14. August 2022 – Auch wir können #cool #posen

Als ich heute früh aufwachte wusste ich nicht wie spät es ist, da wir ja hier genau auf der Grenze zwischen zwei Zeitzonen nächtigen. Aber auch egal, denn es war hell und vom Balkon aus, habe ich diese Wahnsinns Aussicht. Das blöde ist nur, die anderen schlafen noch tief und fest. Also habe ich noch bis zum Weckerklingeln mit scharrenden Füßen im Bett gelegen, um dann gleich mit der Zahnbürste bewaffnet den Ausblick zu genießen. Hätte nur noch ein schöner Kaffee gefehlt, aber dass hätte sich mit der Zahnbürste gebissen. Also summend den Ausblick genießen und nicht sabbern, im doppelten Sinn.

Doch all die Liebe zu dem Balkon half nichts, es ging für uns weiter gen Norden. Nächstes Ziel heißt Moab und wir haben an möglichen Viewpoints und Wanderrouten schon einiges gestrichen. Für diese Strecke allein könnte man Tage brauchen, wenn nicht Wochen, aber wir hatten einen Tag. Also schnell in der Goulding’s Lodge einen French Toast, Omelett und den Kaffee aus der Kanne und ab ins Auto.
Aber wir kamen nicht sonderlich weit, denn da ist diese Straße zum Monument Valley mit dem aus Fernsehen, Kino und Internet bekannten Blick von der Mitte der Fahrbahn.

Also auch wir, raus aus dem Auto und den Mittelstreifen belegen. Posend oder nur fotografierend lümmelt man hier auf dem gelben Mittelstreifen rum. Alleine ist man nie, da diese Idee #monumentvalley viele haben. Am geilsten fand ich die Familie, die schnell mal ein Stativ plus Selbstauslöser aufgebaut hat. Denn das Ding ist, die Straße wird auch als echte Straße genutzt, also mit Autos aus beiden Richtungen und so. Und jeder der sich posend, wie auch wir, hier hin begibt, erhält klare Anweisungen, wie:

„In 20 Metern kommt ein Auto!“
oder
„Schnell nach rechts springen, also das andere rechts meinte ich eigentlich!“

Wir haben diese Action aber erfolgreich überlebt und sind zum Mexican Hat gefahren. Dieser arme Monolith steht unweit des Monument Valley im Tal und findet keine Beachtung. Deshalb wohl der Name, oder vielleicht auch, weil er entfernt nach einem mexikanischen Sombrero aussieht. Also alles in allem nicht ganz so spannend, aber ein Foto musste auch hier sein.

Danach ging es in das Valley of the gods, welches wiederum zu unrecht vernachlässigt wird. Denn diese 17 Meilen sind nicht gespickt mit Souvenirhändlern und Touristikanbietern, dafür aber mit ähnlich beeindruckenden Monolithen, die mit dem Monument Valley mithalten können. Und das beste war, wir waren nahezu alleine. Auf der ganzen Strecke begegneten wir nur 5 weiteren Auto’s und hatten jedes Motiv für uns. Liebes Valley, ich mache hier schamlos für Dich Werbung, denn diesen 2. Platz hast Du nicht verdient!

Danach sollte es zu dem Needles Overlook im Canyonlands gehen. Also rein theoretisch, denn hier erlebten wir mal wieder Wetter, Wetter, Wetter. Wie jeden Tag durften wir zahlreiche Blitze vor uns beobachten. Beobachten, nicht fotografieren! Und es kamen auch 10 Tropfen runter. Doch plötzlich standen wir im Stau und nichts ging mehr. Wenigstens hatten wir eine schöne Aussicht, wenn wir am großen LKW vorbei schauten. Wer amerikanische Straßen kennt, der weiß, dass es manchmal keine schnelle Umgehungsstraße gibt, sondern man nichts anderes tun kann, als zu warten. Die Alternative wäre ein Umweg von mehreren hundert Meilen.

Hat etwas sehr beruhigendes, wenn man mal nicht alle Alternativrouten checken muss, die Verkehrsnachrichten googelt und alle Bekannten anruft. Nein, so nahmen wir es einfach hin, packten das IPad aus, stellten einen Familienfilm an uns sahen zu viert im Auto Fernsehen. Herrlich entspannend.
Irgendwann kam ein netter Typ im Jeep vorbei und informierte uns, dass die Straße wegen Überschwemmung gesperrt ist, und es noch 1-2 Stunden dauert. Auch hier keine nervöse Reaktion unsererseits, konnten ja eh nichts ändern. Also wieder auf die Play-Taste drücken und weiterschauen.

Nach ca. 1,5 Stunden setzte sich plötzlich die Stauschlange in Bewegung und es ging genauso entspannt und ruhig weiter. Swen und Pini hatten in der Zwischenzeit noch eine Wanderung unternommen und Kontakt zu echten Amerikanern aufgenommen, weshalb ich das Fahren übernommen habe. Und dann ging es über den überschwemmten Highway, der durch das Gewitter und die dazugehörige Springflut völlig unter Wasser stand. Aber unser Auto hatte ja schon vom Lake Powell das Seepferdchen und so war die Überquerung des Wassers für uns kein Problem. Allerdings hatte ich nun deutlich mehr Respekt vor den Gewittern, die uns seit Tagen begleiteten. Kann ganz schön heftig werden.

Nun war es zwar deutlich später als geplant, aber noch nicht zu spät und so steuerten wir kurz hinter der Überschwemmung doch noch zum Needles Overlook und genossen die Aussicht über ein weiteres Valley, vom Colorado geschaffen. Am besten sind hier die Steinstrukturen, die zum Klettern förmlich einladen. Ich hänge immer vorne am Abgrund und genieße die Aussicht, während ich überlege, wie es Leuten mit Höhenangst jetzt wohl gehen würde. Aber ist ja Gott-sei-Dank nicht mein Schicksal, also ran an den Abgrund.

Nun aber auf die letzten Meilen Richtung Moab. Wobei ein kleiner Stop am Wilson Arch, dem ersten unserer Arches, musste noch sein. Ein kleiner Vorgeschmack auf den morgigen Tag und ein Grund den Kameraakku zu laden.
Jetzt sitzen wir in Moab im Hotel, haben uns wieder wunderbar selbst versorgt, alle Adapter sind in den Steckdosen verteilt und bereit zu laden und wir schauen uns Foto’s der letzten Tage an. Ich befürchte, es wird dieses Mal nicht nur ein Fotobuch, sondern eine ganze Buchreihe. Aber zumindest gibt es ein paar außerfamiliäre Interessenten für meine Foto’s, was mich weiter anspornt.

Ich würde ja jetzt sagen: Prost! mit einem Gute-Nacht-Weinchen, aber dank der Gesetze hier in Utah sitzen wir auf dem Trockenen. Alkohol nur in der Kneipe oder dem Liqueur-Store, nur ja nicht im stinknormalen Supermarkt. Und Kneipe wollten wir nicht und der staatliche Liqueur-Store hatte schon zu. Ich habe gerade ein DejaVu zu meinem Silvester hier in Moab vor einer gefühlten Ewigkeit. Es hat sich nichts verändert, Gott-Sei-Dank.

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