14.Juli 2025 – Die Latte der Erwartungen liegt hoch

Seit Tagen habe ich den Spannungsbogen für die vorletzte Lodge hochgehalten. Nach unserem Aufenthalt in der Buffelsdrift Lodge wollte mir keiner meiner beiden Mitreisenden glauben, dass eine Verbesserung überhaupt möglich wäre. Aber ich habe ja schon so meine Erfahrungen in Afrika und weiß, was sich hinter manchen Lodges verbirgt. Aber dennoch waren Swen und Georg skeptisch bis gespannt. Ihr zu der Zeit einziges Ziel waren Löwen. Also lag ihre Latte eher niedrig. 

Wir starteten wieder mit einem Frühstück. Die Sonne wärmte unsere Glieder und so beschlossen wir aufgrund der wunderschönen Anlage des Guesthouses noch ein Stündchen am Pool zu verbringen. Haben ja schließlich Urlaub und heute nur eine verhältnismäßig kurze Anfahrt in die nächste Lodge. 

Diese brachten wir dann auch in einem Ritt mit nur zwei einspurigen Baustellen und einer Wartezeit von knapp 30 Minuten hinter uns. Auf den letzten Drücker sollte man hier echt nicht losfahren. Besonders beeindrucken die Fahnenschwänker vor, mitten und am Ende einer Baustelle. Den ganzen Tag Winkelemente schwenken bringt Armmuskeln und beansprucht einen intellektuell auch nur mäßig. Bei uns würde sich für solch einen Job maximal eine elektronische Ampel bereit erklären. Doch hier wird man noch freundlich angelächelt. 

Interessant war auch die Baustelle an sich, als wir endlich mal durchfahren durften. Denn statt dem riesigen Betonmischer wurden hier alle 50 cm ein Sack Beton ausgeschüttet, der dann direkt auf der Fahrbahn angemischt wurde. 

Aber genug von Baustellen, wir wollten ja in eine Traumlodge. Kaum dort angekommen, mitten im Nirgendwo, wurden wir mit heißen Waschlappen und einem Drink empfangen. Drink versteh ich ja, aber stinken wir wirklich so, dass man uns mit nem Waschlappen begrüßen muss? Auch wenn die Safarihose mittlerweile staubig ist, so finde ich uns noch ganz reinlich. 

Aber egal, dass war nur der Anfang, denn nach der Begrüßung gab es erst einmal ein leckeres Mittagessen inklusive Wein und dann wurden wir zu unserem Haus am Wasserloch geführt. Ein einfach wunderschönes Domizil mit reichlich Platz und mehr Annehmlichkeiten als man eigentlich braucht. Die Minibar ist reich bestückt, falls man noch irgendwie Durst außerhalb der Essenszeiten bekommt. Ich glaube, wir werden hier Verzehrstress haben. 

Doch das beste an der Lodge sind die vielen Aktivitäten, die man hier nutzen kann.  Und so starteten wir mit nur einem weiteren Pärchen 15:30 auf die Nachmittags-/Abendfahrt. Der Safari-Jeep war so neu, dass er wie geleckt aussah. Unser Guide Forrest hatte ihn tatsächlich erst am Morgen bekommen. 

Irgendwann auf der Tour sahen wir auf dem gegenüberliegenden Hang einen stecknadelgroßen weißen Fleck. Nun war die Frage: ist es ein Stein, ein Knochen oder doch etwa ein Löwe? Schnell den Superzoom genutzt und festgestellt, dass der Stein zumindest so aussieht, als hätte er Beine. Also sind wir schnell losgerast um das zu checken und tatsächlich fanden wir ein Löwenpärchen. 

In all meinen vergangenen Afrikatripps habe ich schon so manchen Löwen gesehen, ob schlafend oder brüllend direkt vor mir. Aber was ich noch nie gesehen habe, ist ein sein Jagdgut fressender Löwe. Und dieses Glück hatten wir hier. Ein frisch gerissenes Nyala wurde hier vor unseren Augen vom dominanten Männchen verspeist. Der Löwe kroch förmlich in den zerfetzten Körper und das Weibchen lag daneben und übte sich in Geduld. Ich glaube im Tierreich wäre ich der dominante Löwe, denn ich könnte auf keinem Fall geduldig darauf warten, dass Swen mit dem Essen fertig ist. 

Gefühlt saßen wir mit an der Tafel und warteten auf die Nachspeise. Ein Wahnsinns Schauspiel und meine Kamera glühte. 

Mitten drin meinte Georg nur: „jetzt muss ich mal!“. Verdammt ungünstiger Zeitpunkt für eine Pippipause. Also ich meine ja, die Löwen waren mit einem blutenden, saftigen Nyala beschäftigt. Aber wer sagt, das so ein knackiger Georg nicht als Nachspeise in Frage kommt. 

Also wechselten wir lieber mal die Position und wählten einen Sicherheitsabstand von ca 1km. Hier gab’s dann nicht nur ne Pippipause, sondern auch den Sundowner. Forrest baute gleich ne ganze Bar auf dem Auto auf, inklusive leckerer Snacks. Ich finde, das hat Stil und ich kann nicht behaupten, dass wir es nicht genossen haben. Wir wählten ganz klassisch einen Gintonic, soll ja schließlich vor Malariamücken schützen. Sicher ist sicher!

Nach diesem stilvollen Break fuhren wir im Dunkeln langsam zurück zur Lodge. Immer mit dem Scheinwerfer im Anschlag, um ja nichts zu übersehen. Und so übersahen wir auch nicht die beiden Elefanten knapp neben dem Fahrweg. Also so drei Meter neben dem Fahrtweg. Die beiden schlichen langsam an uns vorbei, als wären wir mit unseren Scheinwerfern gar nicht anwesend und trampelten gemütlich den Berg hinauf, um an jedem Baum etwas abzufressen. Der Hang war sehr steil und wirklich direkt an unserem Auto und Swen war mehr als bereit den runterkullernden Elefanten direkt in seinen Armen aufzufangen. Dieses Bild bekomme ich nicht mehr weg vor meinem inneren Auge und lache seither unaufhörlich. Swen mit einem riesigen Elefanten auf den Arm und ihm entfleucht nur ein „oh schitt“. 

Irgendwann war es Zeit, dass wir uns im Camp wieder auftauten und dass durften wir gleich beim Verlassen des Jeeps mit einem heißen Amarula bzw. einer heißen Schokolade. Einfach ein Träumchen. Und darauf süße Träume im Safari-Himmel.

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