Auf diese sehr philosophische Frage werde ich noch eingehen, keine Sorge. Aber vorab eine Durchsage an Bord: Wir haben es endlich geschafft, eine grobe Orientierung auf der Aida zu haben und finden unser Zimmer mittlerweile ohne die Hilfe der sehr freundlichen Lost-and-found-Kollegen. Dabei haben wir eine Kabinennummer, die sehr leicht zu merken ist. Eine XX007 also quasi das James Bond Zimmer. Was mich auf den neuen Schiffs-Slogan bringt:
„Stirb an einem anderen Tag – auf der Aida wird gelebt!“
oder
„Die Welt ist nicht genug – an Bord“
Es ist ja auch alles idiotensicher an Bord ausgezeichnet, schließlich sind überall Nummern, Übersichtsbildschirme und Mini-Aida’s, die einem zeigen, wo an Bord man sich befindet. Gäbe es diese Rettungsinseln der Orientierung nicht, hätten wir scheinbar die ersten Nächte auf den Liegestühlen am Whirlpool verbracht. Wenigstens hätten wir dann eine Handtuchreservierung für den nächsten Tag gehabt. Doch ich bin jedes Mal extrem erleichtert und glücklich, wenn ich andere suchende Blicke sehe, oder jemand freundlich fragt: „Wo ist jetzt eigentlich vorne?“ oder „Welches Deck haben wir hier?“. Ich liebe diese kurzen Unterhaltungen, die wirklich nur auf einem großen Aida-Schiff Sinn machen.
Aber zurück zu unserem ersten Tag mit Ausgang, äh Landgang meine ich natürlich.
Der Tag begann mit einem frühen Weckerklingeln um 6:30 Uhr, denn wir wollten unsere erste Einfahrt in einen Hafen garantiert nicht verpassen. Bei einem Blick auf den Balkon waren wir augenblicklich munter. Denn erstens war es saukalt im Negligee und zweitens hatten wir nasse Füße, weil es offensichtlich geregnet hatte. Hier war also das typisch norwegische Herbstwetter. Sooooo schön. Also erst einmal eine Jacke überwerfen, die Mütze aufsetzen und wasserdichte Schuhe anziehen und dann den zweiten Versuch der begleiteten Hafeneinfahrt starten. Ging dann auch besser. Und so wurde es langsam immer heller und schöner. Der Lotse machte irgendwann auch den Blick frei und wir genossen einfach die tolle Stimmung und ich strapazierte meinen Fotofinger bis zum Muskelkater.
Kurz vor dem Hafen mussten wir noch eine riesige Hängebrücke durchqueren und bei aller Liebe, ich war mir trotz optimistischer Grundeinstellung gar nicht sicher, ob wir das schaffen würden. Schließlich trifft hier eine fahrende Kleinstadt auf eine Hängebrücke. Aber an der Stelle kann ich alle Mitleser beruhigen, wir haben es geschafft. Wäre es nicht so, würde ich ja jetzt mit meinem Laptop auf einer Tür durch den Fjord schippern und darauf achten, dass mein Mann mich nicht ins Wanken bringt. Übrigens, im Ernstfall würde ich natürlich den Laptop loslassen und meine schwimmende Tür mit meinem Mann teilen. Also falls er lieb ist…
Nach dem anschließendem, frühmorgendlichen Kampf am Buffet verließen wir erstmalig das Schiff, um uns Bergen anzusehen. Das war eine Bewegung wie die Lemminge auf Landgang oder eine Ameisenstraße auf Tagesausflug. Da half nur eines: An der ersten sich bietenden Ecke, einfach dem Rudel entfliehen und in die gegengesetzte Richtung ausscheren. Man glaubt es nicht, aber so waren wir tatsächlich innerhalb von Sekunden plötzlich unter uns. Ganz alleine in einer fremden Stadt, verrückt. Ein irres Gefühl, dass wir nur überleben konnten, indem wir den ersten Touristen auf dem Weg ein ungewolltes: „Sollen wir sie mal fotografieren?“ entgegen bretterten. Ganz ohne soziale Kontakte können wir schon nach nur 48 Stunden nicht mehr. Wie soll das nur enden?
Aber jetzt mag ich endlich mal zur Erklärung des Blogtitels kommen. Übrigens schön, dass Du/Ihr/Sie immer noch mitlesen. Also Bergen heißt Bergen und nicht Talen….Achtung jetzt kommt’s: Weil Bergen eine Anreihung von Bergen ist. Also den Dingern mit einem Gipfel oben und einem Hang an den Seiten. Diese philosophische Entdeckung machten wir, kaum dass wir unsere erste Fluchtchance aus der Gruppe genutzt hatten. Es ging bergauf. Meine verkürzten Sehnen jauchzten, was man allerdings nicht hören konnte, da meine Lunge schnaufte wie ein D-Zug. Aber es war halt Auslauf und endlich mal nicht nur Wandern nach Nummern, Etage für Etage.
Nach diesen ersten Bergbesteigungen und dem Gefühl einer Erstbesteigung nach Wochen im Tale und noch so vielen Bergen in Bergen um uns herum (hach machen diese Wortspiele Spaß), beschloss ich dass wir diesen Floyen gefälligst mit der Bahn erklimmen. Also ab und durch, durch diese wunderschönen Gassen mit den wirklich wunderschönen Häusern. Die Stadt hatte mich sofort und so wollten wir sie uns auch endlich von oben anschauen. Als wir an der Floyen-Bahn ankamen erstreckte sich wieder diese Ameisenstraße, die sich offensichtlich durch die ganze Stadt zog bis hin zu diesem Tickethäuschen. Eine riesige Schlange und alle wollten mit. Doch für’s Schlange stehen sind wir nicht gemacht, also schnell online ein paar Tickets gebucht und rechts an der Schlange vorbei, ohne jegliche Wartezeit ab in die Bahn. Ich schätze, jetzt wo ich diesen ultimativen Tipp geteilt habe, sind die Zeiten der nicht vorhandenen rechten Schlange Geschichte. Aber was soll’s, wir fuhren jedenfalls direkt hoch und genossen augenblicklich Natur, Ausblick und einen verwunschenen Wald. So schnell fühlt man sich wieder in der Natur, auch wenn man eine Stunde vorher noch am Fahrstuhl einer Stadt angestanden hat.
Den Weg hinunter genossen wir zu Fuß und jedes Stückchen Moos und Farn fühlte sich wunderschön an. Da störte es auch nicht, dass hi und da ein paar Tropfen Regen runter kamen. Für Bergener Verhältnisse hatten wir nämlich eher Glück. Als wir wieder in der Stadt ankamen und die Festung ansteuerten gab es sogar blauen Himmel und Sonnenschein. So lieben wir das natürlich noch etwas mehr.
Aber irgendwann waren auch wir des Laufens müde und steuerten wieder unser Schiffchen an. Es fühlte sich in der Schlange, ja sie hatte uns wieder, an, als würden wir nach einem verdienten Freigang wieder zurück müssen. Die Kette mit dem Bordpass wurde umgehängt und mir brauch keiner erzählen, dass sich dies nicht wie eine kleine Inhaftierung nach dem Freigang anfühlt. Da hilft nur, schnell ein Aperölchen besorgen und die Ausfahrt auf dem Balkon genießen. Schon war dieses Gefühl verflogen bzw. weggesoffen. Die Ausfahrt belohnte uns dann noch mit einem traumhaften Sonnenuntergang und so waren wir wieder seelig auf unserer Aida.










































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