So ne geile Flasche

Heute wird’s politisch, also zumindest umweltpolitisch. Und da das ja zur Zeit ein Spagat zwischen „es ist total in“ und „verhöhnter Gretaismus“ ist, mache ich nun auch mit und gebe meinen Senf dazu.

Also, ich kann schon mal Entwarnung geben, bei dem Titel handelt es sich nicht um die Abrechnung mit einem Ex, oder anderen Flaschen die mir so im Leben bisher begegnet sind. Schließlich hätten die auch nicht das Adjektiv „geil“ verdient.

Es geht um meine geile Glasflasche, mit der ich seit einiger Zeit eine innige Liebesbeziehung führe und darauf baue, dass es eine lebenslange Affaire wird, wenn auch die Basis von uns etwas zerbrechlich ist.

Vor einigen Monaten fing alles an: Wir haben uns mal den Spiegel vorgehalten und unseren Beitrag für eine bessere Umwelt überprüft. War gar nicht so einfach. Denn bei genauerem Hinschauen stellte sich heraus, dass wir ganz schöne Umwelt-Sauen waren.

Ich fahre im Jahr ca. 60.000 Kilometer und mit unseren vielen Urlauben kommt auch noch der ein oder andere Flug dazu, die Gelbe Tonne macht Überstunden, unser Küchenequipment bestand zu 1/3 aus Plastik und mein Auto sah regelmässig so aus, als wäre ich eine fahrende Flaschenannahmestation. Zwischen den Rücksitzen sammelten sich pro Tag 1-2 Plasteflaschen an, die von selbst nicht verschwanden. Mein Auto ist also wie die Weltmeere, irgendwann nimmt die Plastikflut Überhand und gefährdet unser Leben. Georg war kurz davor, keinen Himmel mehr zu sehen, wenn er hinten saß und ich konnte seine Hilfeschreie kaum noch hören, so dick war die Flaschenmauer zwischen uns.

Also wollten wir etwas ändern, nicht für Greta, nicht für die bösen Umwelthype-Ausnutzer, nicht für die Politik, sondern nur für uns, unser Wohlbefinden und unseren eigenen Fußabdruck auf dieser wunderschönen Welt.

Nun mussten wir nur noch ran an die schlechten Gewohnheiten. Also fingen wir mit meiner Flaschenannahmestelle im Auto an. Die Plastikflaschen mussten weg. Zuhause trinken wir ja schon alles wichtige aus der Glasflasche: Wein, Bier, Schnaps, Whisky und auch gelegentlich Wasser aus dem Hahn. Also brauchte ich nun noch die passende Wasserflasche für meine täglichen Autofahrten oder die Familienurlaubsfahrten, wo gleich mal gerne 5-10 Flaschen anfielen.

Ich opferte mich bereitwillig als Versuchskaninchen für meine erste wiederverwendbare Flasche im sexy Neoprenanzug. Und was soll ich sagen? So eine geile Flasche.
Mein Mann wurde zwischenzeitig richtig eifersüchtig, so wie ich von der Flasche schwärmte.

„Wenn ich meine Lippen sanft darum schließe und dieses Gefühl von kühlem, glattem Glas, das reine Wasser ohne Nebengeschmack, die weiche Hülle in meinen Händen…dann möchte ich nur noch trinken.“

Schlimmer als diese Schwärmerei war nur noch der Drang, dass ich allen dieses Gefühl vermitteln wollte und jedem ungefragt meine geile Flasche in die Hand drückte um sie zum Kosten zu bringen.

Ich gebe zu, in Coronazeiten ist dies sicherlich nicht die beste Idee für eine wohl durchdachte Werbeaktion. Aber ich wollte einfach nur dieses geile Gefühl mit der ganzen Welt teilen. Glauben wollte mir ja irgendwie keiner und alle meinten, da gibt es doch keinen Unterschied.

Inzwischen habe ich aber den Glauben in die Flaschenwelt hinausgetragen. Ihr könnt mich ruhig Apostel „Daniela die Flaschenheilsbringerin“ nennen!
Aber vielleicht haben alle auch nur aufgegeben, weil sie partout nicht aus meiner eigenen Flasche trinken wollten. Doch wir haben in der Familie nunmehr schon 9 Flaschen und trinken aus nichts anderem mehr.

