Also es geht um das in die Hände klatschen natürlich. In den meisten Situationen würde ich mich als Befürworter des Klatschens bezeichnen. Also wenn zum Beispiel mein Sohn ein Tor geschossen hat, dann kombiniere ich das mit meist peinlichen Jubelrufen (ich bin definitiv noch nicht erholt). Oder auf Konzerten, nach einem tollen Lied, klatsche ich bis die Handinnenflächen rot sind. Wenn es darum geht auf Tagungen Beifall zu geben, bin ich eher der Typ „laut auf den Tisch klopfen“, was handflächenschonend ist und sicherlich nur an der Alternative Tisch liegt. Also insgesamt scheue ich kein Klatschen, außer in einer ganz bestimmten Situation: Der glücklichen Landung eines Flugzeuges.
Alle haben es schon einmal erlebt, die geflogen sind. Nach einer erfolgreichen Landung gibt es immer diejenigen Pauschaltouristen, die ihre Freude über den Urlaubsbeginn mit einem Klatschen Ausdruck verleihen. Bei nicht erfolgreichen Landungen gibt es zumindest keine dokumentierten Fälle von Klatschen, also gehen wir mal davon aus, dass dies wirklich in einer Kausalität zueinander steht: gute Landung = Klatschen.
Auch wenn ich den Zusammenhang durchaus verstehen kann, schließlich klatsche ich auch bei „Tor“, so habe ich mich dieser Rudelbewegung nie angeschlossen. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns eher als Individualtouristen verstehen. Schließlich legen wir ja auch kein Handtuch auf freistehende Liegen. Oder es liegt daran, dass ich schlicht davon ausgehe, dass die Landung genauso gut klappen wird, wie der Start. Warum auch nicht, das Fliegen ist schließlich immer noch statistisch gesehen die sicherste Fortbewegungsart.
Doch kommen wir mal zu dem heutigen Tag. Wir reisten weiter von Porto nach Madeira. Unserer neu erwachten Uber-Liebe sei dank kamen wir preiswert zu unserem Flughafen und peilten nun den Weiterflug nach Madeira an. Ich durfte noch etwas Flughafenshopping tätigen und mache mir an Tag 5 schon Gedanken über die Gepäckkapazitäten.
Und dann ging es 14:30 pünktlich los gen Madeira. Wenn man „schwierigste Flughäfen der Welt Ranking“ googelt steht Madeira auf Rang 3. Angesichts der Tatsache, dass es ungefähr 15.000 große Flughäfen weltweit gibt, ist ein dritter Platz schon sehr beachtlich, wenn man die Fussball-Mutter-Brille aufhat. Wenn man selbige jedoch absetzt, könnte man auch von einem beängstigenden Ranking sprechen. Allerdings kenne ich niemanden, der nur nach Madeira geflogen ist und nie wieder kam. Auch liegt der letzte große Unfall schon viele Jahrzehnte zurück, was man von anderen Flughäfen nicht behaupten kann. Also startete ich in den Flug mit einer gewissen angespannten Erwartungshaltung, allerdings eher so dem Gefühl wie bei einer Achterbahnfahrt. Angst bringt mich hier echt nicht weiter.
Nach knapp 2 Stunden Flug und einem Kaffee später peilten wir den Flughafen an. Eine Dame neben mir verfiel noch in Wolkenhöhe in Panik und betete stoisch vor sich hin und alle anderen versuchten dieses Happening zu filmen. Da ich einen Gangplatz hatte, hätte ich höchstens die Gebete der neben mir sitzenden Dame filmen können. Bis kurz vor dem Boden fühlte sich eigentlich alles wie immer an, nur dass diese angespannten Gefühle der Anderen und deren Adrenalin auch meinen Puls schneller als üblich bei einer Landung schlagen ließen. Und dann kam der Moment, wo mit ausgefahrenen Fahrwerk nur noch wenig Platz zwischen der Landebahn und uns war und der Pilot wie in einem Break Dancer auf dem Jahrmarkt eine Extrarunde angekündigt. Also wurde nochmal durchgestartet und wir flogen energisch wieder gen Himmel. Ähnlich dem Jahrmarkt schüttete das ordentlich Adrenalin aus, was die Dame neben mir eher nicht so zu schätzen wusste. Aber ich fand das Erlebnis eigentlich gar nicht so schlecht.
