7.August 2022 – Selbst der Dschin wusste schon: überleg genau, was Du Dir wünschst

Also die gute Nachricht ist, ich schreibe aus dem Flieger und wir fliegen gerade über den Ozean und sind kurz vor Island. Aber nach den ganzen Horrorgeschichten über die aktuelle Situation an den deutschen Flughäfen, muss ich mich hier mit einreihen und weiter ausholen.

Fangen wir mal mit dem gestrigen Tag an. Nachdem ja nun kräftig in der Presse die Angst vor deutschen Flughäfen, den Wartezeiten und den verloren gegangenen Koffern geschürt wurde, sind wir sicherheitshalber mal 28 Stunden vor Abflug am Flughafen angekommen. Sollte doch eigentlich reichen…Nein, im Ernst, wir haben unseren Abflug mit einem Ausflug nach München verbunden. 

Und zu München gehört natürlich eine ordentliche Maaß Bier und eine Haxn. Also als Erstes auf zum chinesischen Turm. Hier begrüßte uns Blasmusik und ein ordentliches Getümmel trotz oder wegen der kühlen Temperaturen. Mit Georg hungrig in einen Biergarten gehen, bedeutet einmal die Auswahl rauf und runter an der Selbstbedienung einsacken. Fanden auch die vielen Wespen toll, die endlich mal etwas Auswahl hatten. Wir sind nun um einige Erfahrungen reicher und dafür um einige Kilo schwerer. Wiegen die eigentlich auch uns beim Check-In?

Ein weiterer Pflichtbesuch, insbesondere, wenn man Kinder dabei hat, die so etwas noch nie gesehen haben, ist der Surferspot am Eisbach. Alles Dinge, die wir in unserem Alter nicht mehr tun können, aber wir können kommentieren und lästern wie wahre Fachmänner, oder einfach nur staunen. Bzw. in meinem Fall fotografieren.

Nach diesem sportlichen Highlight der wirklich Sportlichen, ging es noch auf einen Stadtbummel durch die Innenstadt. Zuerst einmal die beruhigende Nachricht für alle Fussballvereine der ersten Bundesliga. Entgegen der Meldungen aus der heutigen Presse, fand nach meinem Augenzeugenbericht noch keine Meisterfeier des FC Bayern statt. Ich schwöre. Also sind doch noch alle Chancen offen und für alle lohnt es sich weiterzumachen. Also auch für die reichen Profifussballer, die Fernsehsender und Merchandise-Verkäufer u.s.w.. Die Saison hat doch gerade erst begonnen.

Aber auch ohne Meisterfeier, war es voll wie mit und uns damit zu trubelig. Mein Kopf nahm mir auch den Wetterumschwung auf „kühl“ übel und damit ging’s zurück ins Hotel. Waren ja schließlich nur noch 21 Stunden bis Abflug und so checkte ich die Situation am Flughafen. So ein bissl Panikmache in der Presse und ständige TV-Reportagen über verlustigte Koffer wirken auch bei mir Wunder. Aber alles sah entspannt aus und so sagten wir uns in Freising ein „gutes Nächtle“ und wachten am nächsten Morgen entspannt auf, für einen ausführlichen Rundgang durch Freising. Freising ist übrigens ein wirklich hübsches Städtchen und wir holten uns gleich mal unseren AOK-Euro, genossen ein Orgelkonzert und bewunderten den Dom.

Die Eurowings Discover hatte unseren Flug mal von Mittags 13 Uhr auf 18:30 Uhr verlegt. Allerdings nicht mal eben spontan, sondern schon vor Monaten. Und nun wünschte ich mir nur noch leere Sicherheitskontrollen für den perfekten Urlaubsstart, damit nach unserem Sightseeing alles glatt gehen möge. Achtung! Achtung!

Aber 14:30 Uhr ging es erst einmal mit ganz entspannten und fast schon übertriebenen 4 Stunden Vorlauf zum Flughafen. Und wie ich jetzt weiß, haben wir jede einzelne Minute davon gebraucht. Denn wir fanden uns zwar an einem nahezu leeren Checkin-Schalter ein, allerdings war er auch leer, was die Leute hinter dem Schalter anging. Aber ich bin ja sowas von entspannt. Irgendwann kam die erste, dann der zweite und sogar ein echter dritter Mitarbeiter und es konnte losgehen. Aber förmlich im gleichen Moment kam die erste von zahlreichen Durchsagen:

„Aufgrund eines Polizeieinsatzes im Abflugbereich muss dieser umgehend geräumt werden. Wir bitten alle Personen im Terminal 1 den Terminal zu verlassen.“

