1000 Teiche, Millionen Pfützen und Überraschung: nasse Füße

Mein ganzes Schreiben fing ja mit dem Reisen an. Und jetzt habe ich 12 Tage Urlaub und all meine Versuche für einen reisenden Urlaub sind irgendwie boykottiert wurden. Aber nun mal ehrlich, hält mich dass in irgendeiner Art und Weise davon ab, zu tun, was ich gerne tue? Nicht die Bohne. Also herzlich Willkommen zu 12 Tage Roadtrip der etwas anderen Art. Denn ich will reisen, jeden Tag etwas Neues erleben und entdecken und ich will endlich wieder Schreiben und Fotografieren, bis der Finger glüht.

Heute morgen begann unser Roadtrip und was soll ich sagen? Wir haben erst einmal ordentlich verschlafen. Nach einem versoffenen Männertag, bei dem sogar der Panzer durchs Wohnzimmer gefahren ist (verstehen nur Insider) und einem missglückten Autokorso (also ich war bereit), kamen wir nicht aus dem Bett. Sicherlich auch begründet durch dieses Wetter, welches die Natur gerne annimmt, aber welches mir ehrlich gesagt die Schönwetterlaune verregnet. Verpennt heißt nun, wir verpassten unseren erträumten Flug nach Malle und setzten uns stattdessen in unser Auto. Vollgetankt war er ja, packen mussten wir auch nur Handgepäck und den Picknickkorb und schon konnte es losgehen.

Gemäß meiner stets vorbildlichen Planung habe ich auch an unseren aktuellen Roadtrip keine Luft gelassen. Die täglichen Routen stehen und können individualisiert werden nach Wettervorhersagen, Stauaktivitäten und Tagesform. So auch heute. Nach den aktuellen Wettervorhersagen sollte es in Plothen in Thüringen maximal 0,1mm regnen zwischen 14 und 17 Uhr. Das Risiko wollten wir bewaffnet mit Regenjacken durchaus eingehen. Also ab zu 1000 Teichen nach Plothen.

Ich gebe zu, bis zur Internetrecherche hatte ich noch nie von diesem landschaftlichen Idyll gehört. Und so geht es sicherlich den meisten von Euch auch. So dachte ich auch, mit den 1000 Teichen, dass haben die doch glatt marketingtechnisch etwas übertrieben oder zumindest aufgepimmt. So wie Leipzig manchmal auch Klein-Venedig genannt wird wegen der vielen Kanäle und dabei der Tourismusbeauftragte immer leicht übertreibt, auch wenn ich durchaus Ähnlichkeiten sehe.

Aber dank der Regenfälle der letzten Tage erwarteten uns nicht nur die 1000 Teiche, sondern mindestens eine Million Pfützen, diverse Bäche und ganz, ganz viel Matsch. Also ein Paradies für Kinder in Matschhose und mit Gummistiefeln. Bei schönem Wetter kann ja jeder nach Malle fahren und sich an den Strand legen. Aber wir auf unserem Roadtrip gen Pfingsten können auch Matschwetter und so ging es auf 8 Kilometer um diverse der tausend Teiche.

Anfangs habe ich mir echt noch Mühe gegeben, dass die Schuhe trocken und sauber bleiben, aber nach ca. 100 Metern gab ich auf. Habe schließlich lange genug durchgehalten und das Ausschau halten nach Fotomotiven und Pfützen funktioniert nur in Kombination, wenn hinter der Pfütze ein interessantes Motiv für ein Spiegelbild versteckt ist. Aber ansonsten geht nur eines von beiden und damit hatte ich ab dem Meter 101 nasse, matschige Füße und den Blick für’s Wesentliche wieder gefunden.

Georg war schon drei Meter hinter dem Parktplatz im Abenteuer-Modus und forschte, entdeckte und erkundete alles. Zahlreiche Schautafeln am Wegesrand trugen auch dann zur Unterhaltung bei, wenn mal kein Schmetterling zu sehen war, dem man hinterher jagen konnte. Also war auch das Kind glücklich.

Der Mann allerdings war nur so semi-glücklich. Erstens hatte er das Stativ zu tragen mit der stetigen Frage: Wozu? und zweitens hatte er nicht genug Ablenkung, als dass ihm die immer dunkler werdenden Wolken am Himmel nicht auffallen würden. Also nasse Füße, matschige Hosen und dunkle Wolken am Himmel tragen definitiv nicht zur Glückseeligkeit bei. Da half auch nicht, dass ich und meine Wetterapp stur und steif behaupteten: Nein, es wird hier keinesfalls regnen.

Naja, ab Kilometer 4 zogen wir mal die eingepackten Regenjacken an und redeten uns die Tropfen gegenseitig schön.

