17. Juli 2026 – Naturpools, Fische und Dirndl

Erstaunlicherweise tut Adrenalin am Tag danach nicht weh. Ich hatte ehrlich gesagt mit mehreren Blockaden im Hals- und Schulterbereich gerechnet. Auch Herzflattern wäre nachvollziehbar gewesen, als Grund für eine schlaflose Nacht. Aber keinerlei Symptome, nur eine schlaflose Nacht. Das ist meine Art zu sagen, ich brauch Zeit für eine feste Bindung, in diesem Fall mit dem Hotel bzw. Hotelbett. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine erste Nacht im Hotel gut geschlafen zu haben. Und ich kann noch nicht einmal die Schuld dem Hotel geben, denn alles ist chick. Das Bett ist toll, die Kissenauswahl ist super. Auch die Klimaanlage läuft auf einem sehr niedrigen Geräuschpegel und lässt sich auch gut dosieren. Also alles eigentlich toll, nur dass es halt nicht mein Bett/Zimmer/Haus ist.
Da achte ich einfach auf jedes Geräusch im Umkreis von nem Kilometer und mutiere zur Fledermaus, was die Fähigkeiten meines Gehörs angeht. Sonst sagt mein Mann ja immer: „Höre doch mal richtig hin!“, aber des Nachts in Hotelbetten bin ich komischerweise überhaupt nicht schwerhörig. Eher im Gegenteil und das hält mich dann vom Schlafen ab.
Da achte ich auf den Wellenschlag vom Ozean vor unserer Tür, begrüße jedes vorbeifahrende Auto und versuche es am Geräusch zu erkennen und lausche den letzten und ersten Vögeln des Tages. Mit all diesen Geräuschen und der Tatsache, dass ich offensichtlich noch viel Adrenalin zu verarbeiten hatte, schlief ich also quasi gar nicht.

Doch das ist noch lange kein Grund für einen miesen Tag im Urlaub. Und so schwangen wir uns lethargisch raus aus den Betten und genossen ein erstes Frühstück im Hotel. Der große Pluspunkt in meinen Augen für so einen Hotelurlaub. Bei dem was ich heute morgen so alles probiert habe vom Buffet, hätte ich selbst stundenlang am Herd stehen müssen. Und nun gab es da ganz viele fleissige Personen, die alles zubereiteten. Man sieht ja vorn im Frühstücksraum meist nur die Damen und Herren vom Service und der Live-Cocking-Station. Aber da gibt es hinter den Schwingtüren noch so viele Helferlein mehr, die mir unter anderem meine Ananas in mundgerechte Stücke positionieren und für reichlich Kaffee sorgen. Denen schicke ich jetzt mal ein großes Dankeschön.
Gleich nach dem opulenten Frühstück waren wir zu voll und müde und legten tatsächlich ne kurze Pause im Bett ein. So geht Urlaub und nicht anders. Auch Blogschreiber dürfen mal faul sein.

Aber genug der Faulheit sonst legen wir uns noch Druckstellen zu und damit würde ich wieder an Arbeit denken. Zeit den Ort Porto Moniz mal richtig zu erkunden. Wo wohnen wir denn hier eigentlich? Vor der Haustür fangen wir gleich mal mit dem Hubschrauberlandeplatz an. Ob der nun für Ronaldo oder Notdienste bestimmt ist, konnten wir nicht erkennen. Gleich daneben steht ein kleines Fort, welches das wirklich kleine Aquarium plus eine Aussichtsplattform auf die vorgelagerte Insel beherbergt.
Das Aquarium wollten wir nicht links liegen lassen und so durchquerten wir es. Es ist wahrlich kein Sealife, aber für Kinder aller Altersklassen gibt es was zu entdecken. Besonders das zentrale Becken ist groß und gut gefüllt mit Wasser und Meerestieren. Für Freunde des Tauchsports kann man hier sogar tauchen gehen und dabei die Haie und Rochen beobachten. Und wäre ich nicht so blind ohne Brille, würde ich das glatt machen. Aber wenn man mir eine unangepasste Taucherbrille gibt, besteht die Gefahr, dass ich den Hai mit einer Qualle verwechsele oder denke, dass sind die Flossen eines anderen Tauchers statt eines Fisches. Also ausnahmsweise mal nichts für uns.
Das schöne an diesem kleinen, wenn nicht winzigen Aquarium ist ja, dass man auch nicht zu viel Zeit darin verbringt.

