13. August – Ois hod a End grod de Schlange ned

Trotz meiner hartnäckigen Versuche mich von Fahrrädern überfahren zu lassen, habe ich gestern nicht eine Sternschnuppe gesehen. Entweder sind meine Wünsche unerfüllbar, oder es hat hinter den Wolken so vor sich hin geschnuppt. Irgendwann bin ich dann ins Bett, habe die frischen Mückenstiche versorgt und seelig geschlafen. War auch gut so, denn heute hatten wir den ersten offiziellen Wandertag.

Wenn man schon in SCHWANgau am SCHWANsee ist, ist eines verpflichtend: man muss nach NeuSCHWANsee und sich das Schloss ansehen. Nun hatte ich ja sofort, als wir diese Route geplant haben, erkannt, dass ich mich noch vor den Zeltplätzen dringend um ein Ticket für das Schloss kümmern muss. „Erkannt“ heißt in diesem Zusammenhang nicht gleich „geglückt“, denn dank Corona dürfen auch hier nur reduzierte Personenmengen rein und diese reduzierten Personenmengen hatten offensichtlich ihre Tickets schon vor Corona gekauft. Ich ging leer aus, genauso wie die tägliche Million Japaner, die zur Zeit NICHT hier sind. Aber von so einem Rückschlag lassen wir uns am Wandertag nicht ärgern, denn wie gestern schon aus der Luft festgestellt, ist das Schloss auch von Außen sehr sehenswert, verkitscht.

Also wanderten wir los Richtung Schloss durch die Pöllatschlucht mit der, die, das Pöllat und zahlreichen Wasserfällen immer bergauf. Da es heute früh kurz geregnet hatte, hatten wir tatsächlich mal wieder lange Hosen an und sogar eine vorsorgliche Regenjacke. Aber schon nach dem ersten Kilometer wurde die Jacke verbannt, die Sonnenmilch aufgetragen und die Hose verflucht. Wenn so eine Vorgewitter-Stimmung ist, klebt so eine Jeans einfach sehr unangenehm an einem und es wird nicht besser, wenn man dazu noch ins Schwitzen gerät.

Also bis auf die Tatsache, dass es anstrengend, klebrig und warm war und der Weg nur bergauf ging, war es eine wirklich wunderschöne Wanderung. Meinen Trainingsring hatte ich also schon nach 30 Minuten geschlossen und meine Pumpe pumpte im Akkord. Georg marschierte mit eigenem vollen Rucksack und hielt auch durch, nur die Süßigkeiten mussten wir unterwegs regelmässig reduzieren. Natürlich nur damit das Gewicht weniger wird.

Unterwegs fiel uns schon auf, dass reduzierte Menschenmassen hier eher nicht zu finden sind. Zwar fehlen die Japaner und Chinesen, aber leer ist es deshalb gar nicht, und am Berg vor Neuschwanstein kann man weniger Abstand einhalten, als in der Warteschlange vor der Campingtoilette.
Und auch wenn ich überzeugter Maskenträger bin, wäre ich bei dem Aufstieg und der Luft schlicht kollabiert. Aber es wurde noch schlimmer, denn als wir mit dem letzten Luftzug an der Marienbrücke ankamen, empfing uns eine Schlange, deren Ende wir noch nicht einmal erahnen konnten, da sich die Menschenmassen zu einem Knäuel verformt hatten.

Statt 300 kommen aktuell nur jeweils 30 auf die Brücke, was einem zwar endlich mal genug Sicht und Zeit fürs Fotografieren verschaffen würde, aber halt für lange Schlangen sorgt. Und ich versuchte mich nun in die Tausend vor mir zu versetzen bzw. versetzte die Tausend in mein ICH und dieses ICH würde unheimlich lange und viel fotografieren und sicherlich erst die Brücke verlassen, wenn es jede Nuance zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang fotografiert hätte, wobei eigentlich auch noch der Gedanke auftauchen könnte, dass jede Jahreszeit ein anderes Bild abgeben würde. Also kurz gefasst, wäre ICH auf die Brücke gekommen, wäre ich nächstes Jahr am 12. August 2021 wieder runtergegangen. Und wenn in der Schlange auch nur eine geringe Minderheit denkt wie ich, kommen wir in diesem Jahr nicht mehr auf die Brücke.

Also gab ich mich der Schlange geschlagen und wir wanderten weiter. Zuerst zum Schloss, wo uns der Ticketabreiser völlig unausgelastet und müde anblickte. Kein Wunder, der hat ja kaum was zu tun. Normalerweise reist der hier Millionen Zettel die Stunde.
Wir fanden danach wenigstens noch einen kleinen Viewpoint-Ersatz und fanden sogar jemanden, der das Telefon bedienen konnte. Okay, auf 2 von drei Bilder fehlt der Turm halb, aber auf dem 3. Bild waren wir sogar mit Schloss zu sehen.

Wir gaben uns damit zufrieden. Ich glaube, ich habe auch genug Schloss-Ansichts-Bilder gemacht, dass es für einen Bildband reicht. Außerdem haben wir so gleich mehrere Gründe zum Wiederkommen und Längerbleiben.

Aber jetzt ging es zurück auf einer anderen Route nach Schwangau mit dem Ziel des zweiten Schlosses und des Alpsee. Doch nach einem leckeren Essen kam der angekündigte Regen und wir traten den Heimweg im Sommerregen an. Schlechtes Schuhwerk beschert einen nasse Füße und einen trockenen Kopf. Aber darüber beschwere ich mich nicht, denn das wussten wir vorher. Und wenn man schon nass ist, kann man auch viel besser durch die Pfützen laufen, singen, springen und pullern.

Und außerdem hatten wir nach fünf kochend heißen Tagen auch ein Ziel: ab auf unsere Wohnwagenspielwiese, kuscheln und Anna und Elsa schauen bei Chips und Schokolade. Der erste gemütliche Abend im Wohnwagen steht an und wir haben sogar gezaubert und aus dem Bett einen Tisch gemacht. David Copperfield würde vor Verblüffung seinen Job an den Nagel hängen, während die Dauercamper nur müde lächeln. Aber wir mit unserem gedeckten Tisch, inklusive blütenweißen Taschentuch-Servietten sind mächtig stolz und genießen unser Tiny House bevor es morgen in den vierten Urlaub geht.

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