Fasten Sie mich mal bitte nicht so an!

Ich bin ja spätestens seit dem Weiberfasching ein Faschingsfan, wobei das mit dem Verkleiden mich ja noch stresst. Aber was danach, nach der Fastnacht abgeht ist der pure Stress für alle. Schlimmer als an Neujahr nimmt sich jeder 1-10 Dinge vor, die er einfach mal sein lässt. Die Erfolgsquote ist erstaunlicherweise höher als zu Neujahr, zumindest wenn es um die Fitness-Studio-Vorsätze geht.

Ich mache es ja zu Neujahr in der Regel anders und nehme mir Dinge vor, die mich im angefangenen neuen Jahr begleiten und glücklich machen sollen. Letztes Jahr war es der Vorsatz in jedem Monat mindestens einmal zu reisen, sei es für ein Wochenende oder eine Woche. Wenn ich mal meine vielen Geschäftsreisen mitzähle, habe ich diesen Vorsatz auch wirklich geschafft. Wenn ich sie nicht mitzähle, rechne ich es mir trotzdem schön, da wir in manchen Monaten sogar zweimal weg waren. Also ein erfolgreiches Jahr. Man muss sich nur zu motivieren wissen. Fühlt sich jedenfalls viel besser an, als:

Also ich bin fast jede Woche ins Fitnessstudio gegangen, außer von Februar bis Dezember.

Dieses Jahr hat mein Vorsatz etwas mit diesem Blog zu tun, aber auch mit Maßnahmen im Garten, meinem Kopf und Körper und auch mit Greta T.. Aber ich verrate die Vorsätze vorher nicht, so kann ich sie unterjährig gegebenenfalls noch modifizieren und mich trotzdem am Silvesterabend feiern.

Aber zurück zur schönen stressigen Fastenzeit. Hier geht es nicht um MEHR Urlaube oder MEHR Blogleser, sondern grob gefasst immer nur um WENIGER.

Wovon WENIGER ist dabei eigentlich egal, Hauptsache es erscheint im ersten Moment unmöglich, tut weh und fällt garantiert nicht leicht. Spaß klingt echt anders.

Aber der Sinn hinter dem Fasten erschließt sich mir dann schon. Wir leben ja in solch einem personifizierten Lottogewinn, haben alles was wir brauchen, können uns leisten was wir wollen und verschwenden noch mehr an Zeit, Geld und Gedanken. Darüber sollten wir also wenigstens 6 Wochen im Jahr mal bewusster nachdenken und auf das Selbstverständliche verzichten.

Nun verzichtet ja keiner gerne auf Lebensnotwendiges, wie Toilettenpapier (Corona, lässt grüßen), aber es gibt viele Dinge, auf die die meisten verzichten könnten. Ich habe mal meine Top 5-Liste erstellt, was mir am meisten als Verzichtsobjekt so begegnet und teilweise auch aktuell gefastet wird.