Allerdings fragte ich mich direkt folgende Dinge:
Wie oft machen wir das jetzt noch?
Landen wir überhaupt heute in Madeira, oder machen wir einen Zwischenstop z.B. in Amerika?
Warum habe ich mir nicht vorher Popcorn besorgt?
Also ging es in einen Loop, wie die Fachleute jetzt sagen würden und wir nahmen einen zweiten Anflug. Ich war ehrlicherweise der vollen Überzeugung, dass wir noch eine „Extrarunde“ gebucht hatten, aber der Pilot zeigte nun sein volles manuelles Können und landete uns sicher und mit keinem Meter mehr Restkapazität auf der kurzen Landebahn. Und direkt mit dem Aufsetzen auf der Landebahn ging es los. Ein tosender Beifall im gesamten Raum der mit zu einem kurzen Mitklatschen animierte. In die zahlreichen Jubelrufe stimmte ich dann aber doch nicht ein, denn das war etwas übertrieben. Bei über 15.000 Landungen pro Jahr und nunmehr fast 50 Jahren ohne Unglück wäre das dann doch etwas zu viel Ruhm für einen doch recht normalen Landevorgang.
Also an alle mit Flugangst: stellt Euch vor, ihr sitzt wie in euren Jugendjahren im BreakDancer und der knackige junge Mann kündigt über das Mikrofon eine „Extrarunde“ an. Eine Landung in Madeira ist auch nicht schlimmer als das, zwinker, zwinker.
Da wir nun auf der Insel im Atlantik sicher gelandet sind, wollten wir nur noch zu unserer Unterkunft. Und was soll ich sagen? Im Unterkunfts-Lotto haben wir dieses Mal den Jackpot geknackt. Ein Traum eines Hause, perfekt eingerichtet und traumhaft gelegen. Wer mal einen Unterkunftstipp benötigt kann uns gerne Fragen. Der Pool ist dank Vormieter noch warm, also wegen der Heizung, nicht wegen dem reinpullern. Im Haus ist alles, was man so benötigt plus viele Dinge, die man als Luxus bezeichnen kann. Wir haben auf dem Grundstück noch Schafe, Ziegen, Hasen und Enten, die wir streicheln oder füttern können. Und nicht zu vergessen sind die diversen Sitzecken mit Blick gen Meer und Sonnenuntergang. Es ist so schön, dass ich schon mal überlege, ein Kaufangebot vorzulegen.
Doch bevor wir nach einem kurzen Anbaden zu dem gemütlichen Teil des Genießens kommen, mussten wir noch die Grundversorgung sicherstellen. Denn außer einem Madeira-Wein und ein paar Kaffee-Kapseln war die Küche noch leer. Also fuhren wir wieder gen Wasser und freundeten uns langsam mit den sehr steilen und sehr engen Straßen an. Ich bin froh, dass hier Swen das Fahren übernimmt, denn so kann ich mich der zielgerechten Navigation „nein, das andere links“ widmen und mein Adrenalin für andere Aktivitäten aufsparen.
Der Supermarkt war schnell gefunden und damit auch das engste Parkhaus meines Lebens. Wir haben bei der Mietwagenauswahl extra darauf geachtet, dass hier nicht „je größer desto besser“ gilt, sondern eher das Gegenteil. Aber hier in dem Parkhaus hätte ich auch mit einem Smart Schwitzflecken unter den Achseln gekriegt.
Doch oh wunder, wir haben es geschafft. Keine Dellen und einen vollen Kofferraum später, können wir nun den Sonnenuntergang und die Aussicht genießen. Prost.






























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