Ich schwöre Euch, diesen Satz hat nicht jemand nach der ersten dokumentierten Nahtoderfahrung rausgehauen, sondern ein Madeira-Tourist muss es gewesen sein. Zumindest habe ich diesen Satz heute gefühlte hundert Male gedacht bzw. auch ausgesprochen. Hier gibt es Tunnel, da kann jede Wühlmaus neidisch werden. Sie durchkreuzen die Berge wie tausende Gänge um die Autos von A nach B zu bringen, ohne dass die Beifahrer in jeder zehnten Kurve kotzen müssen. Ich weiß wovon ich rede, denn wenn ich nicht selbst fahre, was ich hier nicht tue, dann wird mir bei Serpentinen und Tornanten furchtbar schummrig. Und meinem Sohn geht es nicht anders. Wir wechseln uns schon ständig bei der Frontsitz-Verteilung ab, damit das schlechte Gefühl nicht in der Tüte endet. Und somit ist es nur sinnvoll, generell diese Tunnelsysteme gelegentlich zu nutzen, um auch so Kotztüten zu sparen.
Ich gebe allerdings zu, bei all den Tunneln kommt der Genuss der Aussicht etwas kurz. Da hilft auch kein gelegentlicher Blick nach rechts und links, wenn man sich gerade mal auf den hundert Metern zwischen zwei Tunneln befindet. Irgendwie müssen wir also noch eine Variante finden, wie wir die Aussicht genießen und dabei die Tüten halten.
Doch für heute wählten wir die Tunnel um gen Osten zum Monte Palace zu fahren, da man das Wetter eher als stark getrübt bezeichnen könnte. Ich hatte mir wie immer einen ausgeklügelten Plan für den Tag überlegt: 1. den Monte Palace besuchen und dabei jede Blüte und jede Knospe fotografieren und die Herren damit in den Wahnsinn treiben. 2. mit dem Korbschlitten gen Tal fahren und überleben und 3. in die Altstadt laufen, etwas bummeln und lecker essen und dann 4. mit der Seilbahn wieder gen Monte Palace und dem geparkten Auto fahren.
Soviel zur Theorie, die mal wieder von der Realität ausgelacht wurde. Denn zum einen hatte ich die Parkplatzsuche am Monte Palace nicht einberechnet, die uns einiges an Nerven kostete. Nach sinnlosen Versuchen per Bestechungsgeld an einen Parkplatz zu kommen und somit Touristen zum Gehen zu bewegen, entschieden wir uns doch für den Bezahl-Parkplatz. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Danach kam dann gleich die nächste Planänderung, denn es war Sonntag und die Korbschlitten hatten ihren Ruhetag. Mal ganz ehrlich, damit rechnet man als Touri doch nicht. Zuerst einmal weiß ich schon seit Tagen, also eigentlich seit dem Check-In, nicht mehr welcher Wochentag ist und außerdem sind doch gerade solche Touristenattraktionen in der Regel 24/7 verfügbar.
Aber was interessiert uns der Plan von heute morgen, wenn vor einem ein wunderschöner Botanischer Garten liegt. Also Enttäuschung abgeschüttelt und rein in den grünen Traum, Fotoknipse scharf gestellt und ab da zuckt nur noch der Fotofinger auf dem Weg ins Tal. Wunderschön gelegen ist der Park mit einem Blick bis ans Meer. Und auch wenn aktuell nicht mehr die beste Blütesaison ist, so blüht es doch eigentlich überall. Über die teils kitschigen Designelemente quer durch den Park kann man streiten, aber sie tun dem gebündelten Grün keinen Abbruch.
Zur Deko wurden sogar einige Flamingos domestiziert. Ob die das nun gut finden, so als Fotomotiv für wirklich jeden Besucher weiß ich nicht. Aber auch ich kam nicht umhin, einige Bilder von diesem satten Pink-Orange zu machen. Kann mich ja rausreden, dass ich dachte mich blinzelt eine Orchidee an. Glaubt mir doch jeder, so schlecht wie meine Augen ohne Brille sind.
