Bin ich jetzt so richtig „fame“?

Als ich anfing Blog zu schreiben, setzte ich mir wie immer im Leben Ziele. So auch für mein erstes Blogger-Jahr. So gab es ein Minimalziel, wo ich die Latte nur so in Knöchelhöhe gesetzt hatte, denn es war so minimal, dass schon der erste Leser, den ich nicht Mama, Papa oder Ehemann nannte, dieses Ziel erfüllt hat. Und ja, es lesen tatsächlich mir völlig fremde Leute meinen Blog. Für mein Maximalziel fehlen mir noch ein bis zwei Follower, aber falls endlich mal jemand herausfindet, wie das mit dem „teilen“ geht, wird auch dieses Ziel in 2020 noch erreichbar.

Aber irgendwie habe ich schon immer gefrotzelt, dass ich den Durchbruch endgültig geschafft habe, wenn ich wichtig genug bin, dass ich mir meinen ersten echten Hater verdient habe.

Jetzt ist es soweit, ich habe meinen ersten eigenen Hater der mir Kommentare unter der Gürtellinie schickt und auf eine Reaktion hofft.
Da es sich ja hier aber um meine knallbunte, durchgeknallte Achterbahn handelt, bestimme immer noch ich, wer neben mir mitfahren darf. Und alle bisher verfügbaren Plätze sind mit Freunden, Bekannten und Lesern belegt, die sogar Spaß daran haben, diese Loopings mitzumachen. Du, lieber Hater hast keinen Platz in dieser Achterbahn und selbst die Tatsache, dass ich Dich hier erwähne, ist schon zu viel der Erwähnung. Denn kaum war es soweit, dass du gleich zwei lange Unter-der-Gürtellinie-Kommentare bei mir hinterlassen hast, stellte sich bei mir kein Gefühl von:

„Jetzt bin ich fame, jetzt habe ich es geschafft!“

ein. Ganz im Gegenteil! Ich beschloss einmal mehr, dass diese zur Zeit emporkommende Spezies des „gemeinen Haters“ schlichtweg überbewertet wird. Der „gemeine Hater“ kommt übrigens auch nicht von dem Adjektiv „gemein“, sondern eher von der „gemeinen oder allgemeinen Stubenfliege“. Braucht kein Mensch und trotzdem muss man sich mit ihr auseinandersetzen. Das ist wie ne ungewollte Schwangerschaft, ein leerer Kühlschrank oder ein Stein im Schuh. Okay, bei der Schwere dieser bildlichen Untermalungen beweise ich kein Feingefühl, aber jeder Mensch empfindet halt unterschiedlich. Ich bleibe beim Bild der „Stubenfliege“.
Und das bringt mich schon auf die Kernaussage zum Thema „der gemeine Hater“:

Wenn Dir nicht gefällt bzw. Du es doch sogar zum Kotzen findest, was Du hier liest, dann tu bitte Dir selbst den größten Gefallen, höre auf weiterzulesen und verbringe die Zeit mit etwas, dass Dir Spaß macht.

Und ich weiß, hier liegt der Hase im Pfeffer begraben, denn der größte Spaß für den „gemeinen Hater“ ist es, ungefragt grottige Kommentare abzugeben und auf eine Reaktion zu hoffen. Aber es muss doch noch etwas anderes geben, dass das Herz eines „gemeinen Haters“ beglückt. Ist es Aufmerksamkeit? Ist es fehlende Liebe? Ist es Einsamkeit? Ist es der Stein im Schuh? Ich könnte jetzt meinen Hater fragen, doch befürchte ich, dass diese Kommunikation dann völlig in eine andere Richtung abdriftet. Wobei lustig könnte es schon werden, zumindest am Anfang.

Mein „gemeiner Hater“ wirft mir Selbstverliebtheit vor und ich danke ihm, dass er dies als Quintessenz aus meinen Blog rausgelesen hat. Da kann ich ja gar nicht so falsch liegen mit meinem Schreiben. Denn JA, ich liebe mich, meine Familie und mein Leben und ich finde es so toll und schön, dass ich gelegentlich darüber schreibe und versuche mein Lächeln zu teilen. Ich bin nicht geboren zum Dramatiker, auch nicht noch Verschwörungstheoretiker oder Weltuntergangsprophezeier. Ich würde liebend gerne das Talent für ein richtig dramatisches Drama besitzen, aber dieser Kelch ging an mir vorbei. Das Einzige was ich wirklich gut kann, ist, mich so richtig „knorke“ zu finden und das zu tun, was ich gerne mache. Also Danke, lieber „gemeiner Hater“, dass Du das so treffend herausgefunden hast. Du hast ja wirklich ein Händchen für das Zwischenmenschliche, stimmts? „Zwinker“