„Also das ist total gut für die Natur. Die braucht das. Und außerdem brauchen die Teiche auch immer wieder Frischwasser. So kann ja alles besser wachsen. War ja eh alles so ausgetrocknet.“

Blablabla, denn eigentlich war uns nach dem Wort mit SCH und einem guten Internetempfang, damit wir schnellstmöglich einen Flug nach Süden buchen könnten. Aber wir waren ja auch als Eltern und damit Vorbilder unterwegs und so hieß es lächeln und lustige Regenlieder singen, die die Sonne wieder vorzaubern würden. Hat das schon mal bei irgendjemanden funktioniert? Wenn ich mir dabei zuhöre, würde ich eher selber Regentropfen heulen, statt zu strahlen wie die Sonne.

Aber Georg war so hochmotiviert und gut gelaunt, dass wir unsere SCH-Stimmung vergaßen. Stattdessen entdeckte Georg eine Schutzhütte auf Pfählen und so stoppten wir unsere mobile Außendusche für einmal Aufwärmen und Trocknen bei einem Picknick in der Hütte. Und voilá, die gute Laune stoppte tatsächlich den Regen und uns kitzelten sogar wieder ein paar Sonnenstrahlen die Nase.

Nun mussten wir nur noch den Rückweg schaffen und ich erhielt ein Fotoverbot. Netter Versuch, als ob mich ein Verbot abhalten könnte? Bei Sonnenschein kombiniert mit Schlechtwetterwolken und so tollen Fotomotiven wie 1000 Teichen inklusive Pfahlhäusern, lauter Pfützen, Regentropfen auf Blüten und tausenden Schwänen? Bleiben wir mal realistisch. Außerdem sollte Swen doch das Stativ nicht umsonst getragen haben. Wäre ja massiv unfair meinem geliebten Ehemann gegenüber. Und so langzeitbelichtete ich noch etwas vor mich hin und strapazierte die Geduld meiner Männer mit ihren vollen Blasen und nervösen Blicken gen Himmel.

Aber kurz vor dem Parkplatz wurde mir deutlich gemacht, dass die Tropfen von Oben keine Freudentränen über meine tollen Foto’s sind, sonder schon wieder Regen. Damit bekam ich die Speicherkarte gezogen und mir wurde die Richtung gen Auto gezeigt. Jetzt weinte nicht nur der Himmel. Aber ich weiß schon, Mitleid ist an der Stelle nicht angebracht. Wäre es aber..

Inzwischen sitzen wir nun in unserer heutigen Ferienwohnung, die irgendwie aussieht wie unser Zuhause. Selbst den Garten haben die Vermieter zu 100% so gestaltet wie wir. Tollen Geschmack haben die, bekommen von mir dafür einen Extrastern bei buchdeinzuhauseundentdeckeesneu.de. Nur der Zimmerservice klappt nicht, denn es sieht noch so aus, wie heute früh, kein aufgeschütteltes Bett, keine frischen Handtücher, kein gesaugter Boden. Aber ich will nicht zu kritisch sein. Die Füße sind jedenfalls wieder trocken und die Hosen aus. Und weil ja gar nicht die Frage steht, in welches Gasthaus wir heute Abend einkehren, werden wir wohl die Einbauküche verwüsten. Aber welch Freude, hier steht auch ein Thermi, wie zu Hause…

Während es heute also 100 km gen Süden ging, werden wir morgen mal in den Westen ausschwärmen. Unser Roadtrip an der Kette könnte man sagen. Mal sehen, wie weit wir uns die nächsten Tage noch so wegbewegen und ob uns die Kette immer wieder zurück gen Basis zieht. Jedenfalls freue ich mich, wenn ihr auch dieses Mal mitreist und es einfach mitgenießt, mal einen anderen Grashalm zu sehen, als in den letzten Monaten.

Ein Kommentar zu „1000 Teiche, Millionen Pfützen und Überraschung: nasse Füße

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  1. Netter Reisebericht! Da fielen mir gleich zwei Songs aus Urzeiten ein: „Die Sonne kommt immer wieder“ von Chris Doerk und „Regentag, Sonnenlaune“ von … leider finde ich das nicht, wie schade. Zu beiden Titeln tanzten wir (Strausberger Tanzensemble) Ende der 80er auf der Bühne.
    Für den nächsten Trip wünsche ich euch ein paar Sonnenstrahlen mehr!
    Liebe Grüße aus Norditalien, wo sich das Wetter gerade auch nicht zwischen Sonne und tiefgrauen Regenwolken mit entsprechenden Niederschlägen entscheiden kann.

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