Das nächste Highlight war schnell gefunden. Es war grün, leicht stachelig, duftete süß und hatte ein Schirmchen als Deko. Also wenn sich uns eine Chance auf so einen Pina Colada in der Ananas mit mal weniger oder mal mehr Rum bietet, können wir einfach nicht widerstehen. Außerdem waren wir geschafft vom Laufen und Fotografieren und brauchten rein körperlich dringend eine Trinkpause. Und da stand dieser Stand unserer Träume. Mal im Ernst, wer könnte da widerstehen?
Gleich danach setzten wir beschwingt unseren Spaziergang durch den Park fort und merkten beim irgendwann dann doch drohenden Aufstieg, dass wir schwere Beine hatten. Wovon das bloß kam? Keine Ahnung.
Jedenfalls steht da im Park unten am See gleich neben dem Pina Colada-Stand so ein TukTuk Taxi und wartet auf lauffaule Gäste. Ich glaube, der TukTuk-Stand und der Pina-Colada-Stand arbeiten heimlich zusammen. Wir, ganz experimentierfreudig und faul, zogen also am Taxistand eine Nummer (ist mein Ernst, hab es nur vergessen zu fotografieren) und bekamen glatt das nächste Bergauf-Taxi und genossen die neidischen und vielleicht auch belächelnden Blicke der an uns vorbeilaufenden Gäste, während wir gen Eingang hinauf chauffiert wurden. War das schön!
Spätestens jetzt war es nun Zeit unseren Plan bezüglich der Korbschlittenfahrt gen Tal zu überdenken, da es erstaunlicherweise immer noch Sonntag war. Also entschlossen wir uns mit der Bergbahn einmal runter und anschließend wieder hoch zu fahren. So eine Bergbahn steht in meinen Augen immer im Schnee und hat draußen mindestens drei Paar Skier hängen, plus ein Snowboard und drinnen sitzt man dick angehost mit einer Skibrille auf der Nase. Anders kenne ich das doch eigentlich nicht. Und jetzt hier mit Meerblick bis an die Uferpromenade hinunterzugleiten – ohne Skier und ohne Skibrille – ist irgendwie ein skurriles Gefühl. Aber ein Gefühl, was ich auch sofort genießen kann, denn man kann hier in Funchal sowohl die Leute auf ihren Terrassen beobachten, als auch die Autofahrer in den engen Gassen. Quasi wie eine Drohne über der Großstadt, aber bequem im Sitzen. Das blaue Meer liegt vor einem und man sieht die Talstation lange gar nicht. So habe ich mich mehrmals gefragt, ob das manchmal so eine ganz besondere Bergbahn ist, die sich dann im Meer mit einem Tauchgang fortsetzt. Nur mal so als Idee für die Sehenswürdigkeiten-Planer. Ich will dann aber auch Tantiemen nach der Umsetzung.
Naja, da wir inzwischen einen leicht nörgeligen Teenager mitführten, entschlossen wir uns zu einem Mini-Rundgang in der Altstadt mit dem Ziel, der Ananas eine Grundlage in Form von Essen zu verschaffen. Ganz landesuntypisch gab es für den Sohn Spaghetti Bolo und für uns eine Paella. Aber wir geloben Besserung und sind dankbar für alle Restauranttipps.
Aber auf der Suche nach einem Restaurantplatz konnte mich niemand davon abhalten, noch das ein oder andere Foto zu schießen, auch kein nörgelnder Teenager.
Inzwischen hing am Berg eine dunkle Wolke und wir traten die Heimfahrt mit der Bergbahn an. Wieder ohne Skier, aber dafür mit dem teuren Parkticket in der Hand. Ein letzter Check, ob uns nicht doch noch ein Korbschlitten mitnehmen will, aber es war noch immer Sonntag. Somit fuhren wir wieder durch Tunnel und ich hatte mehrere Nahtoderfahrungen oder so ähnlich. Und wir haben den Plan, doch mehr die Tunnel zu umgehen, nur um satt sehen zu können an der tollen Küste, den Bergen und den vielen Häusern am Berg mit ihren wunderschönen roten Dachziegeln.



















































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