Size does (not) matter

Draußen ist es schmudelig und nass, also brauche ich dringend einen Stimmungsaufheller. Ein Abend mit Freunden fällt gerade aus, eine Reise Gott-weiß-wohin ebenfalls, shoppen geht nur online und macht somit nur beschränkt Spaß und einen weiteren Spieleabend kann ich nicht ertragen. Also muss gedankliche Abwechslung her.

In solchen Momenten krame ich immer in meinem Gehirnstübchen auf der Suche nach Momenten, wo ich so richtig über mich selbst lachen konnte. Und glaubt mir, manchmal bin ich meine eigene Comedy-Show. So auch vor vielen, vielen Jahren, in einem anderen Leben weit vor dieser Zeit, als ich in eine neue Wohnung zog und somit auch einiges an neuen Einrichtungsgegenständen brauchte. Bis dahin war ich in einer Beziehung und ich muss gestehen, dass die Vermischung von männlichen und weiblichen Eigenschaften manchmal, ja manchmal seine Vorteile hat. Denn wenn dann plötzlich gezwungenermaßen nur weibliche oder nur männliche Eigenschaften prominent sind, ist Chaos vorprogrammiert.

Doch worauf will ich hinaus? Es fing so an, dass ich mein Schlafzimmer plante, also neue Schränke, ein paar Kommoden, ein neues Bett und gefühlte dreihundert Kerzen, Lämpchen, Kissen. Bei den Kerzen, Lämpchen, Kissen kommen ja eindeutige weibliche Eigenschaften zum Tragen, die ich auch gar nicht leugnen möchte. Aber ich brauchte halt auch noch Möbel und dafür musste ich lernen mit dem Zollstock umzugehen. Und da schlug das fehlende Ypsilon-Chromosom in unbarmherziger Weise zu.

Seien wir doch mal ehrlich: bei uns Frauen ist das so ein Ding mit der Größe, wir reden uns ehrlich gesagt genetisch bedingt immer etwas kleiner. Also wenn ich zum Beispiel die Schuhgröße 39 habe, mich aber im Laden in Schuhe verliebe, die es nur noch in der 38 gibt, schrumpfen meine Füße augenblicklich etwas und ich schlüpfe mit etwas Vaseline direkt hinein in das Schuhglück. Sicherheitshalber packe ich ein paar Blasenpflaster mehr ein und es wird schon irgendwie gehen. Ähnliches Phänomen tritt immer bei Jeans auf, die eigentlich zu eng sind oder tollen, außergewöhnlichen Jacken, „ die ich ja sowieso lieber offen trage“. Ich sage es Euch, ein Teufelskreis.

Und genauso habe ich es damals bei der Schlafzimmerplanung gemacht. Ich wollte die Kommoden, die als Raumteiler dienten, mit einer schicken stoffbezogenen Rückwand versehen. Also brauchte ich eine Sperrholzplatte mit den Maßen 160 x 100 cm. Hab das ganze zehnfach ausgemessen, damit nicht schon hier die Genetik zuschlägt. Also ab in den Baumarkt und da ich ja eine Planerin bin, habe ich natürlich vorher, nach zahlreichen missglückten Ikea-Erfahrungen, meinen Kofferraum ausgemessen. Hier schlug allerdings diese doofe Genetik zu, denn ich meinte, für schräg hinten rein, wird das schon irgendwie passen. Quasi so eine Schuh-Vaseline-Nummer. Kaum im Baumarkt geshoppt, stand ich mit meinem Vater und meiner sperrigen Sperrholzplatte vor dem Auto und übte mich im Tetris. Doch egal wie wir die Platte drehten und wendeten, es war dieser fucking Zentimeter, der zuviel war. Vaseline half hier nix und so musste Plan B her. 

Wenn schon XX-Chromosom, dann aber auch richtig. Also holte ich das naive, hilfsbedürftige Weibchen aus meinem Portfolio und schaute mich auf dem Baumarktparkplatz nach Kleintransportern um. Einige standen natürlich hier rum, aber weit und breit kein Fahrer am Auto. Logisch, die Männer sind ja auch im Baumarkt und erleben dort das, was wir im Schuhladen erleben. Sie schwelgen stundenlang in der Es-hat-einen-Stecker-Abteilung oder schauen sich jede Schraube einzeln an und überlegen, ob es nicht doch noch etwas zusätzlich anzuschrauben gibt. Manchmal sind unsere genetischen Klischees etwas furchtbar Schubladenhaftes.

Aber ein einzelner Kleintransporter in der richtigen Größe stand direkt vor dem Baumarkteingang und es saß sogar ein Mann da drin. Also nichts wie hin, die Haare nochmal galant nach hinten geschmissen und am Fenster geklopft. Doch was passiert? Der Typ springt so gar nicht auf mein XX-Lächeln an und leiert noch nicht einmal das Fenster runter. Aber XX heißt auch Hartnäckigkeit und so lächelte ich weiter senil vor mich hin und hoffe, er öffnet mir. Inzwischen quatschte er mit jemanden, der offensichtlich hinten im Laderaum war und deutete mir, ich solle auf die andere Seite kommen.

An dieser Stelle, bzw. spätestens an dieser Stelle, hätte ich stutzig werden und mir mal den Wagen genauer ansehen sollen. Eigentlich hätte auch schon gereicht, einen Blick zu meinen Sperrholzplatte-haltenden Vater zu werfen. Der stand nämlich neben unserem Auto und war kurz davor den Lachflash seines Lebens zu bekommen.

