Ja, auch solche Tage gibt es hier auf Madeira. Die Wolken hängen tief. Was für alle Besucher des Fanal-Waldes den Himmel auf Erden bedeutet, ist für alle Aussichtsliebhaber eher so semi toll. Denn Aussicht bedingt Sicht und Sicht bedingt eine freie Bahn ohne Wolken. Wir waren heute Aussichtsliebhaber auf einem Roadtrip.
Aber bevor es on the Road ging, haben wir so richtig ausgeschlafen. Ich habe mein Schlafkonto der letzten Monate noch immer nicht aufgefüllt, aber ich bin auf einem sehr guten Weg. Und deshalb ist es auch eine Wohltat, wenn man nach dem Aufwachen eine 10 vor dem Doppelpunkt sieht.
Normalerweise würde mich das schon wieder ungemein stressen, schließlich könnten wir schon seit locker einer Stunde unterwegs sein, Dinge sehen und somit Erlebnisse sammeln. Doch aktuell ist auch Erholung extrem wichtig. Die Tage sind schließlich lang und so haben wir keinen Zeitdruck. Die verpassten Sonnenaufgänge habe ich nicht gesehen und somit misse ich sie auch nicht. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg zur Urlaubserholung.
Und wenn dann noch der liebe Ehemann das Frühstück zaubert, während ich etwas Blog schreibe, beginnt der Tag wahrlich perfekt.
Doch keine Sorge, es folgte kein weiterer Tag an dem ich gezwungen bin Insekten zu fotografieren. Wir wollten heute mal etwas cruisen und starteten nach Ponta do Sol. Wenn die Sissi schon so sehr die Bananen von Madeira genossen hat, ist es Grund genug, einen zweiten Bildungsausflug zu den Bananen zu machen. Und so steuerten wir das Bananen-Museum an. Erfrischend (wortwörtlich) schön war dieses Museum mit interaktiven Teilen und 4D-Filmen inklusive Sprühnebel für den Regen und Heizspirale für die Sonne.
Hier konnten wir außerdem Georg zeigen, dass die Bananen auch in einer Art Traube wachsen, die sogar Bananentraube genannt wird, an der die Bananenbüschel wachsen. Außerdem erklärten wir mit echten Anschauungspflanzen wie die Mango’s, Papayas, Avocado’s, Pfirsiche und Feigen wachsen. Wir wollen nur sichergehen, dass unser Kind nicht denkt, das alles kommt so fertig beim Obsthändler an, wie er es aus dem Laden kennt. Konnten auf den Azoren ja schon das mit dem Ananasbaum aufklären.
Auch vermittelten wir das Wissen, dass man an Leinwänden befestigte Bananen lieber aufhängt als die Bananen abzureißen und das offensichtlich auch die Robben, Wale und die Maus Verbindungen zur Banane haben. Bildung ist soooo wichtig.
Das Beste am Bananenmuseum war, dass man Bananen naschen konnte aus jeder Kiste die so rumstand. Und sie waren so süß und aromatisch, dass ich direkt Sissi verstehen konnte. Auch gab es im anliegenden Shop natürlich Bananeneis und Bananenbier. Aber der Kaffee war Gott-sei-Dank noch aus Kaffeebohnen und so stärkte ich meinen Kaffeedurst ohne Bananengeschmack.
Ich glaube, jetzt haben wir mittlerweile genug Bananen gesehen, studiert und geschmeckt. Deshalb stand nun ein Miradouro auf dem Plan, der Miradouro do Cabo Girao in der Nähe von Camara de Lobos. Eine Aussichtsplattform als Therapie gegen ausgeprägte Höhenangst. Also im Normalfall, wenn man Sicht hat. Dann befindet sich dort eine Aussicht mit Glasboden und einen Klippenblick, der 580 Meter überwindet.
Das wir keine Sicht hatten ist eigentlich auch übertrieben, denn wir konnten zumindest die 580 Meter runter ans Meer schauen. Nach vorn, oben, rechts und links war es eher so semi mit der Sicht. Ein wunderbares Grau hielt sich genau mit uns auf der Platform auf.
Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Menschen bei der Überwindung ihrer Höhenangst zu beobachten. Das hat Unterhaltungsfaktor. Da war zuerst einmal eine Frau, die trotz aller Ratschläge immer nach unten durch den Glasboden schaute und stöhnte und schnaufte, als würde sie zur Schlachtbank geführt werden. Oder ein paar junge Männer, die offensichtlich nicht mehr ganz nüchtern waren. Sie hatten sich mit schicken Korbmützen aus Madeira geschmückt und standen am Rand zum Glasboden, als wenn sie gleich vom 10 Meter springen müssten. Ich weiß jetzt, wie Angstschweiß richt.
