Wann bist du bitte endlich mal wieder unordentlich?

Und das aus meinem Mund. Als Mutter eines 5 jährigen sollte dieser Satz eigentlich nicht zu meinem Repertoire gehören. Und vor einem Monat hätte es diesen Satz auch noch nicht in meinem Wortschatz gegeben.

Denn im Zimmer meines Sohnes sah es in der Regel aus wie auf einem Mienenfeld und ich war Lady Di, die gelegentlich unter Lebensgefahr versuchte es zu durchqueren. Bei mir war allerdings kein Fernsehteam dabei und ich hatte auch keinen Schutzanzug. Wenn ich also versucht habe, dieses Mienenfeld zu durchqueren, bin ich regelmässig explodiert wie so ne Granate und das nur, weil ich anschließend Ninjago Kaj oder ein Star Wars Raumschiff aus meinen Füßen puhlen durfte. Bei so zarten Füßen wie meinen, ist dies schmerzhaft wie ne Männergrippe.

Aber ich war mir auch immer bewusst, dass ein Kinderzimmer halt auch so aussehen muss, damit die Kinder ordentlich ihrem Spieltrieb nachgehen können um zu kreativen Wunderkindern zu werden. Also wuchs in mir der Plan, die Spielfläche bzw. das Mienenfeld zu vergrößern und genügend Stauraum für Ninjago Kay und Co. zu schaffen.

Wenn ich solche spontanen „Wir bauen mal um“-Ideen habe, ist mein Ehemann meistens schon in einer gewissen „Oh mein Gott“-Stimmung. Und meine aktuelle Idee war ein Star Wars-Zimmer. Möge die Macht mit uns sein.

Ich habe also gemalt, geplant, bestellt und alles vorbereitet, damit wir das Bauvorhaben, dass mittlerweile den Umfang einer Reichstagsrenovierung hatte, auch in reichlich einer Woche durchziehen können. Eine der größten Herausforderungen war jedoch, dem lieben Sohnemann klar zu machen, dass nun fast zwei Wochen sein Zimmer für ihn tabu ist. Auch wurden alle Schlüssel einkassiert und die Absicherung unserer Baustelle ähnelte Alcatraz.

Auf die Einzelheiten will ich gar nicht eingehen und lieber nur einen kurzen Auszug der Dialoge zwischen meinem Mann und mir präsentieren:

ich: “ Das habe ich mir ungefähr so gedacht.“

er: „Das müssen wir doch vorher genau ausmessen, sonst passt das hinten und vorne nicht.“

ich: „Ich finde, den Spalt sieht man doch kaum.“

er:“Wir müssen die Tapete nochmals abnehmen und von vorn beginnen.“

ich: „Schatzi, ich hole Gin-Tonic, damit unsere Ehe noch eine Chance hat.“

Warum sieht man wohl keine Männer und Frauen zusammen auf der Baustelle? Die würden sich umbringen, ich schwöre. Bei uns haben wir dieses Stadium, gleich mehrfach durchlebt. Wenn es dann soweit ist, dass man Fantasien hat, wie der Hammer einfach mal runterfällt und dabei seinen Mittelfußknochen zertrümmert, kann ich nur dringend den letzten der oben genannten Sätze empfehlen.

Dieser Gin-Tonic, hat uns etwas besänftigt und unsere Ehe gerettet. Auch war es mit diesem flüssigen Glück endlich egal wie die blöde Foto-Tapete an der Wand hängt, Hauptsache sie hängt und Georg kann erahnen, dass es etwas mit Star Wars zu tun hat.

Und wichtig war bei der ganzen Aktion doch nur das Strahlen in den Augen unseres Sohnes, als er endlich in sein Star Wars Zimmer durfte. Habe ich schon erwähnt, dass ich eines der Weibchen bin, die ständig Star Wars und Star Trek verwechseln. Insofern habt Mitleid, wenn ich hier irgendwelche Verwechslungen fabriziere.

Georg bekam jedenfalls ein Star Wars-Hochbett mit Sternenhimmel und Star Wars-Lampen, – Bettwäsche und einem Stormtrupi zum Kuscheln. Unter dem Hochbett ist eine Bude mit Darth Vader inkl. Lichtsschwert-Lampe (selbstgebastelt). Die große Lampe ist der Todesstern und überall pranken die Teilnehmer von Star Wars. Soweit so gut.

Wie hat es ihm gefallen? Er war sprachlos. Und das ist bei unserer Plaudertasche der größte Liebesbeweis, den er uns geben konnte. Allerdings gefällt es ihm zu gut. Denn er will es partout in diesem Zustand belassen und nie wieder unordentlich werden lassen.

Dies hat allerdings den Nachteil, dass er nun komplett das Spielen vermeiden will. Er ist der Meinung, nur so kann er dafür sorgen, dass keine Unordnung das Gesamtbild ruiniert. Damit schwinden aber die Chancen für ein kreatives Superhirn bzw. für meine ruhigen Wochenendmorgenstunden, in denen er lieber gespielt hat, statt seine Eltern zu wecken.

Es ist wirklich unglaublich: Er spielt eine Stunde und wenn ich dann wieder in das Zimmer schaue, liegt rein gar nichts auf dem Mienenfeld zerstreut und meine Lady Di-Kariere geht den Bach hinunter. Gruselig.

Deshalb präge ich nun ständig den Satz, dass er doch bitte, bitte endlich mal unordentlich sein soll. Ich schätze auch das geht irgendwann wieder nach hinten los. Aber ich gebe nicht auf mit der blöden Erziehung.

Und jetzt plane ich mal den Umbau des Flures und freue mich schon auf die Reaktion meines Mannes. Als erstes bestelle ich gleich mal ne Flasche Gin, sicher ist sicher.

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