Ich glaube, der Flüssigkeitshaushalt in meinem Körper hat sich seit der geilen Flasche so optimiert, dass ich kurz davor stehe, als Kaulquappe durchzugehen. Oder ich werde eine Kontaktlinse. Das macht jedenfalls süchtiger, als Schokolade und ist deutlich gesünder.

Natürlich war dies nicht die einzige Maßnahme auf dem Weg von der Umweltsau zur „Greta des Ostens“. Wir spendeten für jeden geflogenen CO2-Verstoß. Und wir trennten uns auch von dem 1/3 Plastik in unserem Küchenequipment, was ein gewisses Maß an Umstellung erforderte. Keine Plastiklöffel mehr fürs Ei, Strohhalme adé, Kindergeschirr hinfort. Georg zieht eh bald aus, da ist er auch bereit wie die Großen vom Porzellanteller zu essen.
Da kam einiges zusammen, was unsere Gelbe Tonne ein letztes Mal strapazierte.

Nur von den Konzert-Erinnerungs-Bechern konnten wir uns noch nicht trennen, wobei wir sie irgendwie auch gar nicht mehr benutzen. Aber wenn HELENE neben SARAH CONNOR blass aussieht und die TOTEN HOSEN bis zum Hals in TAKE THAT stehen, kann ich mich einfach nicht von diesen Bechern trennen.

Auch Wurst und Käse gibts nur noch von der Frischetheke, bei dem Fleischer und Käser unseres Vertrauens. Ich muss zwar zugeben, dass diese Variante noch nicht eindeutig Plastikfrei ist, denn gefühlt zwischen jede Wurstscheibe kommt ein Plastikblatt, wenn man nicht schnell genug „Nein“ schreit. Aber wir erarbeiten hier gerade noch die perfekten Abläufe für den plastikfreien Einkauf. Beim Obst klappt das schon deutlich besser. Seit es die schönen Obst-Mehrweg-Tütchen gibt, gibt es auch das ganze gängige Obst/Gemüse ohne die blöden Umverpackungen.

Tja und der nächste Schritt ist, aus unserer Gelben Tonne ein Hochbeet zu machen. Denn seit wir die oben genannten Punkte durchziehen, vereinsamt unsere Gelbe Tonne. Aus einem 14 tägigen Rhythmus für die Leerung ist mittlerweile locker ein 6-8 Wochen Rhythmus geworden und ich schwöre Euch, jedes Mal, wenn ich die Blaue Tonne raushole, höre ich ein stilles Jammern von der Gelben Tonne. Wir haben die Gelbe Tonne jetzt schon in die Mitte der beiden anderen Tonnen gestellt, damit sie sich nicht so einsam fühlt.

Deshalb muss eine Ersatzbeschäftigung her. Selbst Müll sammeln auf den Wegen am See und im Wald kann sie leider nicht, genauso wenig wie dafür demonstrieren, dass man seinen Müll gefälligst richtig entsorgt, also gönnen wir ihr ein schönes restliches Leben als Hochbeet für ein paar hübsche Blumen. Ja, Blumen und kein Gemüse. 1. werde ich so schnell doch noch nicht zur Ökomami und 2. hätten wir ja dann wieder was eigentlich Gesundes in die gelbe Plastiktonne eingepackt, was kontraproduktiv wäre.
Und ihr kennt ja meinen Fimmel mit Blumen in Vasen. Das geht immer.

Ein Anfang ist gemacht und es war gar nicht schwer, tat nicht weh, hat niemanden geärgert und doch fühlt es sich gut an. Und auch wenn wir noch weit, weit entfernt sind vom Umweltapostel und hier maximal einen kleinen Schritt getan haben, so war es dennoch ein „großer Sprung für die Menschheit“, wie der Neil es schon sagte.

Und jetzt holt Euch endlich so ne geile Flasche und probiert es aus. Falls nicht, komme ich mit meiner geilen Flasche und lasse Euch probieren. Das könnt Ihr ruhig als Drohung verstehen.

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