Schatz, haben wir noch Klöße zu Hause?

Gestern hatte ich schlicht besseres zu tun, als meine Gedanken in den PC einzuschleußen. Deshalb gibt es heute den Bericht für zwei Tage und ich fange einfach mal ganz von vorne an. Also der Tag begann damit, dass uns Georg die rote Wanderkarte vor die Nase hielt. Beim morgendlichen Abstimmen über Route, Wetter und Lust zog er diese Veto-Karte und machte uns klar, dass er einen Tag Wanderpause braucht. Entweder das oder er geht lieber wieder in den Kindergarten. Ja auch wir haben ein ganz normales Kind, auch wenn es unheimlich gerne wandert. Und da wir ja eine demokratische Demokratie sind, wurde die Vetokarte natürlich akzeptiert und wir dachten über Alternativen in der Urlaubsbespaßung nach. Unsere Hotelanlage bietet zwar einen Pool, aber die Termperaturen lassen diesen Mai zu wünschen übrig. Das Trampolin ist auch schon ausgeleiert und wir sitzen ja das ganze Jahr hier. Also müssen externe Urlaubsbespaßungs-Ideen her.

Aber alle anderen Ideen verpufften so schnell wie der Glaube an Gerechtigkeit. Alle Parks für Kinder haben zu, der Zoo inklusive Test ist schon für einen anderen Tag geplant und die Spielplätze kennen wir schon in und auswendig. Also hatten wir die glorreiche Idee, ein Boot auszuleihen. Sind ja schließlich alleine auf dem Boot, kann ja nicht so kompliziert in den aktuellen Zeiten sein. Falsch gedacht, weder in Sachsen, noch in Sachsen-Anhalt, noch in Thüringen dürfen wir aktuell ein Boot ausleihen und schippern. Ich habe gefühlt jeden Bootsverleiher in unserem Dunstkreis angerufen und förmlich gebettelt bzw. mit meinem unzufriedenen Kind gedroht. Und das verrückte: ein Gruppenfahrrad für vier darf ich ausleihen, aber ein Boot, das geht gar nicht. Wie gesagt, wenn jemand mit frustrierten Eltern sprechen will, macht weiter so.

Also machten wir was ganz Verrücktes. Wir fuhren mit dem Fahrrad um den Cospudener See. Okay, das machen wir eigentlich wöchentlich, deshalb hat sich unser Adrenalin auch eher zurückgehalten und die Endorphine tanzten auch nicht Ballet. Aber wenigstens kamen wir mal ein paar Stunden raus aus unserer Hotelanlage und konnten unserem Bewegungsdrang fröhnen. Übrigens ist hier der Zimmerservice ganz, ganz schlecht. Wir sind ja den ganzen Tag nicht da und keiner kommt vorbei und räumt auf. So eine Sauerrei. Das gibt echt Abzüge in der Bewertung.

Zurück zum Cossi. Der einzige Vorteil war ja, wenn man Montags da ne Runde dreht, dass man dies alleine, in Ruhe und Entspannung machen kann. Keine Schweißperlen, weil man damit rechnen muss, dass ein Rennradfahrer unseren Sohn umnietet oder man vor lauter Menschenmassen einfach mal auf alles gefasst sein muss. Der See war herrlich ruhig und wir genossen unsere Runde. Ein kleiner Stop am Hafen inklusive Urlaubsstimmungs-Aperolchen und einem Eis musste natürlich sein. So lässt es sich leben. Wir hatten sogar 3,5 Minuten Sonne und genossen diese als wäre es Hochsommer. Die Spatzen und Enten wollten auch etwas von unserem krümeligen Glück haben und bettelten um Kekskrümel.

Mit einem Blick auf die Ente fragte mich Swen: „Du Schatz, haben wir zu Hause eigentlich noch Klöße im Gefrierschrank?“

Das brachte selbst die Ente zur Flucht und ich kann sie verstehen, so hungrig wie Swen auf sie blickte.

Als die 3,5 Minuten Maisonne dann vorbei waren, machten wir uns auf die zweite Rundenhälfte und wurden natürlich mal wieder nass. Ich habe seit letzten Freitag die gleichen verschlammten Schuhe an, weil alles andere keinen Sinn macht und meine Regenjacke denkt schon, sie wird eine Jeden-Tag-Jacke, so oft wie ich sie raushole. Meine Gießkanne setzt schon Moos an, weil ich sie nie benutze. Naja, alles ein bissl viel Wetter in diesem Wonnemonat Mail.

ABER HEUTE ERFUHR ICH, WARUM ICH DENNOCH DEN REGEN LIEBE!

Denn ohne Regen füllen sich keine Teiche, insbesondere nicht, wenn diese bis vor ein paar Tagen auf dem Trockenen lagen. Uns so war der Regen perfekt und die heutige Route auch. Wir fuhren fast in das vierte Bundesland auf unserem Roadtrip, nämlich fast nach Brandenburg. Naja, eigentlich blieben wir noch in Sachsen, aber Brandenburg und Polen waren in Reichweite. Ich hatte sogar polnisches Netz und fühlte mich wie auf einer echten Auslandreise. Abenteuer pur inklusive der freundlichen SMS, die mich nach dem Rücksprung ins heimische Netz erreichte:

Die Bundesregierung: Willkommen! Bitte beachten Sie die
Test-/Quarantäneregeln!

Also nach Willkommen! klang das aber nicht. Ich war verwirrt, selbst bei einem Netzwechsel muss ich in Quarantäne? Und Testen soll ich mich auch noch? Gott-sei-Dank bin ich geimpft. Hatte ja keine Ahnung, das Telefonieren so gefährlich ist. Jetzt verstehe ich das auch mit dem Impfen und dem Zusammenhang mit dem 5G-Empfang. Hätte man mir mal gleich so erklären sollen.

Aber trotz dieser sehr direkten SMS konnte mich nichts, nein gar nichts davon abhalten, die Radotzbrücke im Rhododendronpark in Kromlau zu fotografieren. Seit Jahren stand dieses Motiv auf meiner Bucketlist und bei der Planung der Tour war ich irgendetwas zwischen aufgeregt und unheilschwanger. Denn die Brücke und der See waren bis vor ein paar Tagen noch eingezäunt und der See führte kein Wasser. Ich richtete mich also auf mein Sehnsuchtsmotiv ohne Schminke ein. Aber nun komme ich zurück zu diesem wunderbaren Maiwetter. Denn der Regen der letzten Tage hatte den See innerhalb von einer Woche doch endlich etwas gefüllt. Und so bekam ich die Motive, die ich mir erträumt hatte. Danke du tolles, tolles Wetter!

Frisch geknipst konnten wir dann auch auf eine ordentliche Wanderung durch den ganzen Parkt starten. Hier gab es natürlich noch mehr zu sehen. Erstens gab es herrliche Wälder aller Art und eigentlich keine anderen Wandersleut und zweitens machte der Park seinem Namen alle Ehre, den die ersten Rhododendren standen wunderbar in Blüte. Ein herrlicher Anblick. Georg übernahm den Erkundschafter der Wege und hielt dank der Wettervorhersagen immer Ausschau nach einem trockenen Unterstand und Swen freute sich über das heuschnupfige Kribbeln in der Nase. Ein für alle erquicklicher Ausflug. Und nein, dieses Mal sind wir nicht nass geworden, wenn man mal von meinen Freudentränen absieht.

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