Wie langweilig kann Routine sein?

Seit Tagen nehme ich mir schon vor, mal das Thema „Veränderung“ und wie man damit umgeht, aufzunehmen. Jobtechnisch stehen bei mir und meinem Team nämlich einige Veränderungen im Raum und ich merke, wie es alle total stresst und keiner Bock darauf hat.

Und eigentlich sollte mein Blog mächtig optimistisch und motivierend klingen und aus der ganz schlauen Ecke kommen, wo man so ganz tolle Ratschläge gibt, die eigentlich keiner haben will.

Aber nun sind zwei Sachen passiert, die mich haben umdenken lassen. Erstens habe ich mich mit dem Internet beschäftig und dort furchtbar viele Sprüche und Ratschläge zum Thema Veränderung gefunden. Hier nur eine kleine Auswahl der schlauen Köpfe dieser Welt:

Sei Du selbst die Veränderung, die Du dir wünschst für diese Welt.

Mahatma Ghandi

Auf Veränderungen zu hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.

Albert Einstein

Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun.

Steve Jobs

Um so mehr dieser Sprüche ich las und für meine Motivierungsmission zum Thema Veränderung nutzen wollte, um so mehr verlor ich den Faden und verlor mich in diesen Sprüchen. Zum Schluss kam ich mir schon vor, als ob ich dem Fortschritt massiv ihm Wege stehe, wenn ich nicht gleich „Hurra“ rufe, wenn sich etwas verändert.

Und dann passierte noch etwas in meinem Leben, was mich mit Karacho selbst in eine Veränderung katapultierte, ohne dass ich Zeit gehabt hätte, mich vorher damit anzufreunden. Meine sehr, sehr, sehr geschätzte Chefin wollte sich ganz selbstständig mal einfach so verändern. Und ich stand plötzlich ohne Chefin, dafür aber mit der Angst vor der Zukunft rum und fragte mich: Was nun?

Also suche ich nun den passenden Bahnhof für meinen Dampfer, da der Zug ja schließlich schon abgefahren ist.

Das erste was mir bei dem Thema Veränderung einfällt, ist in den meisten Fällen:

Och ne, lass mal alles beim Alten. War doch gerade so schön.

Daniela J.

Man meint immer, man hat sich doch so schön mit allem arrangiert und will einfach nichts ändern. Schließlich weiß ich ja noch nicht, was da auf mich zukommt. Und so viel Fantasie, dass es einfach mal noch besser werden kann, habe ich im ersten Moment ja eher selten. Nicht jeder Mensch erwartet hinter allen Veränderungen gleich automatisch eine Verbesserung. Und ich bin ja schließlich gelernte langweilige Bänkerin, also wird erst einmal ein Notfallplan im Stile des Weltuntergangszenarios aufgestellt. Wenn es dann besser wird, ist es ja okay.

Das geht mir zum Beispiel so, wenn plötzlich wieder Schlaghosen in sind, wo ich mich doch gerade an diese Jeggins oder Röhrenjeans und das Bild, meines Hinterns darin, gewöhnt habe.

Oder wenn ich jeden Tag einen bestimmtes Café besuche, weil mir dort der Kaffee schmeckt und die plötzlich entscheiden, ohne es mit mir abgesprochen zu haben, dass es meinen Koffeinfreien mit echter Vollmilch aufgeschäumten Milchkaffee der Sorte XY mit Zugabe von etwas Kakao einfach nicht mehr gibt. Als ob es nicht reicht, wenn wenigstens ich diese Vorliebe habe. Wo bleibt den hier „der Kunde ist König“? Eine wahre Unverschämtheit so über meinen Kopf zu entscheiden.

Und da spielt es auch keine Rolle ob mir Schlaghosen vielleicht sogar womöglich etwas besser stehen und eine andere Kaffeesorte vielleicht sogar womöglich besser schmeckt. Denn erst einmal finde ich die Veränderung einfach nur Scheiße.

Und dann ertappe ich mich, wie ich meinem Sohn klar machen will, dass es total gut für ihn ist, wenn es ab sofort weniger Süßigkeiten gibt, weil ich der Meinung bin, dass er zuviel davon isst bzw. ich selbst ja eigentlich gesünder leben will. Nun mal ehrlich, ich kann glatt verstehen, dass er reagiert, als müsste er nun Schlaghosen tragen.

