22. August – Oikohol macht vagesslich

Nach Donau, Chiemsee, Bannwaldsee, Bodensee, Trübsee, Rhein und Neckar sind wir nun direkt am Main, genauer gesagt gleich bei Würzburg ums Eck. Nun könnte man denken, dass bei soviel Wasser im Urlaub unser liebstes Getränk das stille Wässerchen war. Aber weit gefehlt, wir haben uns sozusagen auch kulinarisch durchgesoffen und alles probiert, was die jeweilige Region so zu bieten hatte. Jetzt im nachhinein betrachtet, hätte ich mal jedes Fläschen Bier, Radler, Cider und Wein fotografieren können und danach meine kulinarische Reiseuntermalung gestalten sollen. Noch so ein Grund noch mal von vorne mit dem Reisen zu beginnen. Ich bin ja soooo vergesslich.

Aber ich bin auch nicht die Einzigste. Denn während ich ja nur vergesse, was ich getrunken habe, vergessen hier in Würzburg auf der alten Mainbrücke gleich alle, warum sie verdammt nochmal die letzten Monate zu Hause bleiben sollten und alleine trinken angesagt war. Da war doch irgendetwas mit Abstand und so, oder? Hier auf der Mainbrücke nicht, denn hier gibt es Wein und Sonnenschein und die menschliche Seele sehnt sich nach Kontakten. Wer diese sucht, sollte hierhin kommen. Wer Abstand wahrt, ist hier fehl am Platz.

Wir haben dafür mal lieber auf einem Abstands-Konzert vorbei geschaut. Das war ganz schön verrückt. Hier trat eine Band aus Würzburg mit dem Namen des Teufels im Bandnamen auf. Ihr Musikstil wird als Post-Hardcore umschrieben und ich hätte gesagt: „ganz schön rockig“. Was das Ganze mit der Post zu tun hat, erschließt sich mir noch nicht ganz, aber vielleicht brauch ich dafür auch noch ein Glas Wein. Und während diese Band so richtig post-hardcore-mässig abrockte, saßen vor ihnen, ja saßen, ca. 100 Menschen brav auf ihren Stühlen inklusive der notwendigen Abstände. Ich habe mal durch den Zaun geillert und zumindest ein Wippen der Köpfe in der ersten Reihe vernommen. Ich kann mir vorstellen, dass dies nicht ganz einfach für die Band war. Gestern beim Simon & Garfunkel- Tribute waren ja geräuschtechnisch so etwas wie Standingovations zu vernehmen und ich hoffe die Band des Teufels konnte die Nicht-Menge noch in Bewegung versetzen. Mich hat dieses Schauspiel jedenfalls irgendwie begeistert und verstört.

Wir jedenfalls trinken heute Abend ein Fläschchen Wein vom Main allein (schöner Reim) und vielleicht vergesse ich dabei, dass es unser letzter, der siebte, Urlaub ist.

Jetzt sind wir aber erst einmal in Würzburg und haben nachdem wir heute den Standortwechsel gemeistert hatten, die Stadt angesteuert. Zuerst ging es zur Residenz, schon allein weil davor ein Parkplatz war. Und so schauten wir uns die Residenz und den umliegenden Parkt so rein äußerlich an. Auf Museum hatten wir vier heute keine Lust und so wurde es eher ein Schlendern durch den Park. Dann stärkten wir uns und ca. 20 Wespen im Biergarten. Uns und den Wespen hat es sehr geschmeckt.

Weiter ging es zum Dom, wo wir nicht reinkamen, weil gerade geheiratet wurde. Und ich kann auch verstehen, dass solch eine Domhochzeit zeitmässig auch auszukosten ist, wenn man es schon einmal im Leben tut. Also gaben wir auf und gingen gleich nebenan in den Neumünster, der optisch sehr beeindruckte. Alle Menschen waren ja auf der Mainbrücke und tranken Wein und so hatten wir die Kirchen der Stadt quasi für uns. So schauten wir auch noch an der Marienkapelle vorbei, wo wir aber dann von den Post-Hardcore-Musikern abgelenkt wurden.

Insgesamt gefällt uns Würzburg auf den ersten Blick sehr gut, auch wenn hier viele Menschen sind. Deshalb werden wir morgen wohl noch einen weiteren Tag in und um Würzburg verbringen und schauen ob die Sehenswürdigkeiten, des Sehens würdig sind.

Doch bevor ich Euch mit Städtebeschreibungen langweile, hier noch eine kleine Anekdote von heute morgen. Ich hatte ja ganz zu Beginn der Reise von Swen’s Ängsten bezüglich seiner Quality-Time auf Toilette berichtet. Jetzt am Ende der Reise, können wir mit vollem Stolz behaupten, dass es zu keinen kritischen Situationen kam und somit alle, fast alle, Sorgen unbegründet waren. So war unser Campingklo quasi noch jungfräulich. Also bis heute morgen zumindest. Denn es goß in Strömen und wir lagen verpeilt im Bett und dösten im lauen Sommerregen vor uns hin. Nur Georg war wie immer schon munter und aufgeregt, vor Urlaub Nummer sieben. Irgendwann verschwand er im Bad und wir Eltern bekamen nichts mit, weil total im Halbschlaf und plötzlich kam er ganz aufgeregt rausgerannt:

„Mama, (ooh, ooh, ooh, ooh) ist es schlimm, wenn ich gekackert habe?“

Nein mein liebes Kind, denn für die Kloreinigung ist der Papa zuständig. Ich liebe, diese klar geregelte Aufgabenverteilung im Urlaub. Befürchte jetzt nur, dass mich dafür noch irgendeine Rache erwartet. Bis dahin lege ich aber Swen mal die Gummi-Handschuhe der Veterinäre hinaus und warte auf seinen Gesichtsausdruck.

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