So könnte auch ein Song von Grönemeyer lauten und ich hoffe, ihr habt nun alle den ursprünglichen Song im Kopf, wenn ich weiter texte:
Wale ham keine Arme, Wale zeigen Freundlichkeit
Wale rufen walisch, Wale brauchen viel Sicherheit
Oh, Wale sind so verletzlich
Wale sind auf dieser Welt einfach unersetzlich
Wale essen Plankton, Wale folgen immer dem Strom
Wale tauchen wie blöde, Wale beschwern sich nie am Telefon
Oh, Wale sind allzeit bereit
Wale bestechen durch ihre Größe und ihre Lässigkeit
Wale haben’s schwer, nehmen′s leicht
Außen riesig und innen ganz fein
Werden als Jungtier schon auf Meer geeicht
Wann ist ein Wal ein Wal?
Wann ist ein Wal ein Wal?
Wann ist ein Wal ein Wal?
Ich denke, nun habe ich Eure Aufmerksamkeit für den heutigen Blogeintrag, denn für uns ging es in den Morgenstunden zum Whalewatching mit Lobosonda von Calheta aus.
Wir haben schon einige Whalewatchings auf der Welt gemacht. Ich durfte sie schon auf Hawaii beobachten. Auch von Reunion aus hatten wir einmal Glück. Auf den Azoren durften wir einen Seiwal entdecken und in Südafrika hatten wir mal nur von Walen geträumt, weil das Wetter nicht mitspielte. Aber da ein Wal kein Wal ist, starteten wir heute mit einem beherzten Weckerklingeln um 7:00 Uhr und es fühlte sich dennoch nicht an wie Arbeit oder Schule. Wir waren aufgeregt und gespannt. Georg holte gleich alle Erinnerungen von seinen Wal-Erlebnissen auf den Azoren heraus, insbesondere die Quallenattacke beim Schwimmen mit den Delfinen. Wenn er aufgeregt ist, redet er immer wie ein Wasserfall und wir fühlten uns mit ihm in alte Erinnerungen zurückversetzt.
Das Wetter war gut, der Ozean verhältnismäßig ruhig. Wir sind normalerweise nicht seekrank und so konnte es losgehen im großen Schlauchboot mit Turboantrieb und Sitzfederung. Da wir ja schon einige Bootstouren erleben durften, kann ich diese Sitzfedern nur wärmstens empfehlen, wenn das Boot im Volltempo durch die Wellen fliegt, gelegentlich abhebt und wieder hart landet. So viel angenehmer, als ohne Federung. Überhaupt sollte man bedacht auswählen, mit wem man solche Touren macht. Steht der Kommerz im Vordergrund oder das Wohl der Tiere? Verdienen wollen sicherlich alle an dieser Aktivität, das will ich gar nicht in Frage stellen oder schön reden. Aber den Unterschied machen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die folgende Aussage während der heutigen Ausfahrt: Als wir auf ein abgetauchtes Tier warteten und mittlerweile 4 weitere Boote um uns lagen, kam die Ansage: „Wir denken, dass ist zu viel für den Wal und es stresst ihn. Wir drehen lieber ab.“.
Doch zurück zu dem eigentlichen Erlebnis. Wir saßen, schon wieder, in der ersten Reihe des Bootes. Alle anderen vor uns hatten sich auf die hinteren, etwas ruhigeren Plätze verteilt und so blieb der Frontseat nur für uns. War uns ganz recht, denn wir hatten ja Kamikaze-Jonny bei uns, der jeden Ritt genießt. Und hinaus ging es, weg von der Küste und hinaus auf’s offene Meer. Der Fotoapparat war voreingestellt und somit schussbereit und die Augen waren fokussiert auf die kleinste Abweichung von „Blau“. An der Küste saßen Späher, die versuchten eine Vorselektion vorzunehmen, da ja der Ozean bekanntlich ziemlich groß ist und so eine Walsuche der Nadel im Heuhaufen ähnelt. Früher wurden die Wachtürme für die Jagd nach Walen genutzt und heute für die optische Jagd. Eine deutliche Verbesserung der Situation, wie ich meinen würde. Die Späher schauen nach den Fontänen beim Ausatmen der Wale, auch Blas genannt, die sich im Sonnenlicht deutlich abzeichnen vom Meer. Außerdem hinterlassen auch Wale auf der Wasseroberfläche Fussabdrücke, durch Verwirbelungen beim auf- und abtauchen.
