08. August – Mit Bling Bling in de Ruhmeshoie

Wir haben es tatsächlich auf unseren ersten Campingplatz geschafft. Wir sind schadlos aus dem Nadelöhr wieder rausgekommen, waren keine Stauverursacher, haben den Längenvergleich fast gewonnen und haben den Aufbau in einer Anfängerrekordzeit von unter einer Stunde auf dem Campingplatz in Regensburg geschafft. Ich bin soooo stolz auf diese übermenschliche Leistung, die einer Mondlandung in nichts nachsteht. Naja vielleicht, außer der Tatsache, dass wir noch nicht einmal 400 km weit gekommen sind. Aber es ist ja erst die erste Etappe unserer Reise.

Die Autobahnfahrt war gemütlich bis stark einschläfernd. Mit 80-100 km/h, dem Tempomaten und dem Spur- und Bremsassistenten, hätten wir uns auch bequem in den Anhänger legen können, um ein Deidei zu machen. Am Fahrverhalten hätte dies wohl eher nichts geändert, aber so ne führerlose Kabine fällt halt spätestens an der Grenze auf und wir waren verdammt nah an der Tschechei. So fuhr unser Dumbo quasi völlig selbständig in knapp 4 Stunden nach Regensburg und somit waren wir eigentlich überpünktlich vor Ort um alle Unternehmungen zu schaffen.

Allerdings mussten wir noch eine Stunde warten, bis unser Stellplatz endlich fertig war. Kapier ich nicht…ist ja nicht so, dass erst noch das Putzkommando durchs Zimmer muss und die Betten aufschüttelt. Aber wenn auf einem deutschen Zeltplatz auf der Übersicht steht, dass der Checkin-Zeitraum erst nach dem Checkout-Zeitraum liegen kann, gibt es halt kein dazwischen. Und so warteten wir geduldig und spazierten mal an die Donau, die gleich vor dem Zeltplatz liegt. Naja, wer gerne die Farbe braun mag, der geht bestimmt auch in die Donau baden, aber ich bin eher so von der türkisen Sorte und nicht so braun…

Irgendwann durften wir dann auf unsere Nummer 91 und schafften es fast im ersten Versuch rückwärts einzuparken, also fast, fast, fast. Und hier lernte ich dann auch das Campingplatztypische Verhalten der Gattung Camper kennen, denn kaum setzten wir zu Versuch Nummer zwei an, standen schon die ersten Camper um uns, die ihre Hilfe anboten. Wenn es darum geht, lasst uns bitte alle Mehrfamilienhäuser und Wohnsiedlungen abreisen und für alle Campingplätze bauen, damit das Miteinander und die Hilfsbereitschaft wieder gefördert wird.

Was natürlich zu Reibereien in meinem Projekt führen könnte, ist die Tatsache, dass natürlich die Camper auch ein geselliges Völkchen sind und man sofort alles ungefragt über die Reiseroute, den Familienstand, die Wohnwagengrößen und die Investitionssumme erfährt. Also wir sind jetzt schon mal aufgeklärt und informiert. Frei nach dem Motto, es zählt die Länge, waren Nachbars natürlich gleich neidisch auf unseren Langen. Aber wir waren nur glücklich, dass wir standen und alles geklappt hatte.

Übrigens, besser als jede Wasserwaage zum Ausrichten ist das erste Bier zu 80% genüsslich zu leeren, während die umliegenden Camper einem helfen, und dann diesen Restschluck als Bierwaage zu nutzen. Nichts ist genauer und präziser.

Hand in Hand wurde aufgebaut und final eingerichtet und ich warte jetzt einfach mal auf die Kommentare zu meinem wunderschönen Gebetsteppich als Fußsäuberer im Eingangsbereich. Style kann ich eben und so fallen wir hier deutlich weniger auf.

Dann ging es nach Regensburg und eigentlich stand 13 Uhr eine Donauschifffahrt auf dem minutiös ausgearbeiteten Tagesablauf. Aber das Parkkarma machte uns einen Strich durch die Rechnung. Erst verfehlten wir das Parkhaus und mussten gefühlt nochmal durch ganz Regensburg für den zweiten Versuch. Und dann kreisten wir im engsten Parkhaus unseres Lebens um eine Lücke zu finden, die einfach mal nicht wie ein Nadelöhr aussah. Irgendwann sahen wir eine, die uns gleich einen Lachflash versorgte. Denn sie war für Familien mit Kindern ausgewiesen und wir:

Mist für Familien….ach wir haben ja Kinder dabei.

