Wenn wir freiwillig 7 Uhr aufstehen, steht entweder ein Flug an, der sich nicht an unseren Terminkalender hält oder wir haben ein wirkliches Highlight geplant. Und so war es auch, denn wir wollten heute im Atlantic mit Delphinen schwimmen. Also gabs Frühstück auf die Hand und die Badesachen wurden gleich mal angezogen. Vorbereitung ist ja bekanntlich alles. Wir brauchten von Biscoites ca. 25 Minuten bis in den Hafen von Angra und hatten glücklicherweise etwas Puffer eingebaut, denn die Parkplatzsuche gestaltete sich in den gut gefüllten Gassen etwas schwierig. Aber nach einer Ehrenrunde fanden auch wir eine Parklücke und bezahlten am Automaten. Wie wir nun wissen, völlig umsonst, denn am Wochenende ist Parken frei.
Am Stand von OceanEmotion angekommen bildete sich schon eine lange Schlange vor uns und wir hatten Angst, dass wir nun in einem riesigen Boot rausfahren und alle gemeinsam die Delphine erschrecken. Aber Pustekuchen, das war die Schlange für das Whalewatching. Wir waren auf unserer Tour „Schwimmen mit Delphinen“ nur eine kleine Gruppe von 7 Leuten, uns eingeschlossen. So lieb ich das Ganze. Jedenfalls checkten wir kurz ein, lernten unseren Tourguide kennen und ab ging es schon Richtung Boot. Ich weiß gar nicht, wer von uns mehr aufgeregt war. Pini, die eigentlich nicht im Meer schwimmen wollte, wegen der großen Killerhaie und der unendlichen Tiefe. Georg, der grundsätzlich aufgeregt ist, weil er einfach nicht weiß, was ihn erwartet. Swen und ich, die nach dem Schwimmen mit dressierten Delphinen in Florida gespannt waren, wie das mit den wilden Tieren so läuft. Also Fakt ist, aufgeregt waren wir alle.
Die erste Herausforderung war mal wieder das Flutschen in den Neoprenanzug kurz nach dem Frühstück. Das nächste Mal verlange ich Vaseline, um dabei einigermaßen elegant reinzurutschen. Zwischenzeitlich, also kurz bevor das Oberteil über die Schulter rutscht, hatte ich das Gefühl, wir müssen die Mission abbrechen. Ich steckte so sehr fest und dieses Ding wollte einfach nicht über meine Schultern rutschen. Aber irgendwann hatten wir es geschafft und so stand Fantomas für sein nächstes Abenteuer bereit.

In diesem Fall ging es in ein Schnellboot, was in meinen Augen wie ein Schlauchboot aussah. Seit wann vertrauen wir denn schwimmenden Luftballons, wenn wir auf den Ozean rausfahren? Aber egal, wir hatten ja einen Neoprener an und waren somit unverletzlich. Dachten wir.
Und nun ging es raus ins große Abenteuer, was in diesem Fall erst einem rein in den Naturhafen bedeutete. Denn bevor man uns auf freilebende Delphine loslässt, muss erst mal geübt werden. Nicht, dass wir schon an den Kleinigkeiten, wie an der Wasseroberfläche schwimmen, scheitern. Und so gab es eine kleine Übungsrunde auf dem Schlauchboot: „Prepare Group X/Y“-hieß soviel viel Gruppe X/Y setzt sich bitte auf die linke oder rechte Seite des Bootes. Dann kam „Turn“ und wir treten uns mit den Beinen voran Richtung Meer, wobei wir immer noch brav auf dem Schlauch saßen. Und dann hieß es „Water“ und unter Heranziehung aller Translater bedeutete dies, ab ins Wasser. Okay, diese Kommandos versteht sogar Georg, wobei man bei „Water“ darauf achten soll, dass man nicht mit Salto oder Arschbombe reinspringt, sondern möglichst unauffällig in den Ozean gleitet. Das ist wie ne 10.0 beim Turmspringen, ohne einen Spritzer zu hinterlassen. Das machen wir natürlich nicht für die Bewertung, sondern damit die Delphine nicht erschrecken, wenn jeweils drei Fantomas im Wasser auftauchen. Ich fand uns schon ohne Spritzer erschreckend genug, wenn ihr mich fragt.
Fakt ist, dass wir diesen Teil alle erfolgreich absolvierten. Aber Pini entschied, dass sie sich das Treiben der Delphine lieber vom Boot aus anschaut. Auch wenn wir der Meinung waren, dass sie bestimmt etwas verpasst, so akzeptierten wir ihre mutige Entscheidung und hatten zeitgleich einen Pressevertreter gefunden, dem wir unsere Handy’s und den Fotoapparat in die Hand drückten. Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Doch nun war es an der Zeit die Delphine zu finden und wir fuhren raus auf den Atlantik.
Fast augenblicklich tauchten die ersten Delphine neben dem Boot auf und wir begleiteten dies mit einem freudigen Jauchzen. Wahnsinn, diese kraftvollen Tiere. Da hatten selbst wir in unserem Speedboot zu tun, den Speed zu halten. Aber irgendwann war es soweit und es hieß: „Group 2 prepare“. Und Georg, Swen und ich saßen ohne zu zögern auf der Außenseite des Bootes und hatten keine Ahnung, was uns nun erwartet. Es folgten „turn“ und „water“ und schwups waren wir im Ozean und hatten keine Ahnung, wo die Delphine sind. Aus dem Boot kamen die Anweisungen, doch scheinbar verwechselten wir vor Aufregung links, rechts, unten, vorne und hinten, denn während alle auf dem Boot jauchzten und mit dem Fingern irgendwohin zeigten, sahen wir erst einmal gar nichts. Also wieder rauf ins Boot und Vollgas der Gruppe hinterher. Ich glaube, beim Einsteigen in das Boot hatte ich bereits meinen Aktivitätsring für heute geschlossen, denn so ein Neopren kann Unmengen Wasser aufnehmen und erschwert mich somit ins Unendliche.
Aber egal, weiter ging es. Dieses Spielchen spielten nun beide Gruppen einige Male. Rein ins Wasser, raus aus dem Wasser. Ich glaube, dass gehörte noch zur Aufwärmung. Aber irgendwann hatten wir die Tipps unserer Guides verinnerlicht und dann hieß es „Water“ und es war einfach nur noch traumhaft. Dutzende, wenn nicht hundert Delphine tauchten unter uns durch, während wir mit Taucherbrille und Schnorchel an der Oberfläche trieben. Wir hörten die Gesänge der Delphine und ich jauchzte in meinen Schnorchel. So ein fantastisches Erlebnis. Auch Georg war völlig in Ekstase und rief immer nur „ich sehe Delphine, überall Delphine. Und in diesem Moment war er völlig im Glückszustand und hatte hoffentlich ordentlich Endorphine im Blut.

