16. August 2022 – Der Mann mit dem magischen Spray

Dieses Mal gibt es die Auflösung des Blog-Titels erst zum Schluss, denn ich will mich erstens in der Hauptsache mit den schönen Momenten des Tages befassen und zweitens sind so alle Leser auch gezwungen bis zum Schluss durchzuhalten.

Also, wir starteten in Moab mit einem wunderbaren amerikanischen Frühstück in den Tag, der ein Fahrtag mit Zwischenstopps werden sollte. „Wunderbares amerikanisches Frühstück“ ist übrigens eher zynisch gemeint. Ich bin in jedem Hotel entsetzt, dass ausschließlich mit Plastikverpackungen und somit mit unendlich viel Müll gearbeitet wird. Da gibt es Plasteteller, Plastebesteck, Plasteschüssel und -becher. Alles ist aus Hygienegründen am besten noch einzeln in eine Plastetüte eingepackt. Selbst der Honig kommt in kleinen Plastetütchen daher, auch die Muffins, die Butter usw. Im Laufe eines Frühstücks fabriziert so jeder Gast eine Mülltüte voller Plastemüll. Erschreckend!

Aber zurück zu unserem Fahrtag. Ziel war Bryce in den Abendstunden und wir wollten natürlich nicht nur fahren, auch wenn hier das Fahren in den unendlichen Weiten einfach nur schön ist. Also den Reiseführer auf den Knien und schöne Autofahrmusik, meist Country, im Radio eingestellt.

Erster Stop wurde der Little Wild Horse Canyon mitten im Nirgendwo auf halber Strecke. Wieder ein Canyon mit ähnlichen und doch anderen Eindrücken. Man kann hier eine große Runde gehen, entweder links oder rechts herum und wir entschieden uns für das andere Links. Leider konnten wir uns nicht eine ganze Runde zeittechnisch leisten, also ging es 45 Minuten hinein in den Canyon und anschließend wieder zurück. Es wurde immer enger und enger und bei den Kinder veränderte sich das Äußere eindeutig zu Reinhold Messner. Beide kletterten hoch und runter bzw. in den Slots einfach nur breitbeinig nach oben. Georg wollte eigentlich immer weiter rein, wobei wir erwähnen müssen, dass am Wendepunkt wir Erwachsenen mit Rucksäcken kaum noch durch passten und tendenziell stecken geblieben wären. Wir hätten nicht einmal Hilfe rufen können, denn wir wurden am Startpunkt darauf hingewiesen, dass Handyempfang nur oben auf der östlichen Klippe bei gut stehendem Wind zu erwarten ist. Und ich hatte nicht einen blassen Schimmer wo Osten ist, zwischen diesen riesigen Schluchtwänden und wäre wohl auch nie hoch gekommen, weil steckte ja fest.

Aber wir waren ja rechtzeitig gewendet und fanden somit auch zum klimatisierten Auto zurück. Schnell noch ein Picknick im Auto, da es draußen keinen Schatten gab und weiter Richtung Tagesziel.

Unser nächster Abstecher führte uns in den Capitol Reef Nationalpark und wieder waren wir geflasht von der Schönheit der Bergwelt. Zwar waren einige Passagen wegen Springfluten gesperrt, aber trotzdem genossen wir die Durchfahrt durch den Park. Swen machte Witze über Kaktusse und deren Mehrzahl Kacktussen und litt darunter, dass ich jede Einbuchtung zum Parken und fotografieren nutzen wollte. Aber es sah auch am Spätnachmittag alles wieder so schön rot aus. Und die gefallenen Steine glichen Dinosaurierschädeln und so ging wohl die Fantasie mit uns durch.

Die letzten Meilen führten uns über die Hochebene Richtung Bryce. Wieder einmal verloren wir das Gefühl für die Höhe, denn wir reisten zwar auf über 2000 Meter Höhe, aber es sah aus wie in der Mecklenburger Seenplatte, nur größer und unendlicher und mit weniger Ortschaften. Inzwischen war das Wüstenrot zu großen Teilen verschwunden und es gab saftige grüne Felder und Plantagen. Auch änderten sich die Ortschaften, denn bisher hatten wir hauptsächlich Trailerparks und hier kamen echte Häuser dazu. Der Bauer oder Ranger hier scheint Geld zu haben.
Auch gab es wie jeden Tag die nachmittägliche Blitzshow am Himmel um uns herum. Wieder ohne uns direkt zu treffen, dafür aber dieses Mal mit Regenbogen.

Gegen 20 Uhr erreichten wir Bryce und checkten im hiesigen Großhotel ein. Plötzlich viele Menschen und lange Schlangen. Doch wir wollten nur auf’s Zimmer und uns noch schnell ein Abendbrot gönnen. Also Herzlich Willkommen in Room 7351. Wir schlossen die Tür auf und uns erschlug ein muffiger Geruch, der selbst bei Aufbewahrung von getragenen Sportklamotten über die Ferien nicht getoppt werden kann. Also nicht so ein bissl muffig, wenn ein Raum mal einen Tag keine Lüftung bekommt, sondern mehr von der Sorte, dass du parallel nach einem Sauerstoffzelt fragst. Als ich dann noch feststellte – ohne Socken – dass der wunderbar braune Teppich nass war, ging es für uns schnurstracks zurück zur Rezeption, vorbei an gefühlten 7351 Zimmern.

Dort sagte man uns, dass man das Problem „checken“ wird und danach eine Entscheidung getroffen wird. Also zurück zum Muffelroom und auf den Facility Manager warten, der gleich mal mit Verstärkung anrückte. Einer der beiden öffnete die Tür, roch und schlug uns sofort eine Problemlösung vor. Er hatte nämlich ein wohl magisches Raumspray schon parat in der Hand, womit er all unsere Probleme lösen konnte. Ich glaube, dies war der Moment, wo ich ihn mit ausgestreckter Faust anspringen wollte. Aber ich biss mir auf die Zunge, denn Swen war heute Verhandlungsführer in dieser Kriegssituation. Also führte er ihn zum nassen Teppich und der FM führte ein Gespräch mit der Rezeption um uns anschließend mitzuteilen:

„Wir sind leider ausgebucht und da Sie über einen Drittanbieter gebucht haben, mögen sie es doch mit denen klären. Aber wir können das Raumspray anwenden, als Kompromisslösung.“

Nun konnte auch ich mich nicht mehr zurückhalten. Es war mittlerweile 21:30 Uhr, wir standen auf dem Parkplatz mit einem Kind und einer erwachsenen Tochter und drinnen stank es zum Himmel, trotz des magischen Zaubersprays des FM und man konnte nicht barfuss durch den Raum laufen, ohne Schwimmhäute oder Pestbeulen an den Füßen zu bekommen. Also jetzt war Schluss mit lustig, mit Kirschen essen, mit Ende Alliende….Also wieder an 7351 Zimmern vorbei zur Rezeption und Radau machen. Im Endeffekt haben wir ein neues Zimmer bekommen, dass letzte in der langen Reihe (7525) und brauchten eine Flasche Wein zur Beruhigung unserer Nerven, natürlich nicht gesponsert vom Zauberspray-Inhaber. Gerochen hat es immer noch, aber nur noch wie 6 Wochen Turnbeutel, doch dafür war der Teppich trocken bzw. durch Fliesen ersetzt. Und wir sagten uns:

„Nase zu und durch!“

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