Hast Du ne Blockade? Spiel Tetris damit!

Fünf englische Jungs hätten jetzt gesungen: „Babe, I’m back again!“, aber ich versuche es mal in meine eigenen Worte zu fassen. Mein letzter Artikel ist fast drei Monate her und seither endete jeder kreative Ansatz von mir mit den Worten: „och nee, das ist Scheiße.“.
Also ich will sagen, bei mir hatte sich seit November eine kreative, dicke, fette, hässliche Blockade eingenistet. Und darauf habe ich so gar keinen Bock mehr, denn mir fehlt das Schreiben. Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass auch noch anderen mein Schreiben fehlen würde, aber irgendwie haben wohl alle die Ruhepause genossen, oder stehen noch mit der Kotztüte neben meiner Achterbahn.

Nun ist aber die Frage, woran lag es und wie mache ich Tetris daraus. Tja der zweite Teil der Frage ist eigentlich leicht zu beantworten. Ich schreibe einfach los, ohne nachzudenken, ohne Bewertung, ohne Kontrolle und Korrektur, nur um des Schreibens willen. Tatsächlich so ähnlich wie Tetris, aber mit verdammt großen Steinen. Einen Artikel nach dem anderen lasse ich nun wieder aus meinem Kopf, manche sind öko-grün, manche neidgelb, manche wut-schwarz oder rot wie die Liebe. Und der eine Stein passt mal gut auf den anderen und dann wieder passt gar nichts und es türmen sich einige Artikel chaotisch aufeinander. Aber wenn ich einen Run habe, dann verschwindet jede aufgebaute Blockade oder Mauer von ganz alleine.

Mir gefällt an der Vorstellung, dass ich irgendwann kurz davor bin, meinen eigenen Highscore zu knacken und vor mir ein großer bunter Haufen voller toller Artikel liegt, die nicht unbedingt perfekt sind, denn andere knacken meinen Highscore mit einem Wimpernschlag, aber es sind meine eigenen schönen bunten Steinchen.

Doch kommen wir zu meiner dicken, fetten, hässlichen Blockade zurück und klären den ersten Teil der Frage: Woher sie kam? Man kann sie sich wie ein eckeliges braunes Häufchen vorstellen, welches nicht wie die bunten Tetrissteine langsam nach unten fällt, sondern ganz schnell platsch macht und alles verklebt und verschleimt. Hach, haue ich heute wieder Bilder raus..

Also dieses eckelige, braune Häufchen Platsch, oder kurz ebHP hat sich nach meinem letzten Artikel Ende Oktober langsam zu monströser Größe aufgebaut. Der letzte Artikel war nämlich richtig klasse und ich habe verdammt viel Zuspruch dafür bekommen. Doch habe ich damit die Latte weit nach oben gelegt, ohne es selbst zu merken. Der der letzte Artikel war kritisch, polititsch, vorhersehend, also eigentlich so ein Artikel, knapp am Pulitzer für Anfänger vorbeigeschrammt. Doch er war eines nicht, nämlich typisch achterbahn.blog.

Und jetzt lastete auf meinem Hirn der Druck, dass der nächste Artikel bitte MINDESTENS so gut wie der letzte wird. Irgendetwas hat der liebe Gott bei der Verteilung des Ehrgeizes falsch gemacht, denn ich habe den Ehrgeiz eines ganzen Erstligisten inklusive der Trainer, Masseure, Ärzte und nicht zu vergessen der Spielerfrauen in mir drin.
Egal welchen Artikel ich nun in den Wochen nach diesem letzten Artikel anfing, es riss die Latte nicht im Geringsten und mein Ehrgeiz ging unbefriedigt ins Bett.

