Kinder, wir lieben Euch über alles, aber…Teil 2

Nun endlich folgt Teil 2, bevor ich nicht mehr weiß, wie schön es doch war. Also zurück zum kinderlosen Wochenende ohne Fremdbestimmung. Zumindest ohne Fremdbestimmung durch die süßen Kleinen und Großen.

Nachdem uns das Hotel im Bad Schandau also keine Nacht länger aushalten wollte, wechselten wir nach Dresden. Fünf Sterne, Butler, Promi’s an den Wänden und Pralinen auf dem Zimmer machten den unglaublichen Schnäppchenpreis für Spätentschlossene noch wunderbarer. Die einen wollten uns nicht für 130 EUR und die anderen nahmen uns mit einem herzlichen Willkommen für 65 EUR. Bis Dresden hatte sich also noch nicht rumgesprochen, wie wir so drauf sind. Haben wohl noch nicht diesen Block gefollowt, blöder Fehler.

Aber das war natürlich nicht alles was uns interessierte, denn wir wollten ja völlig selbstbestimmt viel erleben. Also gab es zuerst eine Wandereinheit auf die Festung Königsstein, damit der Muskelkater auch ja nicht zur Ruhe kommt. Und ich konnte noch weiter meinen Fotofinger trainieren, ein arg strapazierter Muskel. Auf so ner Festung kann man ja schließlich 360 Grad runterschauen und knipsen was das Zeug hält. Würde es noch Filme geben, wäre ich Großaktionär bei den Filmherstellern mit einem Sitz im Vorstand.

Danach ging es weiter nach Dresden, die Sonne kam raus und so wurde es Zeit für den ersten Sonnenschein-Sonnenbrillen-Sprizz am Nachmittag. Würde man ja als Erziehungsbeauftragter nie tun, damit man kein schlechtes Vorbild ist und noch alle sieben Sinne beisammen hat, um Katastrophen zu vermeiden. Als Erziehungs-Urlauber jedoch schwindet die Vorsicht und man nimmt ein Gläschen in der Sonne, einfach weils schön ist und schmeckt.

Motiviert durch den Energiebuster ging es weiter auf Stadtrundgang mit Foto’s ohne Ende und Kilometern, die unsere Kids schlicht verweigert hätten. Und in mir wuchs der Wunsch, den Blick auf die Altstadt in wirklich jeder Phase der untergehenden Sonne zu fotografieren. Das könnten so um die tausend Aufnahmen werden, gestreckt über Stunden. Auf dieses Unterfangen musste ich meinen Liebsten jedoch schonend vorbereiten, denn freiwillig ging nach ca. 20 km so gar nichts mehr.

Also gab es zuerst eine Stärkung in einer Tapasbar. Hungrig in eine Tapasbar zu gehen, hat ungefähr ähnliche Auswirkungen wie hungrig einkaufen zu gehen. Portemonnaie (darf man seit Neuestem auch Portmonee schreiben) leer und Wagen/Bauch übervoll. So auch in unserem Fall. Mein Swen-Motivierungsversuch endete also eher in einer Stimmung von

„Ich will mich nie mehr bewegen!“

Aber da Swen auch mittlerweile nicht mehr selbstbestimmt war, denn ich hatte einen Plan, und es nur noch nicht wusste, hatte diese Aussage keinerlei Bedeutung für mich und meine Mission.

Das einzige, was jetzt noch Bedeutung hatte: Nachtfoto’s vom Canaletto-Ausblick. Und vielleicht auch noch unser Knoblauchgestank, der uns den Weg dahin freiräumte. Aber hier zeigte sich mal wieder, der feste Wille allein reicht nicht aus, man braucht auch einen Plan B. Unser Plan B waren die tollen E-Scooter, die dank dämlicher Touristen eh überall im Weg rumstanden.