Diese konnten auch wir bereits nach 15 Minuten Fahrt entdecken und mussten nur noch schauen, wo der Wal wieder auftaucht. Zuerst hört man das Ausbrusten des Blas und dann sieht man ihn und kann nur staunen über die Größe, die Eleganz und Schönheit des Tieres. Wir sahen hier einen Brydewal, der ca. 15 Meter lang war und gemächlich schwamm, bevor er zu einem ca. 15 Minuten dauernden Tauchgang abtauchte. Es ist ein überwältigendes Gefühl und ordnet die eigene Größe direkt nochmal neu ein. Wir sind nur ein kleiner Teil dieser wunderschönen Welt, ein Fliegenschiss.
Während des 15 minütigen Tauchgangs erfuhren wir nochmal einiges zum Thema „Wale sind keine Fische“, zum Beispiel das die Schwanzflosse im Gegensatz zu einem Fisch immer waagerecht verläuft. Das macht Sinn zu wissen, wenn man aufgrund der herausragenden Finne denkt, man müsste vor dem Hai flüchten, während es eigentlich ein süßer Delfin ist, der strenggenommen auch zu den Walen zählt.
Aber Fakt ist, dass unser Wal wieder auftauchte und sich noch einmal in seiner vollen Größe zeigte und wir dann wegen dem Stress für den Wal lieber abdrehten und weiter suchten nach dem Wal im Heuhaufen.
Weiter ging es über die Wellen und wir entdeckten eine Gruppe von Grindwalen. Sehr den Delfinen ähnelnd, aber doch noch etwas größer und vor allen von der Kopfform deutlich zu unterscheiden. Und sie schwammen so schön dicht um uns herum, dass wir sie auch nächster Nähe beobachten konnten, während wir nur dahintrieben. Sogar Jungtiere waren dabei und es war einfach ein wunderbares Gefühl. Ich würde fast von einer himmlischen Ruhe sprechen, wenn man den Walen so beim Schwimmgang zuschaut.
Mittlerweile kann ich meine Abstammung vom Neandertaler allerdings auch nicht mehr verstecken. Der Jäger ist in mir erwacht. Bewaffnet mit meinem Fotoapparat verspüre ich einen Jagdinstinkt, der mich immer mehr sehen lassen will. Das ist mit einem Rausch zu vergleichen, denn wenn es nach mir gehen würde, könnte ich so den ganzen Tag weitermachen. Egal ob mir die Sonne den Nacken verbrennt, oder vielleicht das Benzin ausgehen könnte, geschweige denn mein Akku leer und meine Speicherkarte voll wäre. Ich will immer weiter und weiter und Wale sehen. Könnt ihr das Gefühl nachvollziehen? Es macht einfach süchtig.
Allerdings sahen das nicht alle Bootsinsassen so wie ich. Denn während uns die Rücksitzbank durch Serpentinen deutlich mehr zu schaffen macht, als eine wellige Bootsfahrt, hatten andere sich eher dazu entschlossen ganz grüngesichtig die Fische zu füttern. Ich dachte nur: „Okay, mal schauen, welche Tiere DAS anlockt?“. Aber ich schätze die speienden Mitfahrenden hatten das weniger im Blick. Nicht jeder war also im Jagd-Tunnel wie ich.
Also genossen die Übrigen noch etwas die Grindwale und weiter ging es. Erstaunlicherweise ist nämlich die rasante Fahrt über die Wellen deutlich leichter zu ertragen, als das Dümpeln bei ausgeschalteten Motor. Auch ein Learning was ich mitnehme.