Die Horrorwoche meines Lebens: /https://achterbahn.blog/2020/10/31/die-horrorwoche-meines-lebens/

Ich wollte nicht mehr ständig über Corona schreiben, auch nicht jammern und schon gar nicht in Belanglosigkeiten verschwinden. Aber das blöde war, ich befand mich noch mitten in der Corona-Phase und konnte daran auch nichts ändern. All mein Input beschränkte sich auf die 10 qm Arbeitszimmer, unzählige Telefonkonferenzen mit immer wieder den gleichen Menschen. Er beschränkte sich auch auf meine Familie, mit der ich in den letzten Monaten förmlich zu einem Brei vermengt wurde.

„Nicht falsch verstehen, denn ich liebe Euch über alles!“

Auch das Fernsehprogramm, unsere fast täglichen Wanderungen, oder der Austausch mit Freunden am Telefon bot mir nicht genug, dass es die oben genannte Latte gerissen hätte. Ja, ich konnte lustig darüber schreiben, aber ich war damit unzufrieden, denn es bot den Alltag, den zur Zeit alle erleben. Nur halt aus dem Blickwinkel meiner knallroten Achterbahn. Und ständig fragte ich mich: Braucht das die Welt da draußen?

Und genau das war die falsche Frage, denn es ging nicht darum, was die Welt das draußen braucht, sondern darum, was ich drinnen brauche. Doch ich Dummerchen kam einfach nicht darauf, die richtige Frage zu stellen. Statt dessen suchte ich nach Kreativität.

Normalerweise brauch ich ja nur eine Autofahrt heimwärts nach einem abwechslungsreichen Tag und ich habe 2-3 Artikel im Kopf, aber an den Home-Office-Stuhl gefesselt, konnte ich nicht einmal so tun, als würde ich Autofahren, ohne dass das lilabunte Auto mich abholt. Aber wenn ich wieder wissen will, wie es sich anfühlt, dann lese ich einfach den folgenden Blogeintrag noch einmal, lache, weine und komme zumindest auf einen halben Teelöffel Kreativität: Ode an den Außendienst

Also Zusammengefasst war es dieser ebHP mein doofer Ehrgeiz gepaart mit Home-Office-Kreativität und dem falschen Blickwinkel, nicht mehr und nicht weniger. Und wie kam ich zu dieser Erleuchtung über meine Blockade? Ganz einfach, mir fehlt meine Achterbahn so unglaublich. Mir fehlt mein Lachen und das Gefühl, wenn ich es geschafft habe. Mir fehlt der Moment später nochmal drüber zu lesen und auszubessern oder noch eine Schippe drauf zu legen. Mir fehlt das Gefühl etwas verarbeitet aus meinem Kopf herauszubekommen und niederzuschreiben. Und mal ehrlich, mir platzt bald der Schädel aufgrund der vielen Geschichten, die unter der Latte durchgerutscht sind.

Teilweise sind sie schon geschrieben, teilweise geistern sie in Ideenfetzen durch meinen Kopf und alle wollen raus. Ein Urteil, ob sie gute oder schlechte Blogeinträge werden, kann ich mir schließlich erst bilden, wenn sie final niedergeschrieben sind und irgendwer im OFF darauf reagiert. Und ich liebe die Vorstellung, dass ich in fünfzig, naja vielleicht schon vierzig Jahren in einem alten elektrischen Fernsehsessel mit Fernbedienung sitze, meine Enkelkinder vor mir kauern und dabei meinen Blog lesen und hi und da lachen sie über die alte, runzelige Oma mit den vielen Lachfalten, die so lustig über die alten Zeiten geschrieben hat. Tja und wenn nicht einmal meine Enkel darüber lachen können, leiste ich mir so nen knackigen Zivi, der pro Lacher nen Euro bekommt. Irgendwie wird das schon.

Also der Plan steht, ob ihr wollt oder nicht, die nächste Runde in meiner Achterbahn wird mit einem lauten Klingeln eingeläutet. Es sind noch Plätze frei, also steigt ein. Bezahlt werden muss nix, aber man muss unbedingt die Arme vor Freude hochreißen und kreischen. Die erste Reihe gehört mir und meinem Laptop und ich kann versprechen:

„Babe, I’m back again!“

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