Nach zwei Tagen wunder Füße wurden die Rufe oder Schreie nach einem Schrittmaximum von 12.000 Schritten lauter. Dabei kommen wir doch eigentlich erst so richtig in Fahrt und 12.000 Schritte schaffen wir doch nahezu beim Nichtstun. Aber wir/ich sind/bin ja kein Unmensch/-en, also war heute eine Autoexkursion angedacht. Da das Wetter einigermaßen regenfrei vorhergesagt wurde und wir noch nicht ganz die Hoffnung aufgegeben haben, dass es Leute mit Ahnung bei den Wettermännern gibt, so haben wir uns heute eine Rundreise über die Dingle Halbinsel, die kleinste der drei großen Halbinseln hier im Südwesten vorgenommen.
Als wir heute früh starteten sahen wir erst einmal nichts, denn die Wolken hingen ungelogen auf Höhe des Meeresspiegels und setzten sich fest. Da blieb nur Prinzip Hoffnung, dass es ein bisschen besser gen Nordwesten wird. Also auf ging es zu dem ersten Zwischenziel, dem Inch Beach, oder wie man hier sagt, der Inch Strand. Ja, auch mich verwirren diese Deutschen Wörter im Irischen Sprachgebrauch. Als ob wir das Vorzeigemodell für Strände sind. Aber vielleicht ist es auch anders herum und ein Deutscher hat vor Jahrmillionen hier Urlaub gemacht und das Wort Strand dann gleich als Mitbringsel eingepackt. Muss ja gar nicht von uns stammen.
Jedenfalls war dieser Strand einfach der Wahnsinn, kilometerlang und auch unheimlich breit. Und man durfte für das faule Gemüt mit dem Auto drauf fahren, falls am Strandanfang der winzig kleine Parkplatz voll ist. Nur eines sollte man beachten: Wann kommt die Flut? (alle mitsingen)
Hier ist dies eminent wichtig, denn bei Flut braucht dein Auto einen sehr großen Schwimmreifen um den Bauch. Bei Ebbe dagegen, und wir waren bei Ebbe hier, ist der Strand wunderbar fest und kann sicher befahren werden. So hocken auch nicht alle Sonnenanbeter gleich am Strandzugang, sondern verteilen sich über die Kilometer und falls man mal Durst hat, fährt man einfach mit dem Auto wieder vor zum Getränkestand. Eine sehr praktische Sache.
Apropos Sonnenanbeter, hier schien fast die Sonne. Das will heißen, dass es T-Shirt-Wetter und somit auch Barfuß-Wetter war. Also Nase in die Sonne und auf zu einer tollen Strandwanderung. Wohlgemerkt, der Strand war so lang, dass wir nicht mal das Ende geschafft haben, da wir noch weiter wollten.
Weiter ging es in das Küstenörtchen Dingle, welches zu 99% aus Touristen zu bestehen scheint. Hinzu kommt, dass all diese Touristen offensichtlich genau zur Zeit unserer Anreise parallel einen Parkplatz suchten. Nach zwei genervten Runden durch die Stadt beschlossen wir unseren Dingle-Stop zu verschieben und fuhren weiter an der Küste bzw. dem Wild Atlantic Way entlang. Wieder nutzten wir jeden Fotostopp, soweit wir einen Parkplatz ergattern konnten. Die Wolken waren mittlerweile auf ca. 100 m gestiegen, so sahen wir zwar nach wie vor nicht den Ring of Kerry oder die vor der Küste liegenden Inseln, aber der Blick war trotzdem verlockend.
Bevor es zum nächsten Strand ging hatten wir mal wieder unser Pipiproblem und peilten daher zielgerichtet das nächste Cafe mit Ausblick an. Wie bei Muttern gab es hier den besten warmen Rhabarber-Pie den ich je gegessen habe. Dazu noch einen frisch gebrühten Kaffee und die Sonne auf meiner Nase. Der Tag versprach, echt der Hit zu werden.
