11. August – I sehe wos, wos du ned siehst und des is…

Heute war mal wieder Fahrtag oder wie Georg sagen würde: Wir fahren in den nächsten Urlaub. Ja wir machen diesen Sommer insgesamt sieben Mal Urlaub und heute war das dritte Mal Urlaub angesagt. Ich liebe seine äußerst positive Einstellung. Ähnlich wie er uns den Geldverlust beim Kauf von Eis erklärt. Denn ganz begeistert rennt er dann und ruft: „Papa, Papa, schau mal du hast sogar für das Eis noch Geld für Dich bekommen.“. Die Tatsache, dass er das Eis bezahlt hat und es sich nur um Rückgeld handelt, wird komplett ignoriert. Auch hat er nun beschlossen, dass er immer das Rückgeld behalten will, damit er nun endlich auch mal Geld hat. Seit dieser Einstellung rechne ich mit einem sorgenfreien Leben wenn ich hochbetagt bin, denn mein Sohn wird so sicherlich stinkenreich werden.

Heute fuhren wir hauptsächlich über Lande und haben verstanden, warum uns der ADAC-Routenplaner mit Wohnanhänger-Option eine andere Route als Google Maps vorschlug. Wurde halt gelegentlich ganz schön eng in den Maps-Kurven und fehlende Wendemöglichkeiten sind auch nicht zu empfehlen. Aber wir haben es an den Bannwaldsee bei Schwangau geschafft. Und es war eine lustige Fahrt, denn es gab das allseits beliebte Spiel “ Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist…“. Georg’s Spielweise ist immer besonders speziell, denn der nennt uns eine Farbe und wir raten wie die blöden und irgendwann entscheidet er im nachhinein, was es denn gewesen sein könnte. Wir sind dann meist schon Kilometer weiter und sehen gar nicht mehr, was er damals gesehen haben will. Aber ich schätze, das liegt an seinem Röntgenblick oder Weitblick. Wir sind da viel zu eingefahren mit unseren Betrachtungsweisen.

Wir dagegen suchen den weitentferntesten Farbfleck und hoffen, dass er es errät, bis es an uns vorbei zieht. Doch am Besten war Pini, denn ihre zu erratende Farbe war grün. Zwischen grünen Feldern und Wäldern könnte man annehmen, dass dies eine leichte Übung war. Also lautete unsere Antwort: „die Bäume.“ dort. Und was kam von Pini? Na die Frage: Welcher? Vielleicht der 354. von links oder doch der neben dem Anderen davor?
Naja, jedenfalls hatten wir so viel Spaß und die Zeit ging schnell rum.

Eigentlich hatten wir uns ja auch vorgenommen, immer mal unterwegs auf den Fahrtstrecken etwas zu unternehmen, aber so mit mehr als 10 Metern Gesamtlänge ist das irgendwie einfacher gesagt als getan. Man sieht etwas Schönes, aber kein größenkompatibler Parkplatz ist in der Nähe. Also bleibt nur ein:

Wäre schon schön gewesen!
oder
Das Foto hätte ich gerne gemacht, aber…

Heute entdeckten wir unterwegs eine Sommerrodelbahn und im allerletzten Blickwinkel auf der Beifahrerseite erspähte ich sogar noch einen riesengroßen Parkplatz. Doch da war es schon zu spät. Aber es kam noch besser, denn wir konnten nach nur 5 Kilometern tatsächlich mal wenden, um auch dahin zurückfahren. Also stand unserem Glück auf der Sommerrodelbahn nichts im Wege. Es gab sogar zwei Abfahrten zur Auswahl: eine lang gestreckte Gemütliche und eine steile Aufregende. Natürlich mussten wir als Urlaubstester beide Varianten ausprobieren und so ging es erstmal mit dem Lift hoch auf den Berg zum Startpunkt der Gemütlichen. Gemütlich hin oder her, ich hatte das Gefühl in der schlimmsten Abfahrt ever festzustecken, denn hier musste man wirklich bremsen um nicht im hohen Bogen aus der Bahn zu fliegen. Von wegen gemütlich, eher lebensgefährlich.

An dieser Stelle sei gleich noch ein kleiner Tipp erlaubt: fahrt nie mit einem kurzen Kleidchen Sommerrodlbahn, denn es bleibt nicht, wo es bleiben soll und in der letzten Kurve wird bekanntlich ein Foto gemacht. Ich glaube, ich muss nicht mehr erzählen. Habe dann unten wegen den Jugendschutzverordnungen dafür plädiert, dass das Foto umgehend und endgültig gelöscht wird. Bei Basic Instinkt sah das irgendwie erotisch aus, beim Sommerrodeln eher so wie ein Katastrophenfilm.

Doch wir hatten ja noch eine aufregende Abfahrt vor uns und ich zwängte mich in den Rodelschlitten und rückte alles zurecht, damit sich das Malheur nicht wiederholt. Diese Abfahrt war zwar deutlich schneller, aber es begleitete mich das sichere Gefühl von Führungsschienen und ich konnte nicht herausfliegen und auf Nimmer-Wiedersehen im Wald verschwinden.

Nach diesem Abenteuer ging es dann endlich auf den neuen Zeltplatz. Zum See sind es wieder nur ein paar Meter und hinter uns sind die Berge. Der einzige Haken an der Sache ist, der Zeltplatz hat die Größe einer Kleinstadt und es sind so unheimlich viele Menschen hier. Erstmals lernen wir auch das volle Spektrum des gemeinen Dauercampers kennen, denn hier gibt es diese Spezies. Sie wohnen in Wohnwagenhäusern, haben mindestens einen Holzfußboden, manchmal sogar einen gepflasterten Vorgarten, die Satellitenschüssel auf dem Dach darf nicht fehlen, genauso wie die Blumenkästen vor dem Wohnwagen. Eigentlich sind es echte Häuser, wie so die Kleingartenlauben. Wenn man dann auf die Nummernschilder schaut, stellt man fest, dass ihr Wohnort teilweise nur 10 Kilometer entfernt ist. Ich verstehe das wirklich nicht, wieso muss dieses Dauercampen sein? Wenn ich es wie zu Hause haben will bleibe ich doch zu Hause. Und wenn ich lieber in der Natur bin, dann nehme ich mir doch einen Bungalow mit Garten drum rum, wo ich meine Ruhe habe und nicht den Platz mit ner Kleinstadt teile.

Aber diese Dauercamper wollen scheinbar alles: zu Hause ohne Abstriche, Natur ohne dass man im Garten Unkraut jäten muss, Natur an schönen Orten, aber bitte auch viele, viele Nachbarn, mit denen man am Zaun quatschen kann….Aber trotzdem ist es für mich einfach unverständlich. Ich will zu Hause meinen Garten und meine Ruhe haben und ansonsten reisen, viel von der Welt sehen, aber nicht unbedingt viele Menschen kennenlernen. Aber vielleicht bin ich einfach komisch. Hier könnte man dies jedenfalls denken, denn ich bin eine Randgruppe.

So ich muss jetzt los. Es gab nämlich gerade eine Lautsprecherdurchsage, ja so etwas gibt es hier, dass gleich der lustige Fackelumzug beginnt. Und ich will ja nicht auffallen, also mache ich lieber mit und versuche die anderen Kulturen besser kennenzulernen. Nur mal ehrlich, ist Fackelumzug zwischen Zelten eine gute Idee???

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