Aber diese ganzen Überlegungen zu meinem eigenen „first Hater“ haben mich dazu gebracht, mir mal diese gemeine Stubenfliege genauer anzusehen. Sie ist überall, also zumindest überall im Internet. Zur Zeit auch völlig un“maskiert“ auf unseren Straßen unterwegs. Und was treibt diese Spezies an? Was ist der leckere Essensabfall im Leben dieser Stubenfliege? Einfach gegen ALLES und JEDEN zu sein und die eigene Rechtfertigung zu haben, eben dies auch herausschreien zu dürfen, nein zu müssen.

Ich zähle mich nicht zu dieser Gattung. Also wenn ich etwas lese, was mich womöglich dazu bringen würde mein Innerstes nach Außen zu kehren, dann höre ich augenblicklich damit auf, versaue mir weder meine Klamotten noch meinen Tag und suche mir etwas anderes, was mich mindestens zum Lächeln bringt. Der Hater ist wie ein Trüffelschwein und findet in jeder Suppe ein Haar und ist förmlich dazu gezwungen, dieses Haar als ganzes Toupet auszudiskutieren. Und wenn er dann noch das unglaubliche Glück erfährt, dass jemand auf ihn reagiert, ist dies wie das Öffnen einer geschüttelten Champagnerflasche….er explodiert und der schöne Effekt des sich perlenden Getränkes ist im Eimer.

Gerade Stelle ich mir vor wie es wäre, eine Gruppe von dieser Spezies in eine geschlossene Gruppentherapie zu stecken. Würden sie endlich mal alles ausdiskutieren, alles loswerden können? Hätten sie sich womöglich nichts zu sagen, weil jeder abwartet, dass der andere anfängt. Oder würden sie sich aufgrund der Gleichgesinnung ineinander verlieben und kleine Haterbabies zeugen? Umso mehr ich darüber nachdenke, um so mehr bin ich gegen diese Gruppentherapie, denn noch mehr von denen würden das Netz sprengen und uns zurück in die Steinzeit katapultieren.

Gelegentlich tappe ja auch ich in die Falle und lese solche Hater-Kommentare, sei es unter einer simplen Anfrage wie „Darf ich jetzt trotz Corona mich mit meinen Eltern treffen?“ oder einer wesentlich bedeutenderen Meinungsäußerung zur aktuellen Corona-Situation. Und jedes Mal bin ich erschreckt, wieviele Stubenfliegen es mittlerweile gibt, und wie sie sich stetig ungefragt noch übertrumpfen wollen. Da wird das Kind der Eltern nicht etwa beruhigt und mit Tipps motiviert, sondern es wird gnadenlos runter gemacht, beschimpft und beleidigt, als wüsste eine dieser Stubenfliegen auch nur ansatzweise, was die wahren Hintergründe sind. Aber es wird ja auch nichts hinterfragt, mal abgesehen davon, dass es niemanden etwas angeht. Sondern es geht gleich ab Kommentar Nr.1 in die Vollen. Keine Menschlichkeit, kein Verständnis, keine Empathie…

Was ist aus der schönen Möglichkeit von „gelesen, gelacht, gelöscht“ geworden. Können nicht all diese Kommentare verschwinden? Wenn wir schon nicht die Möglichkeit haben, sie zu löschen, so sollten wir uns doch wenigstens in Ignoranz üben.
Ich habe meinem Hater die Kommentarmöglichkeit geblockt. Nicht weil ich seine Einschätzung zu meiner Selbstverliebtheit nicht schätze, sondern weil ich ihm (außer heute) keine Plattform bieten möchte. Ich habe ihn mal gegoogelt und festgestellt, dass er bei weiten „famer“ ist als ich. Dafür gebührt ihm allerdings nicht mein Respekt, genauso wenig wie für seinen Schreibstil. Und ich habe für mich beschlossen, lieber fahre ich einsam und verlassen mit meiner Achterbahn die Loopings meines Lebens, als das ich eine Stubenfliege die Möglichkeit gebe, auf meiner Nase rumzutanzen.

Und ab morgen wird hier wieder gelacht, geliebt und gereist, geliked und geteilt….

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