  1. Ganz vorne dran begegnet mir ESSEN, und zwar in jeder Art. Sei es gänzlich das Essen, oder das Essen zu bestimmten Zeiten. Besonders beliebt aktuell ist das 16/8, also 16 Stunden von 24 Stunden auf Essen verzichten und nur 8 Stunden zum Essen nutzen. Die Frage, die ich mir dabei stelle: Muss ich jetzt 8 Stunden durchgängig essen und 16 Stunden schlafen, damit ich das schaffe? Was mache ich, wenn ich abends zum Candlelight-Dinner eingeladen werde? Sitze ich dann da und schaue bedächtig durch den Kerzenschein auf das Essen meines Partners? Das könnte zum Problemfall werden, denn das hält kein Mensch durch. Beziehungen enden so bevor sie angefangen haben, man vereinsamt hungrig, aber schlank..nichts für mich.
  2. Alkohol ist gleich auf Platz zwei. Wir wissen ja aber, kein Alkohol ist auch keine Lösung. Also wie packen wir diese Mission an? Wir probieren es gerade mit einer großen Liste von Ausnahmetagen. Also zu Feiern und Festen dürfen wir noch saufen, aber ansonsten gibt es nur ein Alkoholfreies Etwas. Solange die Liste der Ausnahmetage noch auf einen Zettel passt, ist es doch akzeptabel. Ich finde dieses Projekt gar nicht so schwer, stelle aber auch fest, dass es heutzutage schwieriger ist ein Anti-Alkoholiker zu sein, als ein Greta-Fan. Und das ist schon nicht so einfach. Als Mann ist es sogar noch schwieriger. Denn hier scheitert man schon an der Hürde, zum Gartennachbarn oder Skatbruder einfach zu sagen: „Du, ich möchte heute kein Bier!“
  3. Hier finden wir auch den Handyverzicht und ich gebe zu, diese Hürde schaffe ich echt nicht. Mein Handy ist so lebensnotwendig wie Toilettenpapier und Nudeln zusammen und bevor ich nicht einen klaren Plan für die Entzugserscheinungen habe, werde ich mit dem Verzicht nur zögerlich beginnen. Ich bin ja noch in einem Alter, wo man Zeiten in denen es kein Handy gab durchaus noch kannte und erstaunlicherweise auch recht gut überlebt hat. Deshalb verstehe ich ja auch die eigenen Entzugserscheinungen nicht. Aber mittlerweile nutzt man dieses Handy als Ersatz einfach für alles: Nachrichten, Briefe, Tratschzeitungen, Poesiealbum, Fotoalbum, Verabredungen, Kennenlernen, Trennungen, Bücher, Shoppingwochenende und Supermarkt… Manchmal frage ich mich, wozu hatte uns Gott vor dem Handy eigentlich den rechten Daumen gegeben? War er nur zum Pflaumenschütteln da?
  4. Platz vier, wir kommen zu den etwas kleineren Verzichten: Also wird man Teilzeit-Vegetarier. Noch nicht ganz, um die Erde und die Tiere zu retten, sondern erst einmal nur um einfach weniger Fleisch zu konsumieren. Dies ist nun unsere Mission seit schon 10 Tagen und auch hier mussten wir eine Ausnahme-Tage-Liste erstellen. Denn leider stehen im März/April fast ausschließlich Männer-Geburtstage an und diese Männer verbinden Mann-Sein unmittelbar mit Fleischgenuss. Es wird das erste Grillen geplant und sich ein Fleisch-Auflauf gewünscht. Nun könnten wir hier ähnlich wie bei dem Alkohol voller Überzeugung sagen: „ohne uns“, aber so einfach ist es halt doch noch nicht. Also begegnen wir nur all den Nicht-Ausnahme-Tagen mit einer ordentlichen Portion Gemüse. Bisherige Tiefschläge gab es aber auch schon, denn leider entscheide ich mich bei Hunger auf der Heimfahrt oft auch für die bekannteste Außendienst-Kantine der Welt. Vorbildlich habe ich mir natürlich einen Veggie-Burger bestellt und festgestellt, dass sich nichts so blöd anfühlt, wie ein Gemüsestick, der wie Fleisch aussehen soll und doch nur nach Ersatz schmeckt. Der zweite Versuch von Es-sieht-so-aus-wie mündete in einem Veganen Schnitzel mit der Aufschrift Hühnchen-Style. Aber auch das war eher enttäuschend. Also gibt es ab sofort nur noch ganz offizielles Gemüse und Tofu, der einfach Tofu ist und nicht zum Steak gemacht wird. Ich bin gespannt, ob wir durchhalten.
  5. Tja, auf was wird denn sonst noch so verzichtet? Natürlich auf alles was das Leben schöner macht und damit meine ich Süßigkeiten und Chips. Dieser Verzicht mündet schließlich im Osterfest, wo man mit Osterhasen und Ostereiern zugebombt wird und all die Kalorien wieder an einem einzigen Wochenende zu sich nimmt, die man davor eingespart hat. Da ich was Süßes in der Regel nur als Gegenkonter für etwas Herzhaftes brauche und ich ja zur Zeit kein Fleisch esse, dürfte mir der Teil recht leicht fallen. Natürlich sieht das bei Georg anders aus und ist dank der Liebe der Großeltern und des Kindergartens schlicht nicht umsetzbar. Aber Georg soll selbst später die Erfahrung der Fastenzeit machen, wenn er sich selbst dafür entscheidet.
    Doch reden wir über Chips, die es ja wenigstens schon vegan gibt. Warum wurden diese gesunden Kartoffelstückchen eigentlich noch nie zum Grundnahrungsmittel erklärt und warum soll ich auf diese süchtig machenden, leckeren, knusprigen, geschmackvollen und ungesunden Snacks verzichten. Ich schaffe doch höchstens eine Tüte am Tag, das kann doch nicht zu viel sein? Ich habe keine Antwort auf diese Frage und finde ab sofort das Fasten richtig scheiße. An so einem Sonntag-Abend vor dem Fernseher würde ich sogar mein Handy gegen eine Tüte Chips einttauschen. Wer macht mit?

Also wir sind mittendrin im Fastenprojekt, fühlen uns aktuell noch nicht besser dadurch, hoffen aber, dass das noch kommt. Und wenn ich dann Ostern vor so einem leckeren Kaninchen sitze, das Glas Wein vor mir und der süße Nachtisch schon auf dem Tisch, während ich noch schnell die Klickrate für meinen Blog auf dem Handy checke, werde ich mich wohl doch fragen, wozu das Ganze, wenn ich anschließend genauso weitermache, wie vorher.

Ich hoffe, dass genau dies nicht passieren wird, sondern wir, und damit meine ich nur mich, in unserem Lottogewinn-Leben endlich mal wieder etwas bewusster entscheiden: Was muss sein? Was können wir weglassen? Was ist einfach unnötig? Und somit ist das mein einziger Grund fürs Fasten oder Fasten-sein-lassen.

Und noch ganz zum Schluss mein Vorschlag für ein ganzjähriges Fastenvorhaben:

Wir verzichten mal aufs Notlügen!

Das könnte eine spannende Fastenzeit werden, aber ich glaube auch eine der härtesten, wenn ich an die vielen kleinen Notlügen denke, die man so in seinen Alltag einbaut. Aber ich schätze dieses Projekt ist einen ganz eigenen Blogeintrag wert und ich probiere einfach schon einmal ein paar schonungslose Ehrlichkeiten aus, bevor ich darüber schreibe.

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