Wir lassen uns die Laune nicht verderben….von Sabine

Es ist wieder soweit, die jährlichen Skiferien haben begonnen und für uns geht es wie immer nach St.Johann in Tirol. Hier ist es wie nach Hause kommen. 1. ist hier in unserer Pension halb Markkleeberg angereist, so dass wir auch hätten zu Hause bleiben können. 2. kennt man hier mittlerweile jede Schneeflocke, jede Kneipe, jeden Kellner in den Apres-Ski-Hütten und auch fast jeden Skilehrer, was nicht daran liegt, dass ich das mit dem Skifahren einfach nicht lernen will und mich ständig nur in den Apres-Skihütten aufhalte.

Aber zurück auf Anfang, denn ich will nichts vergessen: Sabine, die uns den Kaiser verderben will, unsere hyperaktive Quasselstrippe, Dauergrinsen und meine Auszeit zugunsten der Mütterverpeinlichung.

Aber von vorn: Unser Bienchen, wie wir die Sturmfront liebevoll nennen, hat uns schlechte Wetteraussichten statt Kaiserwetter, sowie ein Trampolin im heimischen Garten prognostiziert. Aber das versprochene Flugtrampolin von Nachbars ist immer noch nicht in unserem Garten gelandet, auch kein Swimmingpool oder etwas anderes Nützliches. Sturmwichteln hält halt auch nicht mehr, was es verspricht.

Da diese Vorhersage also nicht eintraf, glaubten wir auch nicht den schlechten Wetteraussichten. Lt. denen hätte ich heute den ganzen Tag am Hang mit Regenschirm gestanden Wobei der Regenschirm wäre weggeweht und ich wäre pitschnass geworden. Aber stattdessen trug ich Sonnenmilch auf und holte mir meinen ersten amtlichen Sonnenbrand zwanzigzwanzig. Von mir aus kann Bienchen also so weitermachen. Ich weiß, dass es andere härter getroffen hat, denen schicken wir einen kleinen Hoffnungsstrahl Sonne aus dem Süden und wünschen viel Spaß beim Trampolinspringen.

Ich schätze unser vierfacher fester Wille hat die schlechten Vorzeichen einfach besiegt.
Wer sind denn die vierfachen willensstarken Reisegruppenmitglieder?

Georg, unser Jüngster, der mittlerweile einen Stammkundenrabatt in der Skischule bekommt und dieses Jahr große Ziele hat. Mindestens einmal die Alpenüberquerung (abwärts) inklusive der Steif sollte es schon sein. Er war bereits seit Tagen wieder ein aufgeregtes Nervenbündel, dessen erster Satz nach dem Aufwachen immer war:

„Gehe ich morgen endlich in die Skischule?“

Und dabei war unerheblich ob er brav morgens um sieben aufwachte, oder doch mitten in der Nacht. Am ersten Morgen war es ganz schlimm, denn er wollte gleich fünf Uhr mit mir zur Skischule. Ich konnte es ihm nur unter Androhung einer Adoptionsfreigabe ausreden. Jetzt ist er die ersten zwei Tage gefahren, hat sich von Seillift über Schlepplift zur Gondel hochgearbeitet und ist stolz wie Bolle und nicht mehr aus den Skischuhen rauszubekommen. Nur beim Duschen stören sie etwas, da sie seine Bodenhaftung noch erhöhen.

Pini, unsere kleine Große, ging mit einer ordentlichen Erkältungs ins Rennen, was für sie Pistenverbot bedeutete. Das hat ungefähr so viel Gewicht, wie die Adoptionsfreigabe bei Georg, denn Pini ist eine echte Pistensau. Nun hat sie sich zwangskuriert und mehrfach nachgewiesen, dass das Fieberthermometer keine roten Zahlen mehr zeigt und so konnten wir sie heute nicht mehr im Tal sitzen lassen. Also Skier an die Füße, neuer Helm inkl. Skibrille auf den Kopf und das Dauergrinsen war ihr nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen.