Warum ich das hoffte? Weil er im nächsten Moment nur noch vor Schmerzen schrie: „Mich hat etwas gebissen.“ Irgendwie war mir, direkt neben ihm sofort klar, dass keiner der süßen Delphine zugeschnappt, sondern eine Qualle ihre Arbeit geleistet hatte. Er weinte bitterlich und wir mussten ganz schnell zum Boot. Gott-sei-Dank ist er ein guter Schwimmer und hat dies trotz der fürchterlichen Schmerzen geschafft. Oben auf dem Boot bestätigte sich meine Vermutung, eine Qualle hatte gestochen, oder gebissen, oder was auch immer man dazu sagt. Der Kapitän des Schlauchbootes beruhigte uns gleich, dass es sich aber nicht um eine portugiesische Galeere handelt, denn die hätte er von oben gesehen. Mich beruhigte dies nicht so dolle, aber ich ließ es mir nicht anmerken und fragte nach Essig, den er auch sofort holte. Damit konnte der erste Schmerz etwas reduziert werden. Und wir sahen, dass Georg wie immer besonderes Glück, bzw. in diesem Falle Pech hatte. Denn erstens musste ihn diese Qualle in diesem unendlichen Ozean ja erst einmal finden und dann hat sich dieses Mistvieh auch noch die einzigen Stellen rausgepickt, die nicht durch den Neoprenanzug geschützt waren, nämlich seine Füße. So eine hinterfotzige Qualle, wenn ich die erwische.
Nach den ersten Minuten voller Schmerz beruhigte sich Georg aber schnell und es blieben nur Striemen und leichte Schwellungen zurück. Begleitet von der Aussage: „Nochmal geh ich da aber nicht rein!“. Vollstes Verständnis für diese Entscheidung. Ich bin ja nur froh, dass nach dem ersten Schmerz sein Lächeln zurückkam und er nur sagte: „Ich habe so viele Delphine unter mir schwimmen sehen!“. Ja das war ein Erlebnis, was für uns ohne Quallenkontakt oder Tiefenangst jedoch noch nicht vorbei war. Denn wir entdeckten erst noch eine Delphinschule mit einer Delphinart, die ca. 4m groß ist und auch diese begleiteten uns bei unseren Schwimmversuchen. Genauso wie die letzte Gruppe, die aus hunderten Delphinen zusammengesetzt war und direkt unter uns und neben uns vorbei schoss. Ein Wahnsinnserlebnis, dass ich echt nicht missen möchte. Auch die anderen an Bord hatten von „oben“ ihre Freude an dem Treiben.
Doch irgendwann war nach ca. 6-7 Badegängen die Freude vorbei und wir fuhren durchnässt und glücklich wieder zurück in den Hafen. Dann mussten wir uns nur noch aus den Neoprenanzügen befreien und man konnte über die ganze Insel das laute „Plopp“ von uns hören. Wir hatten es geschafft und verarzteten nur noch schnell Georg, der aber schon wieder laufen konnte und auch in die Schuhe passte. Ein tapferer Kerl!
Den restlichen Tag gönnten wir, uns um dieses Erlebnis einfach mal nachwirken zu lassen. Also rauf auf die Terrasse, ab in die Hängematte und einfach nur noch das Sein genießen. Für Swen gehört zu solch einem Genusstag noch eine „Grillung“ inklusive Bratwurst dazu. Also kauften wir ein, was einer Bratwurst am nähesten kommt und überließen Swen den Kampf mit dem Feuer. Doch er hat den Kampf gemeistert und uns ein wirklich leckeres Essen gezaubert. So lecker, dass so gar die streunende Katze die Reste vom Grill geleckt hat. Ein rundum wunderschöner Tag, bis auf die Sache mit mir als Fantomas und dieser hinterfotzigen Qualle.

















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