Uns betrifft das mit der Höhenangst nicht, auch wenn ich gerne zugebe, dass der erste Schritt mit Blick durch die Scheiben schon etwas in der Magengegend bewirkt. Aber zumindest nicht so schlimm, dass ich nicht im nächsten Moment die Kamera zücke und versuche das Beste aus dem Schittwetter rauszuholen.
Da half es nur, dass wir den nächsten Programmpunkt auf unserem Roadtrip anpeilten. Den unerreichbaren Strand Praia da Faja do Cabo Girao. Also unerreichbar, wenn man von Autostraßen oder klassischen Wanderwegen mit Time Slot ausgeht. Erreichbar, wenn man weiß, wo die Bergbahn steht. Und die fanden wir und fuhren ohne Skier oder Snowboard gen Strand.
Unten angekommen kann man einen Weg entlang der Küste entweder ein paar hundert Meter nach links oder nach rechts laufen. Doch wer denkt, dass langweilt uns innerhalb von Minuten, der täuscht sich. Denn erstens bekam ich es mit dem Gruseln und zweitens verstand ich die Rolling Stones.
Das mit dem Gruseln kam daher, dass an den Absperrungen zu den Obst- und Gemüseanbauflächen, der hier lebenden und die Einsamkeit genießenden Bauern, lauter Puppenschädel die Spitzen zierten. Wer findet so etwas bitte nicht gruselig? Ich hatte hierfür nur zwei Erklärungen: Entweder handelt es sich um Treibgut, dass zur Vogelabwehr genutzt wird und einige finden diese Erklärung sicherlich nachvollziehbar. Oder es handelt sich, wesentlich wahrscheinlicher, um die Spielzeuge von vermissten Touristen, die hier die letzte Bergbahn verpasst haben und irgendwie am nächsten Tag auf sonderbare Weise verschwunden waren.
Da unser Sohn nicht mit Puppen spielt, habe ich noch Hoffnung, dass uns dieses Schicksal nicht ereilt. Doch meine Fantasie ging noch deutlich weiter und so habe ich mir nun ein paar Notizen für einen Krimi mit diesem Background gemacht. Kann ja sein, dass ich als Autorin nochmal das Genre wechsle und aus meinem Buch „Mit Ohne geht es auch“ im zweiten Teil ein blutrünstiger Thriller über einen Serienmörder aus Praja da Faja do Cabo Girao wird, der sein Gepäck mit hunderten Puppenköpfen auf dem Weg nach Malawi verliert. Man weiß nie!
Doch kommen wir zum zweiten Teil unseres kurzweiligen Aufenthaltes, mein Verständnis für die Rolling Stones. Denn während ich so am Steinstrand saß, unter mir diese riesigen vom Meer rundgelutschten Steine, und auf das Meer und seine Wellen starte, hörte ich die Rolling Stones. Und das kann man jetzt sehr wörtlich nehmen. Denn mit jedem Rückgang einer Welle hörte man laut und deutlich das Geräusch von rollenden Steinen Richtung Meer. Das war so beruhigend und einfach nur wunder-, wunderschön. Schaltet bei dem Video unbedingt den Ton an dann wisst ihr was ich meine.
Ich jedenfalls sehe es förmlich vor mir, wie am 12.7.1962 Brian Jones, Mick Jagger, Keith Richards, Ian Stewart, Dick Taylor und Tony Chapman, statt wie behauptet in London, genau hier an diesem Strand saßen, weil sie im Rausch die letzte Bergbahn verpasst haben. Sie hörten die rollenden Steine und beschlossen die Rolling Stones zu gründen und eine Weltkarriere zu starten, sollten sie jemals wieder von diesem Strand wegkommen. Gott sei Dank hatten sie keine Puppen dabei, sonst hätten wir nie davon erfahren.
Wir jedenfalls hatten weder Puppen bei uns, noch schlummerte in uns eine Weltkarriere und somit schafften wir auch die Bergbahn gen Zivilisation. Oben angekommen stillten wir unseren Hunger im direkt anliegenden Restaurant und genossen einfach nur die Aussicht. Ja, wir hatten mittlerweile Aussicht. Die Wolken zogen höher und es kam sogar die Sonne raus. Da wir alle nicht bereit waren nochmals den Miradouro zu besuchen, gönnten wir uns einfach ein paar Minuten mehr in dieser traumhaften Kulisse, bevor wir nach Hause cruisten. Ein wahrlich toller Tag!













































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