Na Schulkind-Mama, hammers mal wieder etwas übertrieben?

Als erstes streichen wir in der Überschrift mal das Wörtchen „etwas“, denn dies birgt eine Verniedlichungsform, die hier ganz und gar nicht angebracht ist. Und somit mache ich mit Klartext auch gleich mal weiter und oute mich, dass mit Schulkind-Mama nicht irgendeine Phantasiegestalt gemeint ist, sondern lCH eben diese Übertreibungs-Mama bin. Beginnen wir also mit einer ordentlichen Portion Selbstkritik oder Eigenlob. Was es dann schlussendlich wird, kann ich jetzt echt noch nicht so recht sagen. Das würde ja auch die Spannung nehmen für den Inhalt dieses Artikels. Und ich muss ehrlich gesagt auch zugeben, dass ich aktuell nicht sicher bin, ob ich nun stolz auf mich bin, oder doch gleich das lilabunte Auto rufe. So ist das halt manchmal, wenn man sich selbstreflektiert und über sich und seine Taten nachdenkt.

So auch in diesem Fall. Der Schulanfang ist nunmehr 10 Tage her und ich kann mit Stolz behaupten, wir haben alle überlebt. Es war zwar knapp und nicht Ereignislos, aber eigentlich geht es ja auch gar nicht um die eigentliche Feier, sondern das ganze Vorspiel zur Feier. Dieses Vorspiel gipfelte am Vorabend des Schulanfang mit einem Glas Roséwein auf der Terasse. Der Sinn hinter dem Glas Wein war ja eigentlich nur der Qualitätsprüfer in mir. Sicher ist ja schließlich sicher, will ja am nächsten Tag keinem eine schlechte Getränkeauswahl vorsetzen. Und so sagt das Engelchen auf meiner Schulter:

„Mensch, Dani, es ist 18:00 Uhr am Vorabend zum Schulanfang und Du hast alles geschafft? Also wenn Du wirklich fertig bist mit Allem, hast du dir das Gläschen verdient“

Und dann antwortete das Teufelchen auf der rechten Schulter mit einem süffisanten Lächeln:

„Du hast doch bestimmt noch etwas vergessen, oder? Wie sieht es denn zum Beispiel mit den noch eingepackten Schreibtischmöbeln der Großeltern aus? Musst du die nicht eigentlich noch aufbauen?“

Und in diesem Moment nahm ich mein Engelchen von der linken Schulter und das Teufelchen von der rechten und ertränkte sie in meinem Roséwein.
Natürlich hatte ich an alles gedacht, also eigentlich. Denn Uneigentlich hatte ich natürlich die Möbel vergessen, die seit Wochen den Flur blockierten und mich diverse Male mit Beulen am Schienbein an ihre Anwesenheit erinnerten. Also Schraubenzieher geschnappt und mit einer furchtbaren Anleitung alles nochmal schnell zusammengezimmert. Wäre es Ikea gewesen hätte ich wenigstens die Anleitung verstanden, so brauchte ich Stunden und mein Fluchen war im ganzen Haus zu hören.
Aber dies war nur ein klitzekleiner Rückschlag am Ende einer langen Reise und beschreibt nicht die eigentlich perfekte Vorbereitungsphase.

Schließlich habe ich in den letzten Monaten jede halbwegs freie Minute damit verbracht, diesen Event zu organisieren. Als das Ganze anfing, hätte ich ehrlich gesagt die Wahl treffen sollen nach Frankreich auszuwandern. Dort feiert man nämlich so gar keinen Schulanfang. Ich hätte dann dort diesen Event eingeführt mit einer süßen kleinen Zuckertüte für Georg und ansonsten nix.
Aber nun ist es halt so, dass ich keine Französin bin und Georg auch nicht verkaufen konnte, dass der Schulanfang dieses Jahr ausfällt. Auch Corona hat mich hier mit seiner Zuverlässigkeit im Stich gelassen. Nichts mit Lockdown und Partybeschränkungen. Also musste ich da durch.