Wenige hundert Meter weiter erwartete uns der nächste Strand, der Coumeenoole Beach. Tief zwischen die Steilküste platziert, erwartete uns hier ein großer Strand am Fuße der Berge. Er ist definitiv ein Surferspot, aber wohl auch ein Touristen Magnet, denn hier wurden Filme gedreht und das zieht bei Touristen immer. So wurde hier auch irgendsoein Science Fiction Film gedreht, Star Wars oder Star Treck, oder so ähnlich. Ich schätze, nach diesem Satz bekomme ich ganz viele Hater-Sprüche, aber immer noch besser als gar kein Feedback. Also kurze Richtigstellung, hier in der direkten Umgebung des Strandes wurden auf dem Dunmore Head wohl Szenen für „The last Jedi“ gedreht. Und ich dachte immer der Jedi wird im Himalaya vermutet. Kann ich gemein sein…
Meinen persönlichen Actionfilm drehte ich ebenfalls an diesem Strand. Denn man konnte trockenen Fußes immer weiter an den Klippen entlang klettern, auf der Suche nach dem noch besseren Fotomotiv. Auf diese Sirenen fiel auch ich rein und lief weiter, bis plötzlich die nächste Welle nicht mehr in sicherer Entfernung endete, sondern deutlich näher landeinwärts. Also sprang ich motiviert mit der Kamera auf den nächsten Stein und übersah, dass dieser ganz grün leuchtete und voller Algen war. Da war es wieder, das Ding mit Ebbe und Flut, was wir Flachlandtiroler nicht kennen. So wie ich sprang zog es mir die Füße weg und ich musste wieder eine Entscheidung treffen. Wen rette ich, die Kamera oder mich? Natürlich lautete meine Antwort: die Kamera, also flog ich der länge nach hin, übernahm das Grün der Algen auf Hose und Jacke und bremste bedacht mit meinem Kinn, während ich versuchte die Kamera zu retten. Hat allerdings nicht ganz optimal geklappt. Ich brauche nun einen neuen Polarisationsfilter und ein kleines Kühlakku für mein Kinn. Aber ich muss zugeben, dass ich in solchen Momenten auch echt schwer lernfähig bin. Die Risikofreude überwiegt und so habe ich mir die bösen Blicke meines Mannes und seine Sprüche wohl redlich verdient.
Leicht lediert ging es also wieder zum Auto und zum nächsten Fotostopp vom welchem man den Head of Dunmore genauer betrachten konnte. Es gab auch gleich zwei Tafeln zur Erläuterung der Weltkulturgeschichtlichen Bedeutung dieses Filmdrehs. Mich wundert, dass der Souvenirstand fehlte, aber ich schätze in spätestens fünf Jahren hat er hier seinen Platz gefunden. Zumindest warben alle Pubs im Umkreis von 10 Kilometern mit diesem Filmevent. Als ob die Natur nicht schon sensationell genug wäre. Versteh ich echt nicht.
Nun fuhren wir langsam zurück nach Dingle, denn wir hatten unserem Sohn ja Haie versprochen. Und da uns die Bootsfahrt storniert wurde, mussten wir auf Alternativen zurückgreifen. In Dingle sollte es ein Aquarium mit Hai und Tunnel durch den Ozean geben. Also gaben wir uns ein zweites Mal die lustige Parkplatzsuche in einem Ort voller Touristen und fanden schließlich einen in der x-ten Querstraße. Also ab zum Aquarium und hinein für unseren 6 jährigen Sohn und unsere 15 jährige Tochter als Familienkarte. Und jetzt alle mal die Hände hochheben, die ihre Kinder auch regelmässig verjüngen, wenn es um Eintrittsgebühren geht. Ich persönlich finde ja, dass unsere Kinder froh sein können, dass wir sie bei den ganzen Ausgaben nicht wieder in Windeln stecken und behaupten, es wären Neugeborene.
Das Aquarium war eigentlich unser erster Inside-Event seit langem und so genossen wir es einfach, auch wenn eingesperrte Tiere nicht so unser Ding sind. Aber man kann halt einfach nicht immer in allen Belangen politisch korrekt sein und lieber steuere ich Geld für den Erhalt solcher Aquarien bei, als dass sich manche gar keine Bildung im ökologischen Sinne über die Lebewesen unserer Welt mehr gönnen können. So genossen wir die Quallen, die Haie, die wunderbare Riesenschildkröte und die Seepferdchen. Besonders haben mir hier die Rochen gefallen, die für die Kuscheleinheiten an die Oberfläche kamen und gestreichelt werden wollten. Das war der erste Rochenkontakt in meinem Leben. Cool.
Danach bummelten wir noch durch Dingle und bewunderten den Walk of Fame des Pubs Dick Macks, wo neben uns schon andere berühmte Menschen gesoffen haben. Wir dagegen fuhren zurück gen Killarney, absolvierten den ersten Tankstop und schwelgten in Erinnerungen an einen wundervollen Tag.






































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