16. August 2023 – Ultra Violet

Unser vorerst letzter Tag an der irischen Küste steht an, bevor wie ins Landesinnere wechseln und uns langsam Dublin und dem Urlaubsende nähern. Aber darüber mag ich noch nicht eine Sekunde nachdenken. Für heute galt mein Denken nur dem Tagesablauf und wie wir einen letzten Blick auf die Küste, mit dem Vorhaben im Atlantic baden zu gehen, kombinieren können. Das Wetter sollte laut Schuhauswahl und Wetterapp passen, also beste Voraussetzungen für einen tollen Tag.

Zuerst nahmen wir uns die Konkurrenz-Klippen zu den Cliffs of Moher (CoM) vor. Das sind nämlich die Klippen der Sleave League. Das es hier ein anständiges Konkurrenzverhalten gibt, erfuhren wir gleich im Shuttlebus zur Aussichtsplattform. Ja, ja, wir haben wirklich einen Shuttlebus gewählt. Vor ein paar Tagen habe ich noch gegen die faulen Touristen, die Shuttlebusse nutzen, gewettert und heute saßen wir sogar zweimal in solch einem Bus. Grund war aber nicht unsere Faulheit, sondern die Konzentration unserer vom gestrigen Tag geschwächten Kräfte in Bezug auf Bergerklimmungen. Außerdem gab es direkt an den Klippen kaum Parkplätze und der Fussweg zur Plattform hätte schlicht alle unsere Restenergien gekostet und wir hätten die Wanderung oberhalb der Klippen auf den Klippenkamm nicht mehr geschafft.

Doch zurück zu den Hahnenkämpfen zwischen den CoM und der SL. Gleich im Shuttle wurde nämlich erwähnt, dass HIER die Klippen dreimal so hoch sind wie die der CoM und damit doppelt so hoch wie der Eifelturm. Was haben die nur mit dem Eifelturm. Fakt ist jedenfalls, dass es hier dafür deutlich weniger Touristenströme und eine ebenfalls tolle Aussicht gab. Also Klippen hin oder her, wir finden beide beeindruckend und damit braucht keiner solche Hahnenkämpfe.

Nach diesen Informationen hielten wir an der Aussichtsplattform. Viele geben sich hier mit den Foodtrucks und der schon tollen Aussicht zufrieden. Wir pickten uns aus, was wir als Belohnung nach der Wanderung schlemmen wollten. Swen und ich eine Lobster-Rolle und die Kids einen HotDog. Dazu Eis und einen Kaffee. Ich finde dieses Ding mit den Food-Trucks hier übrigens beeindruckend. Überall wo sich eine Sehenswürdigkeit, eine tolle Aussicht oder schlicht nur ein einfacher Viewpoint befindet, parkt zu 95% auch ein Foodtruck, der mindestens Kaffee und Cookies anbietet, aber oft auch Fish’n’Chips oder andere Schlemmereien. Verhungern kann man hier auf einem Roadtrip nicht und offensichtlich fühlen sich alle versorgt und die Food-Truck-Besitzer verdienen so ihr geregeltes Einkommen. Bei uns setzt sich dies erst langsam durch, aber ich finde diese Variante deutlich interessanter und einladender als die Stino-Imbiss-Bude mit dem Stino-Imbiss-Angebot.

Doch zurück an die Klippen, hier hatten wir uns also unsere Belohnungsverpflegung ausgesucht und nun mussten wir sie uns erst einmal verdienen. Es ging also wieder bergauf auf den Klippenkamm, unermüdlich immer höher. Wenigstens heute trockenen Fusses, denn für die Shuttle-Bus-Gebühr wurden hier richtige Wege angelegt und die machten das Berg-Erklimmen deutlich leichter. Die Aussicht hinunter auf den Ozean, entlang der Klippen, über die Inseln und die im Hinterland befindlichen Berge war einfach atemberaubend schön. Besonders hat mir gefallen, dass alle Berge in Ultraviolet durch die unendlichen Teppiche voller blühender Heide leuchteten. Das sieht so toll aus und bringt aller fünf Meter neue Blickwinkel. Aber irgendwann beschlossen auch wir die unendliche Klippenerklimmung zu verkürzen und die Lobster-Rolle anzupeilen. Schließlich hatten wir noch einen zweiten Tagesordnungspunkt.

Also ging es gefühlt im Stechschritt zurück zur Aussichtsplattform und was soll ich sagen? Der Foodtruck mit unserem Belohnungsessen war offensichtlich für heute ausverkauft und so war er einfach so weg. Keine Lobster-Rolle für uns, stattdessen nur ein Eis (lecker) und einen Cookie. Beim nächsten Mal reserviere ich für mich vor, bevor ich mich für eine Belohnung auf den Weg mache, die es dann nicht gibt. Aber andererseits hätte ich die Wandertour auch nicht missen möchten.

Nun ging es mit dem Shuttle zurück zum Parkplatz und weiter zum Mullaghmore Beach, um die Mission Baden im Ozean ins Visier zu nehmen. Wir waren ausgerüstet mit Handtüchern und Badesachen und hatten auch erstmals alle kurze Hosen an. Dazu kam, dass es uns auch nicht am Willen fehlte. Aber ein irischer Sommer wie in diesem Jahr lässt an Temperaturen zu wünschen übrig. Und während Georg sich weigerte, mit der Begründung, er müsse Sandburgen bauen, weigerte sich Pini durch einen unkommentierten Blick aus ihrem dicken Pulli unter der Kapuze versteckt. Also mussten wir Alten ran und zogen es knallhart durch. Also so knallhart, wie man bei minus zwanzig Grad auf der gefühlten Temperaturanzeige halt sein kann. Wir waren, glaube ich, die einzigen am Strand, die das Untertauchen mit einem lauten Aufschrei vertonten. Aber danach waren wir so stolz auf uns und unsere Antarktisexpedition, dass wir uns gleich noch in einem Restaurant belohnen mussten. So aß ich alle Meeresbewohner in Form einer riesigen Portion Muscheln auf und konnte im Eiweißschock danach Swen zu einer kleinen Foto-Extra-Tour im Abendrot überreden. Belohnung muss halt immer sein, wenn es auch keine Lobster-Rolle gab.

Das coole ist, dass ich die richtige Fotografen-Wetter-App habe. Denn über Abendrot und Co. können auch meine Schuhe keine verlässliche Aussage treffen. Anhand dieser App weiß ich vorher schon, wie der Sonnenuntergang wird, ob rot und atemberaubend schön oder einfach nur nicht sichtbar. Und das coole ist, sie funktioniert auch hier und lag für mich auch noch nie falsch. Wer hier noch nichtwissend unterwegs ist und sich sinnlos zu Sonnenuntergangslocations aufmacht, um dann vor einer geschlossenen Wolkendecke zu fluchen, kann mich gerne kontaktieren und ich gebe diesen Tipp weiter. Ich jedenfalls konnte mal wieder auf Ansage ein Abendrot genießen und fototechnisch festhalten.

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