Wiedermal ein Reisetag. Der Wechsel von Terceira nach Pico, und damit unsere 4. Azoreninsel, steht an. Dieses mal wechseln wir schon sehr früh die Insel und deshalb gibt es meinen ersten lebensnotwendigen Kaffee am Flughafen. Dieses Mal wollen wir ja recht aufmerksam den Durchsagen lauschen, damit wir nicht wieder als die Letzten zum Flugzeug rennen müssen.
Das schafften wir dann auch und der 25 minütige Überflug war trotz stürmischer See recht entspannt. Wer mal seine Flugängste bekämpfen möchte, sollte unsere Reise einfach nachreisen. Nach dem nunmehr fünften Flug ist Fliegen echt wie Bus fahren. Nur dass es schneller geht und man eine noch bessere Aussicht hat. Mittlerweile, entgegen zu unserem ersten Flug, erkennen wir die Inseln auch schon aus der Luft. Und so wussten wir das bald die Landung ansteht, als wir den in Wolken verhangenen Pico entdeckten. Das Wahrzeichen, wenn es hier um Berge geht.
Kaum gelandet kreuzten wir alle mal ordentlich unsere Finger, denn wir brauchten nun gleich mehrfach Glück. Die Sata hatte uns auf den frühmorgendlichen Flug umgebucht und somit meine Planung ad absurdum geführt. Den Mietwagen sollten wir statt um 10 Uhr erst um 17 Uhr bekommen und die Checkin-Zeit unserer Unterkunft lag eigentlich auch bei 16 Uhr. Wir hatten zwar versucht den Mietwagen zu ändern, das blieb uns jedoch verwehrt. Stornieren und neu buchen wäre möglich gewesen, aber dass hätte uns fast das doppelte gekostet. Und auch bei der Unterkunft konnten wir nur bitten und hoffen. Also hatten wir uns Plan B schon zurechtgelegt, ohne Plan A aus dem Auge zu verlieren. Notfalls würde es halt eine Inselrundfahrt mit der Taxe werden, bis unser Mietwagen empfangsbereit ist. Aber wir sind Glückskinder und so ließ sich der freundliche Herr am Schalter der Mietwagenfirma bequatschen und wir bekamen ohne Aufpreis sofort ein Auto. Ein Träumchen. Mittlerweile sind wir im Koffertetris richtig gut und so verstauten wir alles inklusive uns Vier in dem Kleinwagen.
Als das erledigt war peilten wir unsere Unterkunft an, in der Hoffnung, dass ein Wunder geschieht. Das Unterstellen unserer Koffer hätte uns ja schon gereicht, aber tatsächlich durften wir unser Häuschen direkt beziehen. Ein neuer Anker auf unserer Reise, wieder mit einer traumhaften Aussicht und dieses Mal sogar mit einem Pool vor der Nase. Welche Gründe gibt es nochmal, demnächst nach Hause zu reisen? Ich leide hier unter akuter Heimatdemenz, die durch diese Aussichten hier garantiert nur verschlimmert wird.
Aber egal, alles, was wir an Glück brauchten, war für diesen Tag eingetreten. Manchmal braucht man das Glück und darf sich von so ein paar Steinen im Weg auch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Getreu dem Motto „wird schon irgendwie klappen“ hatten wir mal wieder Schwein gehabt.
Also konnten wir unseren ersten Tag auf Pico auch noch ordentlich genießen. Das Wetter war zwar stürmisch, aber meist von Sonne begleitet. Wir sahen zwar mittlerweile den Pico nicht mehr und das war tragisch, da ich sein Spiegelbild in einem bestimmten Bergsee festhalten wollte. Doch auch hier waren wir flexibel und fuhren einfach gen Osten und nahmen jeden Aussichtspunkt mit, der sich uns bot. Irgendwann bogen wir links in einen kleineren Weg ein und endeten im Gärtnerparadies, dem Parque Florestal da Prainha. Hier muss es definitiv mindestens einen Gärtner mit stoischen Fähigkeiten geben. Über tausende Meter waren die Buchsbaumhecken akkurat geschnitten und dazwischen blühten immer wieder Lilien und Hortensien. Der pure Wahnsinn. Nach dem ersten Aussichtspunkt über die Küste führte der Weg weiter zu einer der typischen roten Windmühlen hier auf der Insel. Dort gab es einen Parkplatz, einen Miniwildpark mit Rehen und einem Hirsch und den Beginn einer Wanderroute.
