Die Horrorwoche meines Lebens

„Pünktlich zu Halloween muss ich Euch von meiner Horrorwoche berichten und ich kann nur sagen, uns geht es mittlerweile Gott-sei-Dank wieder besser, aber DAS wünsche ich nicht einmal meinem größten Feind.

Am letzten Wochenende waren wir hier zu Hause, es sollte ein ganz gemütlicher Sonntag werden. Wir haben uns etwas im Garten beschäftigt und unser Kind hat immer zwischen Indoor- und Outdoorspielen gewechselt. Das beinhaltet natürlich auch das schnelle Rennen durch Haus, denn so ein Wirbelwind macht eigentlich gar nichts langsam. So passierte es auch, dass er die Treppe schnell hinunter wollte. Die Hausschuhe standen natürlich unten im Schuhregal und so rutschte er aus und flog die komplette Treppe hinunter. Gott-sei-Dank haben wir es gehört und sind gleich rein gerannt. Unser Süßer lag da mit offensichtlich gebrochenen Knochen und war ohnmächtig. Während ich versuchte ihn zu Bewusstsein zu bringen, rief mein Mann sofort den Notdienst. Dort sagte man uns, wie man unseren Sohn stabilisieren kann und auf was wir achten sollen und dass es voraussichtlich lange dauert, bis sie bei uns sind, da vor uns schon einige andere Notfälle eingegangen sind. Und so warteten wir geschlagene 5 Stunden mit einem hysterisch schreienden Kind, das vor Schmerzen immer wieder ohnmächtig wurde. Als endlich der Krankenwagen da war, war aber kein Notarzt verfügbar und so fuhren wir direkt los nach Borna ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort wurden wir abgewiesen, da keine Bettenkapazitäten mehr vorhanden waren und die Gänge auch schon voll standen. Nach weiteren zwei Stunden Warten fuhren wir weiter in die Uniklinik. Dort sah es noch schlimmer aus. Unser Sohn war mittlerweile in einem furchtbaren Zustand und ich bekam absolute Panik und schrie jeden um mich herum an. So wurden wir wieder in den Krankenwagen gebracht und fuhren ins nächste Krankenhaus. Das gleiche Bild. Was soll ich nur tun?“

Dies war nur eine fiktive Geschichte, zum heutigen Tag frei erfunden und doch könnte sie so oder so ähnlich in ein paar Wochen Realität werden. Es kann passieren, wenn solch ein Unfall passiert, wenn jemand einen Herzinfarkt bekommt, oder einen Schlaganfall, bei einem Autounfall oder auch bei einer Pilzvergiftung. Egal wie vorsichtig wir sind, solche Dinge passieren und bisher waren wir immer sicher, dass uns sofort geholfen wird.

Wenn aber weiterhin so viele denken, Corona betrifft mich nicht und hat nichts mit mir zu tun, laufen wir in wenigen Wochen in die Situation, dass die Krankenhausbetten belegt sind und wir eine Versorgungslücke erreichen, die Leben kosten wird. Das sind dann nicht die Toten der Corona-Statistik, aber auch dies ist ein Grund für die aktuell beschlossenen Maßnahmen. Wollt ihr ausprobieren, ob es Euch dann immer noch nicht betrifft? Wollt ihr darauf warten, dass erst jemand aus Eurem direkten Umfeld diese Erfahrung machen muss, damit ihr Euch darüber Gedanken macht? Ich will das nicht!

Wir leben in einem Land, wo wir eine Unterversorgung in Krankenhäusern eigentlich nicht kennen, zumindest nicht im Vergleich zu einem Großteil der anderen Länder auf der Welt. Das ist für uns selbstverständlich und wir müssen jetzt verstehen, dass diese Selbstverständlichkeit verschwindet, wenn wir nicht unseren Teil dafür tun.

Auch leben wir in einem der wenigen Länder wo versucht wird, die finanziellen Schäden, die durch diese Vorsichtsmaßnahmen entstehen, aufzufangen. Es kann nicht unser vernünftiger Anspruch sein, dass alles aufgefangen wird, auch wenn das schön wäre. Aber weder sind wir bei Wünsch-Dir-Was noch bin ich Wendy.
Und ja, ich finde es auch blöd, das z.B. Gastronomen, die sich wirklich an alles gehalten haben, gute Hygienekonzepte eingeführt haben, nun wieder schließen müssen. Und ja, aktuell habe ich bis auf das nervige Home-Office und die fehlenden Reisen und Freizeitaktivitäten wenig durch Corona auszustehen, was vielen anderen sicherlich anders geht. Aber all dies passiert nicht, um irgendjemanden zu ärgern, sondern damit Euer Sohn, Euer Vater, Eure Mutter, Euer Partner im Falle eines Unfalls, einer Krankheit oder eines anderen Notfalls immer noch die Versorgung bekommt, die er braucht. Bitte öffnet Eure Augen und denkt an die, die ihr liebt, an Eure Nachbarn, Freunde und Kollegen und überlegt genau, ob ihr im worstcase immer noch sagen würdet: Das betrifft mich doch gar nicht.

Ich kann nicht ausschließen, dass allen die ich liebe in den nächsten Monaten nichts passiert. Georg rennt wirklich immer in Socken die Treppe hoch und runter. Meine Eltern sind über 70, hundertprozent gefühlte 50jährige, aber trotzdem nicht save. Ich selbst fahre viel Auto und zittere vor jedem Stauende. In meinem Umkreis gibt es Menschen mit Diabetes, Schlaganfällen und Krebs. Und wenn einem von Ihnen etwas passiert, will ich nicht sagen müssen: Hätte ich mich doch nur an den Lockdown gehalten und nicht noch Corona weiter verbreitet.

Wenn ich es nun geschafft habe, dass ihr einen kurzen Moment berührt wart, nachdenken musstet, oder auch nur vor euch hin genickt habt, dann teilt dies bitte, auf welchem Weg auch immer, so dass es viele Leute zum Nachdenken bringt. Es geht nicht um die paar Minuten beim Einkauf die ich eine Maske tragen muss, auch nicht um die leeren Toilettenpapierregale, auch nicht um die Entbehrungen, die wir gerade alle erleben müssen. Es geht darum, dass wir wieder eine Chance haben werden, dass das Selbstverständliche auch selbstverständlich bleibt.

Wenn ich Euch nicht zum nachdenken bringen konnte, dann seid gewiss, ich werde es weiter versuchen.

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