Es war ein kurzer Moment von „Kevin allein zu Hause“ der uns daran erinnerte, dass wir ja gar nicht alleine unterwegs waren. Aber Georg und Pini waren in diesem Moment so ruhig, dass es einfach unrealistisch erschien, dass hinten Kinder sitzen könnten. Nun hatten wir also nicht nur Kinder dabei, sondern auch noch einen Parkplatz, Hurra.

Nur war es nun für die Bootsfahrt zu spät. Knapp daneben ist bekanntlich auch vorbei und bei 35 Grad Temperatur im Schatten, waren meine James Bond-Qualitäten bezüglich einem kilometerlangen Sprint, mit eingebauten Parcour-Elementen und dem fünfmeter Sprung auf das Boot halt einfach nicht abrufbar. Will sagen, bei angenehmen 20 Grad, kann ich dies problemlos abrufen.

Aber Regensburg hat ja noch viel mehr zu bieten. So besuchten wir den Dom und genossen das kühle Innere in Verbindung mit beschlagenen Sonnenbrillen und der Frage: welches Kind führe ich hier gerade an der Hand durch die Kirche? Glück gehabt, habe das richtige Kind gegriffen und weiß, ein Brillenwechsel und die bessere Maskenposition kann Wunder bewirken.

Und wir schauten, wo der Hänsel seine Finger verloren hat. In der historischen Wurstküche an der Steinbrücke kann man jeweils zwei Finger-Würstchen von Hänsel mit Sauerkraut im Brötchen essen und ich muss zugeben, ich kann die böse Hexe verstehen, denn es war super lecker und mit der Aussicht auch gleich noch ein Augenschmauß. Können wir nur empfehlen, wenn auch der Ortszuschlag plus Bekanntheitsaufpreis zu buche schlagen. Aber so viele kleine Hänsels brauchen halt viele Lebkuchenhäuser und somit wird das Geld wieder sinnvoll eingesetzt.

Weiter ging es durch die Gassen von Regensburg und schlussendlich zur Anlegestelle der Donaudampfer. Dieses Mal waren wir pünktlich und freuten uns auf eine Fahrt zur Walhalla, wenn auch ein Aussteigen an selbiger zeittechnisch nicht mehr möglich war. Allerdings war ich zu dieser Uhrzeit auch nicht mehr wirklich bereit, diesen Aufstieg zur Ruhmeshalle zu meistern. Eher so Aperolchen auf dem Sonnendeck und die Aussicht genießen, statt hunderte Stufen, um in eine Ruhmeshalle zu kommen, wo noch nicht einmal ein Platz für uns reserviert war.

Doch als ich an Bord ging, oder soll ich sagen schritt, war mir Walhalla egal, denn ich hatte meine persönliche Ruhmeshalle oder Ruhestätte gefunden. Die Kristallkönigin begrüßte mich standesgemäß mit ordentlich Bling Bling. Soviel Bling, dass es mir glatt in den Augen schmerzte. Svarovski hatte hier ganze Arbeit geleistet und allen Strass verarbeitet, der nicht bei drei im Modeschmuck positioniert war. Unglaublich dieses Bling Bling. Das war so drüber, das sogar ein homosexuelles Ehemänner-Paar diesen Ort für die dekadente Hochzeitsfeier auserkoren hatte. Wären es Frauen gewesen, hätte man sicherlich noch einen Sichtschutz für das Brautkleid benötigt. So aber zählte ich Steinchen, summte Marilyn’s „Diamonds are the girls best friend“ vor mich hin und warte nun, dass mein Mann die Zaunpfähle richtig in den Boden rammt und mir schön eine alte, unechte Kristallschale von Tante Irmchen schenkt.

Übrigens selbst auf der Toilette brauchte ich meinen Sichtschutz wegen dem Bling Bling und ich bin ehrlich traurig, das Walhalle dadurch so etwas unterging. Aber wir Mädels können wirklich nichts dafür. Bling Bling gegen Ruhmeshalle 1:0.

Jetzt sitze ich vor Dumbo, mit unseren Stühlen, dem Tisch und unserem wunderschönen Teppich und bin geschafft und frisch geduscht. Dumbo hat alle Ohren aufgestellt, um uns etwas frische Luft ins Innere zu befördern und wir die erste Campingdusche gemeistert. Doch jetzt freue ich mich riesig auf die erste Nacht in unserem winzigen Wohnwägele und bin gespannt wie wir schlafen. Schnarchende Personen werden übrigens ins Zelt verbannt, genauso wie notorische Frühaufsteher und Unruhegeister. Sie sollen nicht behaupten, dass ich sie nicht gewarnt habe!

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