Also mein Wunsch ging doch glatt in Erfüllung: der Sicherheitsbereich war leer. Ich muss echt noch lernen, wie man richtig wünscht. So habe ich mir das nicht gedacht und somit nistete sich langsam eine Panik bei mir ein, die aber noch zurückgehalten wurde, da die drei fleissigen Einchecker fleissig weiter eincheckten und meine Panik offensichtlich nicht teilten. Also keiner kehrte uns aus dem Terminal raus und so hörten wir uns weiter im fünf-Minutentakt die Warnmeldung an, sahen rennenden Polizisten zu, schauten in panische Gesichter und checkten in völliger Ruhe ein und gaben unser Gepäck ab. Wie wir aus Bild und Co. zu wissen glauben, ist ja das Wichtigste das rechtzeitig eingecheckte Gepäck.

Aber nun mussten wir ja in den Sicherheitsbereich und da empfing uns die gähnende Leere, soweit der Blick reichte. Also zumindest der Blick über die ungeduldig wartenden Menschenmengen vor dem Sicherheitsbereich hinweg. Naja, was nun? Auf den freundlichen Durchsagetypen hören, der meinte, wir sollen den Bereich räumen und raus an die frische Luft gehen? Naja, mit allen Menschen aus diesem Terminal würde es auch draußen eng und stickig werden. Also entschieden wir, wie übrigens auch der Rest der Wartenden, diese Meldung einfach mal zu ignorieren. Noch trieben uns ja keine Polizisten raus und alle saßen entspannt vor den Absperrbändern und beruhigten die schreienden Kinder.

Hier erfuhren wir auch aus der stillen Post der Wartenden den Grund für den Polizeieinsatz. Eine Rumänin hatte es wohl geschafft im Sicherheitsbereich Kaffee zu trinken oder so ähnlich, obwohl sie gar nicht rein durfte. Da es sich aber um die „stille Post“ handelt, bin ich mir nicht sicher, wie es in Wahrheit war. Vielleicht war es auch keine Frau, noch nicht einmal eine Rumänin und das mit dem Kaffee war vielleicht auch anders, also eher ein Tee mit Freunden. Aber Fakt ist, wir sitzen/stehen hier über 2 Stunden ohne dass es auch nur etwas an Abwechslung in den Warndurchsagen gibt.

Naja inzwischen stehen alle Flüge an der Tafel auf „verspätet“ und die gelegentlichen Durchsagen, man möge doch die Abstandsregeln einhalten, führen zu kleinen spontanten Flashmobs des Lachens. Aber geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid und so warteten wir und warteten. 

Irgendwann wurden ohne Durchsage plötzlich wieder alle Türen aufgerissen und die Passagiere der letzten fünf Stunden wollten alle gleichzeitig durch die Sicherheitskontrolle. Ich lobe mir die Yoga-Stunden der letzten Monate, die mich zur Entspannung führten. Also drängelten wir uns mit Ellenbogen und freundlich-bestimmten Blicken durch in Richtung Gate 26, wo wir es noch kurz auf Toilette schafften, während schon das Boarding eröffnet wurde. Punktlandung ohne Duty-Free, Abschieds-Aperolchen und Shoppingtour mit Kind. Ich könnt heulen, denn das gehört normalerweise zum Abflugritual mit dazu. 

Da andere offensichtlich nicht so diszipliniert wie wir waren und noch in Ruhe shoppten, mussten wir noch 2 Stunden im Flieger warten, bis auch der letzte Passagier sich durchgekämpft hatte. Ich will keinem die Schuld in die Schuhe schieben, aber ich habe jede Duty-Free-Tüte genau wahrgenommen!!

Dann hoben wir endlich ab und aktuell haben wir noch 7 Stunden 25 Minuten  vor uns und nähern uns langsam Grönland. Aber bezüglich meines Gepäcks bin ich mir nun ganz sicher: Wenn es nicht eine Rumänin beim Kaffeetrinken geklaut hat, sollte es genug Zeit gehabt haben, um persönlich in den Flieger getragen zu werden.

Aber jetzt wo ich hier sitze und schreibe, weiß ich auch wieder, was ich an Langstreckenflügen vermisst habe. Das Entertainment-Programm, was mich bei der Flugdurchführungs-Planung echt in Stress versetzt, weil ich einfach nicht alle Filme und Spiele schaffen kann. Georg ist dagegen gerade eingeschlafen, obwohl er wirklich versucht hat, alles auf einmal anzusehen. Aber ich schätze, dass war zu viel für den heutigen Tag, der auch noch um 9 Stunden verlängert wird.

Und noch etwas habe ich unbewusst vermisst, nämlich die Beantwortung der Frage aller Fragen: 

Chicken or Pasta?
Ich hätte dann mal gerne einen Wein!

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