Umso mehr ich darüber nachdenke, umso mehr stelle ich fest, dass Veränderungen ständig um uns herum passieren, im Kleinen und im Großen. Oft beschließen andere für uns, dass es mal Zeit für eine Veränderung ist. Wenn dass passiert, tritt mein Weltuntergangsszenario ein. Wenn ich selbst etwas ändere, ist es meist „ne total gute Idee“.

Nun ist es ja leider im Alltag so, dass manche Veränderung einfach so mit Karacho auf einen einschlagen. Lässt sich in der Regel kaum vermeiden und ist wohl auch irgendwie normal. Also habe ich nun zwei Möglichkeiten um damit umzugehen. Entweder ich werde zum hyperaktiven Veränderungsjunkie und verändere ständig alles in meinem Leben, damit mir keiner mit dieser Masche zuvor kommt. Oder ich suche nach meinem Weg, mit den für mich eingeleiteten Veränderungen am besten klarzukommen.

Plan Nr. 1 könnte echt witzig, aber auch furchtbar anstrengend werden. Denn nun muss ich Modedesigner für ständig neue Trends, Fernsehproduzent für meine Lieblingsthemen, Foodesigner für mein Lieblingsessen und neuer Vertriebsleiter in Eigenregie werden. Macht mein Leben nicht unbedingt entspannter, zumal ich schon jetzt das Wörtchen „langweilig“ aus meinem Wortschatz gestrichen haben.

Was ist also das Geheimrezept für Einstein, Gandhi und Jobs um damit klar zu kommen? Die eigenen Visionen für eine bessere Welt?

Schon mein Vater sagte immer:

Wer Visionen hat, gehört in eine Klinik.

Papa

Und ich glaube auch nicht, dass ich mit Visionen in Kürze auf das Niveau von den drei Herren stolpere, die so schöne Sprüche klopfen und damit plötzlich Weise und völlig selbstbestimmt werde.

Naja eigentlich fühle ich mich gerade schon mächtig Weise. Denn es hilft schon das bewusste Auseinandersetzen mit der anstehenden Veränderung weiter. Kein Jammern, kein Heulen, kein Klagen, sondern ein: „Okay, anpacken“. Naja, ein anfängliches jammern und heulen, muss auch manchmal sein, aber danach nun wirklich: „Krone richten, weitermachen“

Nach der Trennung von meinem ersten Freund in der Schulzeit, dachte ich ja schließlich auch, dass das Leben vorbei ist und ich nie wieder jemanden lieben werde, alles Glück für immer verloren ist und ich als alte einsame Jungfer sterben werde. Aber recht schnell zeigte sich, dass ich mich doch gelegentlich neu verlieben konnte, keine einsame Jungfer wurde und mein Leben eigentlich jetzt erst richtig begann.

Letztendlich konnte mir gar nichts besseres passieren.

Diesen Spruch im Nachhinein habe ich mir dann ständig selbst gesagt, beim Jobwechsel, Beziehungsaus, Verlust einer Freundschaft, Wechsel des Parfümduftes, Änderung der Jahreszeiten und sonstigen einschneidenden Veränderunge. Eigentlich macht man im Nachhinein doch immer drei Kreuze und ist ziemlich froh, wenn es so kam, wie es kam.

Also steht doch nur noch die Frage, wie mache ich diese anstehende Veränderung zu meiner eigenen Erfolgsstory. Was könnte danach noch besser werden? Was könnte mich zu den drei wichtigen Kreuzen bringen? Was möchte ich für mich verbessern? Alle Antworten habe ich noch nicht, aber schon ein paar Ideen und ein Ziel.

Nun muss ich nur noch den Bahnhof wechseln und schauen, wo mein Dampfer fährt, damit ich spätestens in ein bis zwei Jahren sagen kann:

Gott sei Dank, ist es damals so gekommen.

Das war heute dann mal ein etwas ernsteres Thema aus dem Bereich „fast aus der Achterbahn geflogen“. Aber auch das gehört dazu.
Jetzt setzte ich mich zu meinem Sohn und wir futtern erst einmal ne gesunde Möhre zum Sandmännchen und reden uns dieses rote, saftige Ding mal richtig schön und lecker. Wer braucht schon Süßigkeiten…

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