Ziel war nun ein weiterer Wal, der vom Späher erspäht wurde. Laut Ankündigung sollte es sich unter Umständen, also eventuell oder auch vielleicht um einen Pottwal handeln. Und mein Jagdinstinkt schlug aus wie ein Geigerzähler in Tschernobyl. Allerdings völlig umsonst, denn der vielleicht-eventuelle Pottwal hatte sich ganz offensichtlich zu einem Tiefgang aufgemacht und der kann mal entspannt 1-2 Stunden dauern. Doch das überschritt die gebuchte Zeit und so hieß es ohne Pottwal wieder zurück zum Hafen. Mein Jagd-Ich machte ein langes Gesicht und mein Sammler-Ich sagte sich immer wieder, was wir doch Tolles erlebt hatten, bis das Jagd-Ich sich endlich wieder verzogen hatte. Ja, es war ein unglaublich schönes Erlebnis von dem ich noch lange zehren werde.
Apropos „zerren“, dass mussten meine Männer an meinem Arm. Damit ich nicht gleich noch in das Büro von Lobosonda steuere und 5 weitere Whalewatching-Touren buchte. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Sammler-Ich noch nicht die Überhand über meine Gefühle und ich war im Jagd-Tunnel.
Zeit für etwas Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten. Nach einem kurzen Mittagsschlaf, waren ja schließlich zu urlaubsuntypischen Zeiten aufgestanden, fuhren wir nach Madalena do Mar. Zuerst ein leckeres Essen, natürlich Fisch, mit reichlich Knoblauch. Erst im Nachhinein entdeckte ich, dass der gesamte Parkplatz von einem Knoblauchfeld umrandet wurde. Das erklärt die Unmengen, in denen meine Riesengarnelen schwammen. Ich schätze wir können nun ganz leicht von den Walen gerochen werden, was eher abschreckend wirken dürfte. Aber vielleicht gefällt es ihnen ja auch.
Hier im Ort ist Wochentags recht wenig los. Ein kleiner Strand mit der Möglichkeit auf Holzplanken zu ruhen, statt das Steinmuster in die Cellulite zu prägen. Hier landen auch die Gleitschirmflieger, falls man das mal ausprobieren möchte.
Und es gibt die Banana Route (RB 1+2+3) durch die Bananenplantagen von Madalena do Mar. Eine Wanderroute ohne Time Slot und Gebühren, wenn man mal für den Obolus für genaschte Bananen absieht. Und so kann man alle hundert Meter Bananen aus der Kiste naschen für 50 Cent. Wir hatten allerdings kein Bargeld auf der Wanderung mit und so verzichteten wir lieber. Hatte Angst, dass der Bananengott uns mit Bananenspinnen bewirft, wenn wir ohne Bezahlung eine Banane naschen. Da bin ich dann doch ein Schisser.
Bananenspinnen gibt es hier zwischen den unzähligen Pflanzen lt. Google zwar nicht, aber aufgrund der gelegentlichen riesigen Spinnennetze in den Bananenstauden, habe ich da so meine Zweifel und gehe lieber kein Risiko ein.
Wir liefen also immer mit einem vorsichtigen Blick durch die Plantagen entlang der Levadas und genossen den schönen Schatten und das satte Grün. Und gleichzeitig erfüllten wir auch noch einen Bildungsauftrag und erklärten dem Kind, woher die Bananen kommen und warum sie nun wirklich krumm sind. Den obligatorischen Versuch, die Banane geradezubiegen haben wir dabei aber unterlassen.
Unseren Abend beendeten wir wie immer an unserem Happy-Place mit einen schönen Bad im Pool. Und wenn ich heute von einer Spinneninvasion träume, bin ich selbst dran schuld.








































