: Irland hat uns nicht das letzte Mal zu Besuch.

Aber zurück zum Fahrtag. An solchen Tagen steht immer die Frage, die direkte Route nehmen, oder ein paar Umwege einplanen. Und wir sind keine Touristen der schnellen Autobahnen. Also bauten wir auch heute so 2-3 Umwege ein und verdoppelten die Fahrzeit von eigentlichen 2:30 h auf knappe 5 h. Dafür haben wir was erlebt und trotz Fahrtag unsere Pflicht-10.000-Schritte geschafft.

Zuerst ging es von Ballyvaughan direkt nach Cliffden und direkt danach auf die Skyroad, einer besonders schönen Küstenstraße. Natürlich gab es auch hier nie genügend Fotoparktlücken, aber ich übe mich in Genügsamkeit. Dafür war der Blick über den Himmel (Sky) und die vorgelagerten Inseln und Halbinseln einfach wunderschön. Wenn man denn mal anhalten konnte. An dieser Stelle mache ich nochmal Werbung für die Investition in mein geplantes Irland-Auto. Aber ich schätze, inzwischen hat sich ein cleverer Leser die Lizenz dafür gesichert und ich muss auch nach meinem Urlaub weiter arbeiten gehen.

Nach diesem weniger aktiven Part hielten wir an der Kylemore Abbey, die laut Namen eine Klosterkirche nebst Kloster erwarten lies. Stattdessen wurde uns ein Märchenschloss an einem See geboten, plus ein großer viktorianischer Garten. Okay, eine Kirche gab es auch und der Garten wurde wirklich mal von Nonnen beackert, aber dennoch stand da ein Märchenschloss. Es zählt wohl zu den schönsten, da recht neu und mit einem perfekten Blick auf den See und die Berge.

Wenn ich See und Schloss davor höre, ist das für mich gleichgesetzt mit einem fotografischen Höhepunkt. Denn wo Wasser ist, ist auch ein Spiegelbild im Wasser. Und so ein Schloss sollte da doch ganz hübsch aussehen. Also schaute ich bei unserer Ankunft gleich mal nach den besten Motivpositionen. Aktuell wehte noch der Wind, aber so schnell wollte ich nicht aufgeben.

Also ging es zuerst durch das Schlösschen und anschließend zur Kirche. Dann kehrten wir wieder um und liefen in die entgegengesetzte Richtung zum viktorianischen Garten. Hier hätten wir auch den Shuttlebus nehmen können, aber da wir noch unter Hundert waren und auch keine Gehbehinderung hatten und der Weg auch nur 2 km lang war, weigerten wir uns als eine der Wenigen. Die meisten fuhren tatsächlich die kurze Strecke und warteten lieber auf den nächsten Bus. Nicht mit uns, wir brauchten Schritte. Und das war auch nicht umsonst, denn zum Beispiel sah ich das erste Mal in meinem Leben eine Artischockenpflanze und dachte eine riesige Diestel steht vor mir. Und schon hatte sich der Tag gelohnt. Wir machen nämlich immer lustiges Pflanzenraten in solchen Gärten und wenn wir keine Ahnung haben bzw. uns uneins sind, wird die entsprechende Pflanzen-App befragt.

Zurück ging es Richtung Schloss und ich hoffte, dass nun gefälligst der See wie ein glasklarer Spiegel schimmerte und sämtlicher Wind verebt war. Aber Pustekuchen, der Wind pustete immer noch. Und so gelang mir nur ein erahnenswertes Spiegelbild. Ich durfte auch nicht länger warten, denn die Wahrscheinlichkeit für Windstille war am heutigen Tag nur ungefähr so groß, wie die Wahrscheinlichkeit einen Fahrtag ohne Umwege einzuplanen. Also muss auch dieses Foto auf meinen zweiten Besuch warten. Dann nehme ich einen Gegenbläser mit oder einen übergroßen Schirm, der sämtlichen Wind von MEINEM Motiv abhält.

Nun stand nur noch ein Mini-Stop auf dem Plan. Mal wieder ein Wasserfall, der Aasleagh Fall. Ich gebe zu, der davor liegende Killary Fjord war deutlich sehenswerter, aber so schnell lass ich keinen Wasserfall aus. Anders als meine Mitreisenden, die blieben im Auto und meinten nur, dass sie doch schon 1-100 Wasserfälle gesehen haben. So ein faules Pack. Dann gehe ich halt alleine über die nassen Wiesen und am Fluss entlang. Ich würde nie im Traum zugeben, dass es nicht mein Top 100 Wasserfall war, also pssst.

Dann blieb nur noch der Weg zur neuen Unterkunft und ein kurzer Zwischenstop in einem Supermarkt zur Auffüllung unserer Vorräte. Man sollte nie hungrig einkaufen. Doch es war schon spät und wir waren sehr hungrig. Also kauften wir Spareribs von 10 Schweinen (könnte ja Besuch kommen) und hofften, dass es in der neuen Unterkunft einen Grill oder einen Ofen gibt. Kaum waren wir angekommen avancierte es locker zu Platz 1-2 unserer vielen Unterkünfte. Ein total stylishes Haus mit allem was das Herz begehrt, der Strand nur 10 Minuten entfernt in Sonnenuntergangsrichtung, ein sehr lieber Greyhound namens Diesel und Fussballfreunde im Alter von Georg. Also jeder bekam einen kleinen Bonus zur eigentlichen Unterkunft. Hier bleiben wir erst einmal.

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