Und so konnten wir nach gerade mal 30 Minuten (hochgerechnet) wieder auf der Uferpromenade flanieren. Neben den Aussichten auf die Naturpools, für die Porto Moniz bekannt ist, sieht man auch noch diverse kleine Inselchen und kann sich, wie wir, auf das Entdecken von Krebsen spezialisieren. Da diese hier fast immer so schwarz sind, wie auch die Lavasteine der Küste, ist das gar nicht so einfach und ich habe noch nicht eine alleine entdeckt.
Übrigens von den Pools gibt es hier zwei verschiedene bzw. dutzende Kleine. Einen großen Bereich mit reichlich Platz für Liegestühle und Sonnenschirme, der einen kleinen Betrag kostet, dafür aber erschlossen ist, größere Becken bietet und eben Platz für Liegen und ähnliches. Oder den ganz natürlichen Naturpool, mit vielen verästelten Teilbereichen, aber kaum Liegeflächen. Der eine kostet etwas Geld, der andere ist gratis. Wobei in den Abendstunden ist auch der größere Pool noch gratis zugänglich, dann aber ohne die Sicherheit eines Mitch Buchannon aus Baywatch.
Wir werden in den nächsten Tagen sicherlich beide Pools mal ausprobieren und berichten, welcher uns besser gefällt.

Für uns gab es daher erst einmal ein schönes Eis, einen Milchshake und einen Kaffee und dann erkundeten wir noch den Pool in unserem Hotel. In unserem Hotel ist eigentlich nicht ganz richtig, denn der Pool steht auf dem Dach. So wird er quasi zum hippen Infinite-Pool mit Aussicht aufs Meer. Da die Sonne sich heute noch nicht zeigte, hatten wir den Pool und den Liegebereich quasi für uns alleine. Und es ist schon ein nettes Gefühl, wenn man vom Pool aus in alle Richtungen aufs Meer sehen kann. Außerdem gab es ein Telefon mit der direkten Verbindung zur Bar und ich verstehe immer noch nicht, warum wir das nicht genutzt haben. Stattdessen lagen wir auf der Liege und lasen echte Bücher und tranken Wasser. Dabei wäre ein Cocktail so viel schöner fürs Angeberfoto gewesen.

Am Abend beschlossen wir dann unsere Stadterkundung im Beer-House und hatten Mitleid mit den Madeirern, die in Lederhosen und Dirndl bedienen mussten. Bringt es wirklich mehr Umsatz, wenn die Angestellten kostümiert für Speis und Trank sorgen? Ich kann es manchmal nicht nachvollziehen. Über eine für Madeira typische Tracht hätte ich mich sicherlich mehr gefreut und es vielleicht auch anders gewürdigt. Ich fahre ja in den Urlaub, damit nicht alles genau wie zu Hause ist.
Irgendwann kam dann noch ein Alleinunterhalter, dessen Gattung mir tendenziell immer Angst macht. Meistens sind es halt auch Künstler die sich nur ganz alleine unterhalten. Woher sonst kommt der Begriff? Aber der hier tätige Herr im schon gesetzteren Alter konnte tatsächlich ganz gut singen. Zumindest so gut, dass wir noch ein Getränk mehr orderten, um ihm zu lauschen und dabei auf den Ozean zu starren.

Ein letzter Rundgang durch den größeren Naturpool und ein Spieleabend im Hotel machen den recht ruhigen Tag dann ganz rund. Morgen gibts wieder mehr zu berichten, doch davor muss ich erstmal ordentlich schlafen.

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