Also luden wir die App, schalteten uns je einen E-Scooter frei, übten bremsen und beschleunigen, überlebten die ersten Meter und wurden mutiger und mutiger. Um es gleich vorweg zu nehmen, der Adrenalin-Schub dieser Aktion ist nicht auf unsere Fahrkünste zurückzuführen und wir haben auch völlig schadenfrei überlebt.

Wobei ich sagen muss, dass die Fahrt über Kopfsteinpflaster etwas Surrealistisches hatte, wenn man unser rhythmisches Gejammer irgendwie mit Kunst umschreiben möchte, anstatt von Schaden zu sprechen.

Doch bevor das richtige Adrenalin durch meine Adern pumpte, konnte ich endlich die Nachtbilder schießen. Ich beschränkte mich auf nur knappe 100 Aufnahmen, um es nicht zu übertreiben.

Tagessoll war also abgehakt und nun sollte es nur noch zurück ins Hotel an die Gin-Bar gehen. Dies schließt allerdings ein, dass man seinen E-Scooter wieder irgendwo in den Weg stellt, oder wie wir, spießig auf einen Fahrradplatz und abschließend sich per App auscheckt. Soviel zur Theorie.

Denn als ich mein Handy in die Hand nahm, war der Akku alle und das Handy tot. Also nix mit „Fahrt beenden“. Nun kam mein Adrenalin-Moment. Ich renne ins Hotel und entscheide mich an der Rezeption, nicht erst auf mein Zimmer zu rasen, welches natürlich ca. 5 km von der Rezeption entfernt war, sondern an der Rezeption nach einem Ladekabel zu fragen und mein Dilemma zu erklären. Bin ja schließlich schon nen Halbarathon gelaufen, also kann ich mir ein paar Schritte sparen.

Die gute Fee hilft mir, ich beginne den Ladevorgang und das Handy heißt mich willkommen. Mit 15 Begrüßungsprozenten fühlte ich mich gleich sicher und rannte (ja wirklich) wieder raus, zur Frauenkirche, meinem Scooter und Aufpasser-Ehemann. Kaum angekommen, wollte ich ihn erlösen, ziehe das Handy und bing, wieder ein schwarzer Bildschirm. So ein E-Scooter wird ja Gott-sei-Dank nur pro Minute berechnet, ist ja nicht soooo schlimm.

Also auf dem ausgelatschten Absatz kehrt gemacht und zurück zur Rezeptions-Fee, die schon kicherte, als sie mich rennen sah. Nun dachte ich mir, beim zweiten Versuch bist Du schlauer und übst dich in Geduld, eine meiner großen Stärken. 15%, 16%, 17%….wann kann ich mir sicher sein? Bei 20% und einem Nervenkostüm wie ein Gorilla auf Extasy startete ich erneut meinen Turbo, der eigentlich nur noch Ähnlichkeit mit einem Trabi hatte und erlöste endlich meinen Aufpasser und mein Portmonee.

Was ist die Moral von der Geschicht?

Leih niemals ohne volles Handy nicht.

Nun hatten wir uns endlich unseren Gin-Tonic verdient. Aber irgendwie hat mich das noch mehr gestresst. Was waren das noch für Zeiten, wo man einfach einen Gin-Tonic bestellen konnte. Jetzt übertrifft das Auswahlprozedere locker die Thüringen-Wahl. Welcher Gin? 20 Sorten..Welcher Tonic? 5 Sorten…Sonstige Geschmachtsverstärker? 30 Empfehlungen….ich will doch einfach nur einen Gin-Tonic…

Nach diesem überstandenen Auswahlprozess hatten wir noch einen ganzen Tag Landeshauptstadt vor uns. Dank unserer Knoblauchfahne hatten alle Museen am Montag geschlossen und wir mussten zwangsweise shoppen. Aber so fußlahm wie wir inzwischen waren, war dies nicht einmal für mich ein schönes Erlebnis.

Und dann ging es nach Hause und endlich hatte diese quälende Selbstbestimmtheit ein Ende und wir konnten endlich wieder unser Sein nach Georg ausrichten. Hat uns nämlich doch gefehlt, also manchmal, gelegentlich…

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