Doch ich war im Tunnel, also im Ich-brauche-Hilfe-Tunnel, dachte nur an mein Größen-Problem und fragte somit höflich:

„Ich habe mich beim Vermessen des Auto’s etwas überschätzt und bräuchte jetzt jemanden, der mal meine Sperrholzplatte zu mir nach Hause fahren könnte. Fahren Sie rein zufällig an Gohlis vorbei?“

Ich wurde selten so entsetzt und verwirrt auf einmal angesehen. Und noch seltener habe ich mich innerhalb von Sekunden so dämlich gefühlt. Denn in ausgewählter Höflichkeit erklärte mir der Kleintransporterfahrer, dass dies nicht möglich sei, denn er fahre einen Geldtransporter, wie man ja an der Aufschrift erkennen könnte und dürfte somit keine fremden Personen mit Sperrholzplatten befördern. Tja, als ich dann meinen Tunnelblick etwas aufweitete und mir den Rest vom Auto ansah, war es auch ganz eindeutig ein Geldtransporter und somit auch logisch, dass er als Einzigster direkt vor dem Eingang des Baumarktes parkte.

Meinen Vater brachte ich dann erst einmal ein Taschentuch, damit er sich die Tränen aus dem Gesicht wischen konnte und ich beschloss, erst wieder jemanden anzusprechen, wenn ich mir vorher genau ein Bild gemacht habe. Kurz darauf nahm die Geschichte noch ihr gutes Ende, denn ich entdeckte zwei junge Männer an ihrem völlig weißen, unauffälligen Kleintransporter, fragte zuerst, ob sie Geld transportieren und aufgrund ihres verwirrten Blickes erklärte ich dann ausführlich mein Anliegen. Und ihr glaubt es nicht, mir wurde geholfen und die Geschichte nahm ein gutes Ende.

Nun könnte man meinen: Fehler erkannt, Fehler gebannt. Doch um den Beweis anzutreten, dass dies kein einfacher blöder Fehler war, sondern ein wirklich genetisch bedingtes Problem, kann ich noch zwei weitere Vermessungen im Zuge des gleichen Wohnungswechsels beitragen. Zuerst einmal hatte ich mein Bett auf dem Tauschmarkt getauscht und brauchte jetzt nur noch neue Lattenroste. Da mein altes Bett in meiner Erinnerung Standardmaße hatte und dass neue eigentlich gleich groß aussah, ließ ich das mit dem Zollstock weg. Man könnte sich ja dabei verletzten und außerdem haben wir Frauen doch ein so tolles Augenmaß. Ich sage nur Schuhe und Jeans.
Naja, gesagt, getan und zwei Lattenroste gekauft. Nur um dann festzustellen, dass sie ohne das Bett auch nur zu berühren, direkt durchrauschten und auf den Boden krachten. Hätte ich mal doch lieber messen sollen. Denn mein neues Bett war doch größer als gedacht. Die Moral von der Geschicht: super Tausch:), außer dass ich nun nochmal Lattenroste kaufen gehen musste.

Und Beispiel Nummer drei dafür, dass ich mir alles in meiner Umgebung kleiner rede, war der Kauf einer neuen Arbeitsplatte für meine Küche. In dem Moment als es von meinem Küchenbauer des Vertrauens aus der Küche schallte:

Houston, wir haben ein Problem!

wusste ich, die Genetik hat wieder zugeschlagen. Auch hier fehlten genau 5 cm für die vollständige Passform der Arbeitsplatte. Und es gibt nichts Peinlicheres, als in seinen Baumarkt des Vertrauens zu fahren und zu fragen, ob man von der gestern gekauften Arbeitsplatte bitte sehr noch 5 cm haben könnte. Ich glaube damit habe ich es an die Pinnwand der dämlichsten Kunden geschafft und stehe heute noch dran. Selbstredend habe ich mir danach einen neuen Baumarkt des Vertrauens gesucht.

Bei den Männern ist es grundlegend genau anders herum: Sie reden sich immer größer als sie sind. Ich sage hier als Beispiel nur „30 Zentimeter“ und jede Frau weiß, was ich meine.

Einmal war ich mit einem sehr kleinen guten Freund (ca. 165 cm) im Baumarkt, natürlich in einem anderen, ohne Foto von mir an der Pinnwand, und schon schlug die Genetik wieder zu. Wir wollten ein Regalbrett mit dem Maß von 150 cm Länge kaufen. Nun hätte man meinen können, das Anhalten der Bretter an den eigenen Körper und die Einschätzung das 150 cm so ungefähr auf Kinnhöhe sein sollten, hätte gereicht. Aber mein Bekannter hielt ein Brett, dass ihm bis zum Baunabel ging und behauptete stur und steif: Das sind 150 cm…Meine bewundernde Aussage, dass er als 2 Meter Mann deutlich imposanter aussieht, als noch vor fünf Minuten, verstand er nicht und so musste das bekannte 30-Zentimeter-Thema zur Erklärung herhalten.

Nun mag es so sein dass sich Frauen alles etwas kleiner reden und Männer alles etwas größer einschätzen. Aber Fakt ist auch, egal wie ich es drehe und wende, es passt nie. Die beste Möglichkeit ist noch eine Symbiose aus Mann und Frau, um irgendwie den Mittelwert zu treffen oder eine Schulung zur Anwendung eines Zollstockes. Und ich könnte hier noch stundenlang lustige, genderspezifische Geschichten schreiben. Aber das haben schon andere vor mir getan und es würde den Rahmen sprengen.

Ich hatte ja nur den Plan, mal wieder über mich zu lachen. Und ich finde, es ist an der Zeit, dass ich mal wieder in den Baumarkt von damals fahre und nachschaue, ob ich noch einen Platz an der Pinnwand der dämlichen Kunden inklusive Lorbeerkranz-Umrandung für Platz 1 habe. Ich werde berichten….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: