Für jeden Mist gibt es den passenden Käfer

Oder anders herum. Auf jeden Fall geht es nicht um den Topf und den Deckel oder den Arsch und den Eimer. Nein mein heutiger Artikel will sich damit beschäftigen, wie wir das Beste aus der aktuellen Situation machen können. Ich spreche über die moderne Mutation von uns Menschen. Die Natur macht es uns ja schließlich seit Millionen von Jahren vor. Eine wichtige Gegebenheit ändert sich und schon passt sich das Lebewesen an. Nehmen wir also mal den Mistkäfer. Ich schätze, zuerst war der Mist da und dann hat sich ein Käfer drauf spezialisiert und schwupsdiwups bekam er den Namen Mistkäfer.

Nun hatten wir Menschen uns immer schön nach vorn bewegt und uns sozusagen weiterentwickelt. Wurde der Herd erfunden, haben wir ganz schnell dass mit dem täglichen Lagerfeuer sein gelassen. Gab es plötzlich Fleisch aus der Tiefkühltruhe, konnten wir auch das mit dem Jagen sein lassen und uns auf das Sammeln von Erfahrungen konzentrieren. Aber wenn es plötzlich um einen Rückschritt geht, dann scheitern wir Menschen an dem Thema Mutation. Denn kaum sitzen wir im Zelt statt in der gutausgestatteten Ferienwohnung, schaffen wir ein Feuer nur dann zu entzünden, wenn wir Brennspiritus bei uns haben. Flexibel nenne ich anders.

Nun haben wir es ja aktuell mit einigen Corona-bedingten Einschränkungen zu tun und es wird dringend Zeit, der clevere Käfer zu werden, der mit dieser Situation klar kommt. Ich habe da auch schon ein paar Geschäftsideen, die ich nun mit Euch teilen werde. Meine Empfehlungen sind allerdings reine Geheimtipps ohne Erfolgsgarantie. Also kündigt jetzt nicht gleich Eure Jobs, sondern macht Euch Eure eigenen Gedanken. Will ja nur sicher gehen, dass mich ja keiner Ernst nimmt und mir meine Ideen klaut.

Also erstens schule ich auf knackigen mexikanischen Hundeflüsterer um und gestalte meinen Garten als Hundeschule für Chihuahua bis deutsche Dogge. Einen Namen habe ich auch schon: „Wir haben Zeit für Euch!“, werde ich die Schule nennen. Denn zur Zeit verbringen ja die mutierenden Menschen sehr viel Zeit zu Hause und kommen auf die tolle Idee, sich Hunde, Katzen, Vögel, Löwen oder Fische als Haustiere zu holen, weil sie gerade mal viel Zeit haben. Diese Zeit verbringt man ja sinnvoll an der frischen Luft und bewegt sich und da jeder von uns schon immer ein Haustier haben wollte, ist nun offensichtlich die beste Zeit dafür. Endlich jemanden zum knuddeln, jemanden der ohne motzen mit spazieren geht, jemanden dem ich etwas zum Essen in meinem Thermomix kochen kann.
Doch was ist, wenn wir hoffentlich bald wieder wie früher leben können. Ein Urlaub jagt den nächsten, die Welt erwartet uns. Dann will man mal wieder ins Kino, Theater oder Museum und von den vielen Party’s und Konzerten, die nachgeholt werden wollen, rede ich noch gar nicht. Doch was passiert dann mit den vielen, süßen neuen Haustieren? Sie sind herzlich Willkommen in meiner Hundeschule „Wir haben Zeit für Euch!“. Ich sag’s Euch, ich werde vor Lachen nicht in den Schlaf kommen. Habe gerade einen zweistufigen Investitionsplan ausgearbeitet. Sobald in meinem Garten die ersten hundert süßen Welpen gespielt haben, beginnt die zweite Investitionsphase für eine Tierpension mit dem Namen „Sind die Herrchen am Äquator, freut sich hier der Labrador“. Okay, am Namen feile ich noch, aber das Konzept steht.

Dann werde ich noch Mistkäfer für Home-Office-Gelangweilte. Also mir geht es schon eine Weile so. Ich gehe ja immer mit meinem Mann und meinem imaginären Dackel spazieren und kenne nach Monaten im Home-Office nun mittlerweile jeden Stein, jeden Grashalm und jedes Blatt am Baum mit Namen. Ich bin so etwas von gelangweilt von meiner näheren Umgebung, dass ich meinen Home-Office-Standort verlagern möchte. Doch wie, da Übernachtungen im Hotel oder in der Ferienwohnung nahezu ausgeschlossen sind. Als gründe ich eine Tauschbörse, frei nach dem Motto: Biete Zimmer mit zwei Arbeitsplätzen inkl. höhenverstellbarem Arbeitstisch und suche Arbeitszimmer mit Strand- oder Bergblick und guter Internetanbindung. Mit Pool und der Wohnumgebung würden sich andere Home-Office-Gelangweilte sicherlich um unseren Arbeitsplatz schlagen. Und ich sehe mich schon mit einem einfachen Schreibtisch am Strand, die Füße im Sand und Georg hält die Antenne für den Internetempfang. Das Leben könnte so schön sein.

Andere sind auch schon zum Mistkäfer geworden und haben es mir vorgemacht. Zum Beispiel fallen ja zur Zeit auch die ganzen Kochkurse aus. Kein gemeinsames am Herd stehen und darum schlagen, wer das Fleisch tranchieren darf. Kein Austausch mit Wildfremden, ob sie schon so etwas köstliches gegessen haben. Aber die Mistkäfer der Branche haben auf Online-Kochkurse umgeschult. So kann man am heimischen Herd und doch in großer Runde kochen lernen und sich über Rezepte austauschen. Wenn es scheiße schmeckt, brauch man einfach nur kurz das Mikrofon ausschalten und kann laut in den Raum rufen: „Das schmeckt ja zum kotzen!“. Wenn man das ganze lächelnd vor der Kamera schafft, fällt es noch nicht einmal dem Lehrer auf. Ich finde, dies ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Mutation.

Kürzlich habe ich sogar gehört, das es jetzt Online-Bar-Abende gibt, wo man sich mit Wildfremden am Bildschirm betrinken kann. Man kauft virtuelle oder echt gelieferte Drinks und kann sich dann an eine Bar setzen und schauen, wer neben einem sitzt. Diese Form der Mutation hat echt gleich mehrere Vorteile. Erstens kann ich mir so die Rübe zu löten und habe doch keine Probleme auf dem Weg nach Hause. Kein Taxi, wo einen der Fahrer nicht versteht, wohin man eigentlich will. Kein Führerscheinverlust, weil man entgegen der Meinung der Polizei sich ganz sicher war, dass die paar Gläschen einen nicht betrunken machen. Und der unschlagbare Vorteil der Online-Variante: Wenn mir mein Barnachbar nicht zusagt, muss ich mich nicht heimlich mit einer Notlüge auf die Toilette verkriechen und dort aus dem viel zu kleinen Fenster klettern. Nein, jetzt drücke ich einfach die Escape-Taste und schwups suche ich mir eine andere Bar und muss mich dafür noch nicht einmal unterhalb der Tischkante schick anziehen. Mal ehrlich, warum haben wir das nicht schon früher erfunden?

Auch schön fand ich mein gestriges Erlebnis beim Italiener der ersten Wahl. Die haben nämlich alle Tische zur Seite geräumt, um erstens, den vielen Zuhause-Restaurant-Gästen Platz beim Abholen zu schaffen und zweitens, um eine Tischtennisplatte ins Restaurant zu stellen. Die Köche und Kellner schulen dort offensichtlich auf eine chinesische Top-Tischtennismanchaft um, das nenne ich mal kreativ. Wenn ihr so etwas auch erleben wollt, besucht mal wieder Euer Lieblingsrestaurant und holt Euch Euer Lieblingsessen ab. Vergesst nicht auch Trinkgeld zu geben, denn so eine Umschulung zur Tischtennismanchaft ist kostspielig. Denkt an die Schläger und Bälle und die vielen neuen Fensterscheiben, die während des Trainings nötig sind.

Ich bewundere all die Mistkäfer, die aus dem großen Haufen Mist eine handliche Kugel machen, mit der sie ihr Glück finden. Vielleicht nicht das große Glück, aber jede erfolgreiche Mutation braucht auch etwas Zeit, um wirklich erfolgreich zu sein. Und diese ganzen Mistkäfer haben es einfach verdient, ihr Glück zu finden. Ich jedenfalls halte die Augen auf und bewundere jeden, der es schafft aus seinem eigenen Mist das Beste zu machen.

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