Swen, mein Göttergatte, koordiniert alles perfekt: Skipässe, Ausleihstation, Skischule, Bestellung meines Aperol Sprizz. Allerdings haben wir hier auch schon wieder ein paar männertypische Schwächen erkannt. Männer, und manchmal auch meiner, können einfach nicht fragen. Also sie können schon Fragen fragen, wie zum Beispiel: „Willst du mich heiraten?“, ein klassischer Standardsatz für Heranwachsende. Aber wenn man ihnen eine Aufgabe stellt:

„Schatz, kannst du mal bitte fragen, ob wir den Nachmittagskurs umbuchen können?“

oder

„Frag mal bitte, wo wir die Skigruppe von Georg finden.“

Setzt bei Ihnen sofort eine Genderspezifische Blockade ein. Jemand fremden etwas fragen??? Der könnte doch nein sagen und dann muss ich dir das erklären, oder der versteht mich nicht und will mir nicht antworten. Oder ein Meteorit kracht plötzlich und unerwartet auf den Fragesteller und erschlägt ihn.

„Soll ich jetzt fragen oder lieber doch nicht?“

Ich verstehe es einfach nicht. Manchmal frage ich mich wirklich, was so schwer ist zu fragen? Zum Beispiel nach dem Weg, nach Hilfe, nach gott-weiß-was. Ich bin da etwas anders und frage lieber alles und jeden und meine Erfahrung bestätigt das schöne Sprichwort:

„Wer nicht fragt, der nicht gewinnt!“

Aber ich nehme meinen Mann hiermit in Schutz, schließlich ist er ja mit einer nützlichen Fragenstellerin verheiratet, was die Theorie bestätigt, ein einziges Mal die richtige Frage stellen und das Thema hat sich für den Rest des Männerlebens erledigt. Und da er mir diesen Blog zum Nikolaus in den Stiefel gesteckt hat, hat er sowieso so einiges bei mir gut.

Nun zu mir, ich bin nicht wirklich der geborene Skihase und ziehe die Sonnenliege mit einem orangefarbenen Glückselixier eigentlich auch diesen zwei Brettern vor. Aber auch ich muss zugeben, dass es mir etwas fehlt, denn die letzten Tage war ich wegen Rückenaua noch nicht auf der Piste. Ich schätze irgendwann lasse ich mich für 1-2 Abfahrten breitschlagen. Aber nur, wenn mich an der Hütte die Sonnenliege mit dem Orangenen Sprizz erwartet. Mit dem Kellner muss ich ja schon fast nur noch mit Blickkontakt agieren, um meine Bestellung aufzugeben.

Aber noch war es nicht soweit und ich widmete mich der Mütterverpeinlichung. Nämlich stehe ich stundenlang im Schnee, hole mir einen Sonnenbrand und kalte gefühllose Füße gleichzeitig und beobachte voller Stolz meinen Sohn bei seinen ersten Abfahrten, während ich den schwierigen Spagat absolviere, gleichzeitig mit Handy und Kamera alle Nuancen seiner Fahrten einzufangen. Aus allen heutigen Aufnahmen kann ich locker einen dreistündigen Blockbuster kreieren, der dann fast für die Oscars im nächsten Jahr nominiert werden würde. Wäre zumindest meine Chance endlich auf Brad Pitt zu treffen, bevor ihn wieder Jennifer A. wegschnappt.

Und ich habe genug Material für die Großeltern, den 18. Geburtstag, die erste Freundin oder den ersten Freund und das Familienalbum in Lexikongröße.

Warum machen Mütter so etwas und platzen dabei noch vor Stolz? Ist es das tiefsitzende Gefühl:

„Diesen extrem talentierten jungen Mann habe ich allein stundenlang zur Welt gebracht und möchte nun allen zeigen, inklusive ihm, dass es keine Minute ohne seine MUTTER mehr gibt.“

So geschrieben, klingt es fast ein bisschen mehr nach Rache anstatt nach Stolz. Deshalb werde ich nun den Gedanken der Mütterverpeinlichung erweitern bzw. verbessern. Es wird Zeit, dass mein Sohn sich das erste Mal ordentlich für seine Mutter schämt und dann selbstständig wird.

Morgen werde ich eine ordentliche Mutter-Choreografie einstudieren. Ich schwanke noch zwischen Cheerleading und einer lautstarken Laolawelle. Eine Hebefigur mit mir allein bekomme ich ja wunderbar mit einem Glas Sprizz in der Hand hin, aber wie mache ich alleine eine beeindruckende Laolawelle? Vielleicht macht ja Swen mit und es wird eine ordentliche Elternverpeinlichung.

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