Und an der Stelle der stillen Kapitulation vor Traditionen setzte bei mir der Wahnsinn ein, frei nach dem Motto: „Wenn schon, denn schon“. Eine ordentliche Party musste geplant werden, damit mein Sohn, genau wie ich, sich schlussendlich in 30 Jahren nicht mehr daran erinnern kann.

Zuerst die Suche nach einer Location. Als ich vor einem reichlichen Jahr begann Restaurants anzufragen, wurde ich in 100% der Fälle schamlos ausgelacht. Ob ich den Schulanfang 2023 meinte, wurde ich gefragt. Und auf meine Antwort: „Nein, 2021!“, fing dieses schamlose Gelächter an. Also kein müdes Lächeln, was Raum für Interpretationen lässt, nein, es war ein Schenkelklopfer-Lachen der übelsten Sorte. Was kann ich denn dafür, dass ich nicht wusste, dass man Locations für den Schulanfang direkt nach der Niederkunft buchen muss. Nun mal ehrlich, ist das sinnvoll? In dieser hormonellen Ausnahmesituation bucht man doch keine Partylocation sondern eher ein Wellnesshotel. Aber egal, wir haben ja unsere hauseigene Location vor Ort und somit hakte ich dieses Thema ab und buchte parallel für Georgs Schulabschlussfeier in 10 bis 12 Jahren eine Hüpfburg mit Rittern. Sicher ist sicher!

Und das wir nun zu Hause feiern würden war letztendlich gar nicht so schlecht, denn im eigenen Garten befindet man sich im Reich der unbegrenzten Möglichkeiten, oder halt des unbegrenzten Wahnsinns. So konnte ich mich kreativ austoben und planen wie eine Arbeiterbiene. Ich gebe zu, an irgendeiner Stelle wurde auch Swen nervös, als die Dekokisten im HWR langsam die Größe des HWR annahmen. Aber so ist dass, wenn ich die Planung übernehme. Ich konnte ihn beruhigen, dass mit der Einschulung alles wieder verschwindet und versorgte ihn mit einigen Aufgabenstellungen, damit ich in Ruhe weiter überplanen konnte. Also wurden Einladungen gebastelt, natürlich mit eigens dafür aufgenommenen Fotos, es wurden Tischkärtchen kreiert, Getränkekarten vorbereitet, ein Fotobooth ausgestattet, Luftballons geordert, eine Pinata gefüllt und diverse andere Spielemöglichkeiten für 10 Party’s geordert. Und ich könnte so fortfahren, bis die Zeichen dieses Blogs aufgebraucht sind. Fakt war, ich wollte Georg eine tolle Party organisieren und habe es übertrieben.

Doch damit nicht genug, nein natürlich nicht. Denn ich meinte auch noch, dass mein Kind ohne einen selbstgebastelten und gleichzeitig pädagogisch wertvollen Countdown-Kalender eigentlich gar keine Chance auf eine tolle Party hat, geschweige denn dieses Vorwissen ganz dringend benötigt. Mal ganz ehrlich und damit äußerst selbstkritisch, mein Kind wäre auch ohne diesen Kalender aufgeregt gewesen und hätte es auch ohne diesen Kalender in die erste Klasse geschafft. Aber mit Kalender hatte er an 26 Tagen, für 26 Buchstaben, vor dem eigentlichen Event jeden Tag ein kleines Erlebnis. Wie schon erwähnt, wollte ich parallel zu diesem Erlebnis auch noch das Alphabet durchhecheln, Schreiben und Lesen lehren und das ganze mit Abenteuer verbinden. Und so stand jeden Tag auf dem Plan, einen passenden Gegenstand zu dem aktuellen Buchstaben zu finden und in einer Schatztruhe für die Nachwelt zu deponieren. Toller Gedanke, bis wir zu den Buchstaben wie Q, X, Y, Z kamen. Ein Löffel Quark kam ebensowenig in Frage wie der ganze Zoo, aber dafür liegt jetzt in seiner Schatztruhe ein Stück Chips für den Buchstaben C. Pädagogik kann ich echt gut.