Nun hatten wir uns heute ja nur auf dem Flughafen bewegt, also wurde es Zeit, dass wir die Fusssohlen aktivieren. Der Weg führte durch wirklich verwunschene Wälder mit den typischen Steinmauern aus Lavagestein hinab zur Küste. Ein Träumchen, wenn man auf Herr der Ringe und den Hobbit steht. Hier gibt es einfach die Wege nach Mordor oder den einsamen Berg der Zwerge. Man muss nicht zwingend bis nach Neuseeland für dieses Gefühl, hier in dieser Mittelerde im Atlantic geht das ebenso.
Wir jedenfalls genossen und wanderten hinab an die Küste. Zwischenzeitlich hassten wir gleich mehrfach die Wanderroute, was aber mehr an uns, als an der Wanderroute lag. Zuerst ging es ein Stück hinab auf kleinen rundgelutschten Lavasteinen, die das Laufen zu einer wahren Rutschpartie machten. Wir kamen uns vor, als würden wir auf Murmeln versuchen, bergab zu kommen. Aber dies war nur ein kurzer Teil der Wanderung und wir schafften auch diesen ohne Einsatz des Rettungsfliegers. An der Küste angekommen erschlug uns dann erst einmal die Hitze und wiedermal die Erkenntnis, mehr Wasser wäre besser gewesen. Doch wir mussten ja noch zurück und das bedeutete bergauf. Als ich irgendwann einen hochroten Kopf und eine leer Wasserflasche hatte, wurde ich einfach am Wegesrand zurückgelassen. Ohne Rücksicht auf Verlust, bzw. mit Rücksicht auf mein Wohlbefinden latschten Swen und Pini schnell zum Auto, um selbiges für meine Rettung zu holen. Georg hielt bei mir die Stellung und kümmerte sich rührend um mich.
Jetzt weiß ich also, das eine leere Flasche und ordentlich Gesichtsfarbe schon ausreichen für solch eine Rettungsaktion mit dem Auto. Ich glaube, ich muss in der nächsten Drogerie mal dringend etwas Rouge einkaufen, ich faules Stück.
Mein Überleben feierten wir dann auch in einer kleinen Tapas-Bar an einem der unendlich vielen und unendlich schönen Küstenabschnitte mit kleinen Tapas und einem Glas regionalem Wein. Pico besteht nämlich gefühlt nur aus Weinanbau und so mussten wir dringend mal kosten, was dabei so produziert wird. Muss sagen, es schmeckt ganz schön gut.
Doch Versacken war an dieser Stelle keine Option, denn „zuhause“ wartete der Pool, der dringend ausprobiert werden wollte. Also schnell zurück, unterwegs nur die Nahrungsaufnahme sichern und dabei einen Regenbogen mit Windmühle ablichten und ab an den Pool für einen entspannten Abend.
































Hej Daniela,
Ich bin zufällig über fb auf deinen Blog gestoßen und bin ganz begeistert davon. Nicht nur weil wir am Sonntag zum ersten Mal auf die Azoren fliegen, sondern auch über deine Art zu schreiben, die mich immer wieder lächeln und auch grinsen läßt. Einfach schön zu lesen🤩
Habt noch eine schöne Zeit und dann einen guten Heimflug (nicht auf dem Mittelsitz!!!!)
Liebe Grüße
Martina
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Hallo Martina, dass freut mich wenn du Spaß beim Lesen hast. Ich kann nur sagen, wir sind schwer begeistert und wenn du Fragen hast, melde dich. Noch schöne Vorfreude bis Sonntag. Daniela
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