Und kommen wir zur nächsten mütterlichen Übertreibung. Natürlich sträubte sich bei mir auch alles bei dem Gedanken an eine fertige Zuckertüte aus dem Laden. Bei dem Gedanken bekam ich Hitzewallungen und so richtiges Herzrasen. Hab doch schließlich einen Bastelschrank und einen Ruf zu verteidigen.

Und was wünschte sich das liebe Kind? Auch noch eine verdammte Hunde-Zuckertüte und damit verzweifelte ich an meinen kreativen Möglichkeiten. Aber Herausforderung angenommen und losgebastelt. Vor dem Basteln kommt ja bekanntlich die Planung und Vorbereitung. Also kaufte ich Material ein, was locker für die Zuckertüten aller Erstklässler hier aus Leipzig reichen würde. Ich kann in Massenproduktion gehen und eröffne einen Zuckertütenshop. Das Wichtigste Material dabei war natürlich die Munition für die Heißklebepistole und so konnte ich bewaffnet bis unters Kinn loslegen und in nächtlichen Sessions einen Hund zu einer Zuckertüte umformen. Er hat kaum gelitten und konnte danach sogar noch lächeln.

Als Georg dann ca. eine Woche vor dem Schulanfang mit roten Ohren und Blick auf die Füße meinte, dass er denkt er bekommt eine Hundezuckertüte, war ich so geschockt über seine befriedigte Neugier, dass ich fast versucht war, eine neue Zuckertüte zu basteln. Material hatte ich ja genug und zur Strafe hätte er eine pinke Prinzessinnen-Zuckertüte mit Tüllrock bekommen. Aber ich bin ja kein Unmensch, sondern nur eine Mama-Perfektionistin mit Knall. Und deshalb blieb es bei der Hunde-Zuckertüte mit Dackelblick.

Und damit wären wir beim Inhalt und ich möchte mich hier nicht über Geschenke und Übertreibungen auslassen. Nein, es geht überhaupt nicht darum, was man kauft und wieviele Süssigkeiten reinpassen. Nein, ich hatte wieder einmal etwas individuelles im Blick. Also bastelte ich Lastminute mal schnell noch ein Fotobuch für einen Erstleser zusammen mit 26 Seiten für 26 Buchstaben. Wenn schon Knall, dann auch durchgängig. Also gab es für jeden Buchstaben eine Seite mit einem passenden Foto und drei Sätzen mit einem jeweils passenden Verb, Substantiv und Adjektiv. Und noch immer bin ich stolz auf meine Ergüsse zu dem Y. Wann dies wiederum mein Kind das erste Mal überhaupt lesen kann, kann ich Euch nicht sagen. Ich schätze so in fünf bis zehn Jahren und dann zeigt es entweder seiner Mutter den Vogel oder es lacht ähnlich süffisant wie die Restaurantbesitzer auf meiner Locationssuche.

Aber irgendwie hatte ich all diesen Wahnsinn zumindest so perfekt organisiert und geplant, dass am eigentlichen Tag der Feier alles am Schnürrchen lief. Ich konnte nun die Kreativität aus dem Kopf lassen und umsetzen. Und ich fand, dass es eine wundervolle Feier war und alles herrlich dekoriert war und Georg riesigen Spaß hatte. Zumindest wenn wir von der Tatsache absehen, dass das Abschiedsgeschenk aus dem Kindergarten, ein Magen-Darm-Virus, direkt zur Feier seinen Vater ausnockte und mich dann nach dem Aufräumen auch noch umhaute. So etwas wiederum kann man nicht planen und es zeigte mir mal wieder, dass ich eigentlich das Wichtigste vergessen hatte. Es ging um uns als Familie und unseren Spaß und unsere Liebe zueinander und keine Deko der Welt kann dies ersetzen.

Also ganz selbstkritisch gesprochen:

Liebe Vorschulkinder-Mama’s, nehmt Euch bitte, bitte kein Beispiel an mir und übertreibt es nicht so. Bremst Euch in den Vorbereitungen und löst Euch vom Perfektionismus. Denn das freut nur das Engelchen und das Teufelchen, die besoffen vom Roséwein auf dem Tisch tanzen.

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